In Fernsehsendung
Putin verteidigt umstrittene Parlamentswahl

Wladimir Putin sieht nichts Schlechtes an den umstrittenen Parlamentswahlen in Russland. Die Wahl gebe die fraglos wahren Kräfteverhältnisse im Land wieder, so Putin in einer Fernsehsehdung.
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MoskauRusslands Regierungschef Wladimir Putin hat am Donnerstag bei einer Fernsehsendung die umstrittene Parlamentswahl verteidigt. „Meiner Meinung nach reflektieren die Ergebnisse der Wahlen fraglos die wahren Kräfteverhältnisse im Land“, sagte Putin in einer im Fernsehen übertragenen Frage-Antwort-Sitzung, bei der Bürger ihre Fragen an den Ministerpräsidenten richten können. Die Opposition werde „immer“ behaupten, die Wahlen seien nicht fair gewesen. „Immer. Dies passiert überall, in allen Ländern“, sagte Putin.

Bei der Parlamentswahl am 4. Dezember hatte Putins Partei Einiges Russland schwere Verluste erlitten, kann aber dennoch alleine weiter regieren. Wahlbeobachter kritisierten zahlreiche Unregelmäßigkeiten. Nach Ansicht der Opposition wäre das Ergebnis für Einiges Russland weit schlimmer ausgefallen, wenn die Abstimmung frei und fair verlaufen wäre. Nach der Wahl gingen tausende Menschen auf die Straße. Am Samstag forderten bei der größten Demonstration der Opposition seit Jahren in Moskau bis zu 80.000 Menschen Neuwahlen.

„Ich habe im Fernsehen meist junge, aktive Leute gesehen, die klar ihre Position ausdrücken. Ich bin erfreut hierüber“, sagte Putin zu den Protesten. Dass die Menschen ihre Sicht der Prozesse im Land wiedergäben, sei „absolut normal“, solange sie sich ans Gesetz hielten, sagte Putin, der von 2000 bis 2008 als Präsident und nun als Regierungschef die russische Politik seit zwölf Jahren bestimmt. Als Zeichen des Kompromisses kündigte er an, dass in allen Wahllokalen künftig Kameras aufgestellt würden, deren Bilder live im Internet übertragen würden.

Zugleich machte sich Putin in der Sendung am Donnerstag aber auch lustig über die Oppositionsproteste. Die weißen Bänder der Demonstranten habe er für „angesteckte Verhütungsmittel“ gehalten, die als Zeichen einer Anti-Aids-Kampagne getragen würden, sagte Putin, der im März erneut die Präsidentschaft anstrebt. Zudem erneuerte er seinen Vorwurf, dass die Demonstranten aus dem Ausland bezahlt worden seien. „Ich weiß, dass Studenten Geld bezahlt wurde - nun, es ist gut, wenn sie etwas verdienen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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