In der Schusslinie
„Partycrasher“ blamieren Obama-Bewacher

Der amerikanische Geheimdienst ist im US-Kongress wegen der zwei ungebetenen Gäste bei einem Staatsbankett von Präsident Barack Obama heftig kritisiert worden. Der Abend hätte aufgrund der Sicherheitslücke eine „Nacht des Schreckens“ werden können, sagte Bennie Thompson, der Vorsitzende des Ausschusses für innere Sicherheit im Repräsentantenhaus.
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HB WASHINGTON. „Es gab nicht zu leugnende Planungs- und Ausführungsfehler des gesamten Apparats des Secret Service“, sagte Thompson bei einer Anhörung am Donnerstag. Dies müsse lückenlos aufgeklärt werden.

Dazu soll auch die Verantwortliche für die gesellschaftlichen Veranstaltungen im Weißen Haus, Desiree Rogers, vernommen werden, genauso wie das ungebetene Paar selbst. Tareq und Michaele Salahi, die sich im Weißen Haus an dem Abend unter anderem mit dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten fotografieren ließen, wollen allerdings nicht vor dem Ausschuss aussagen. Die Agentin des Paares erklärte, ihre Mandanten hätten gegenüber den beiden Ausschussvorsitzenden und dem Geheimdienst schon alles gesagt.

Der Demokrat Thompson erklärte jedoch, die Anwesenheit der beiden werde notfalls mit einer Vorladung erzwungen. Der im Ausschuss führende Republikaner, Peter King, kündigte an, auch Rogers vorzuladen, falls Thompson dies nicht veranlasse. Das Weiße Haus dürfe sich nicht „einmauern“, kritisierte er die Weigerung des Präsidialamtes, Rogers aussagen zu lassen. Obama sagte unterdessen in einem Interview, dass er sich im Weißen Haus immer noch sicher fühle, auch „wenn das System nicht so funktioniert hat, wie es sollte“. Sein Vertrauen in den Secret Service für seinen Schutz und den seiner Frau und der beiden Töchter könnte nicht größer sein, sagte Obama im Gespräch mit den Zeitungen „USA Today“ und der „Detroit Free Press“.

Thompson sagte vor dem Ausschuss: „Es geht bei dieser Anhörung nicht um das Stören einer Party im Weißen Haus.“ Es gehe um die Sicherheit des Präsidenten. „Wir müssen dankbar sein, dass niemand getötet wurde“, sagte er weiter. Der Fehler könne nicht auf ein oder zwei Beamte abgeschoben werden, die ganze Planung müsse überprüft werden.

Der Direktor des Secret Service, Mark Sullivan, räumte den Fehler seines Dienstes ein. „Bei unserer Arbeit können wir uns nicht mal einen Fehler leisten“, sagte er reumütig. Drei uniformierte Beamte des Dienstes, die offenbar für das Einlassen der Salahis verantwortlich waren, wurden suspendiert, wie Sullivan dem Ausschuss sagte. Er betonte, es habe jedoch zu keiner Zeit eine Gefahr für die Gäste oder den Präsidenten bestanden. Den Salahis gelang es am vergangenen Donnerstag, als „Partycrasher“ ohne Einladung zum Staatsdinner vorzudringen, das Obama für den indischen Ministerpräsidenten Manmohan Singh gab.

Berichten zufolge wollten sich die beiden damit für eine Reality-TV-Show empfehlen. Ein Foto des Weißen Hauses zeigt, wie Michaele Salahi mit beiden Händen Obamas rechte Hand ergreift und ihn anlächelt. Ein Foto mit Vizepräsident Joe Biden stellten die Salahis selbst bei Facebook ein.

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