In der Türkei entführte Bergsteiger
PKK nennt Bedingungen für Freilassung der Deutschen

Zwei Tage nach der Entführung der drei deutschen Bergsteiger hat die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) Bedingungen für deren Freilassung gestellt. Deutschland soll seine "gegen das kurdische Volk und gegen die PKK gerichtete feindliche Politik" aufgeben. Doch Experten vermuten noch ein ganz anderes Motiv.

HB ANKARA. Die Bundesregierung müsse ihre „feindliche Politik“ gegenüber der PKK und dem kurdischen Volk einstellen, hieß es in einer Erklärung, die die PKK nahestehende Nachrichtenagentur Firat verbreitete. Einzelheiten zu der „feindliche Politik“ wurden nicht genannt. Es hieß weiter, Deutschland solle die Militäraktionen gegen die Kurdische Arbeiterpartei verurteilen. Den Entführten gehe es gut, hieß es.

Die drei entführten Männer aus Bayern waren Mittwoch von fünf PKK-Kämpfer aus einem Camp am Berg Ararat auf 3200 Metern Höhe verschleppt worden. Die übrigen zehn Mitglieder der deutschen Bergsteigergruppe konnten in die Stadt Dogubayazit zurückkehren.

Die türkischen Behörden sperrten mittlerweile den Ararat für Bergsteiger. Der Gouverneur von Agri begründete den Schritt mit der Suche nach den Entführten.

In Berlin bemühte sich der Krisenstab des Auswärtigen Amtes weiter um die Freilassung der aus Bayern stammenden Bergsteiger. Weitere Details nannte das Ministerium nicht. Das Auswärtige Amt rät als Konsequenz aus der Entführung dringend von Reisen in den Südosten der Türkei, insbesondere die Provinzen Hakkari, Sirnak, Mardin, Siirt, Van, Agri und Igdir ab. Wegen der deutschen Maßnahmen gegen den PKK-nahen kurdischsprachigen TV-Sender Roj-TV lägen Gefährdungshinweise vor, heißt es auf der Internet-Seite des Ministeriums. Es bestehe die Gefahr, dass Deutsche, insbesondere Individualreisende, in diesen Provinzen Opfer von Racheakten durch die PKK werden könnten.

Hintergrund der Entführung soll das jüngste Vorgehen der Bundesregierung gegen die PKK sein. Vor knapp drei Wochen hatte das Bundesinnenministerium ein Betätigungsverbot gegen einen kurdischen Fernsehsender verhängt. Im vorigen Jahr hatte Deutschland zudem zwei PKK-Extremisten an die Türkei ausgeliefert. Die PKK selbst ist in Deutschland seit November 1993 verboten.

Experten meinen, die PKK will mit der Entführung ein Zeichen der Stärke und Handlungsfähigkeit setzen. „Die PKK steht unter starkem Druck“, sagt Heinz Kramer von der Stiftung Wissenschaft und Politik: Militärisch setzten ihr die türkischen Streitkräfte im Nordirak zu, politisch verliere sie zunehmend Rückhalt in der kurdischen Bevölkerung in der Türkei. „Die PKK befindet sich auf dem absteigenden Ast“, analysiert der Türkei-Experte. Seit der Bodenoffensive der türkischen Truppen gegen Stellung der PKK im Nordirak Anfang dieses Jahres fehle der Organisation ein Erfolg. „Da haut man auch schon mal auf den Putz“, sagt Kramer.

Auch Cemal Karakas von der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung glaubt: „Die Entführungsaktion soll vor allem Stärke, Logistik- und Handlungsfähigkeit demonstrieren.“

Die PKK ist bisher kaum mit Entführungen von Touristen in Erscheinung getreten, sondern hat sich vornehmlich auf Angriffe auf das Militär konzentriert. Die Rebellen-Gruppe wird von der Türkei, der Europäischen Union und den USA als Terror-Organisation eingestuft. Sie kämpft seit 1984 für einen Kurden-Staat im Südosten der Türkei. In dem Konflikt wurden etwa 40 000 Menschen getötet.

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