In Iran blüht die Korruption – und der Nervenkitzel
Hiebe fürs Geschäft

Korruption und Bestechlichkeit ein wesentlicher Grund dafür, dass im Iran der Übergang zu einer Marktwirtschaft so wenig Fortschritte macht. Niemand rechnet damit, dass sich unter dem neuen, streng konservativen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad etwas ändern wird.

TEHERAN. Am Tag vor jeder Razzia bekommt Sajeed Besuch. Ein Mann betritt dann wie zufällig seinen kleinen Laden in der Teheraner Vali-Asr-Straße und wechselt mit Sajeed ein paar Worte. Bevor er geht, steckt ihm Sajeed einen Umschlag mit Geldnoten zu. Der Besucher ist für Sajeed Gold wert. Er ist sein zuverlässiger Tippgeber, wenn die Polizei seinen Lebensmittelladen kontrollieren will. Denn dort würde sie schnell fündig. „80 Prozent der Ware hier sind geschmuggelt“, sagt Sajeed freimütig.

Als er das erzählt, sitzt der 32-Jährige auf drei aufeinander gestapelten Paletten Bockwürstchen aus Deutschland. Auch die sind schwarz nach Iran gekommen. Auf welchem Weg genau weiß Sajeed nicht. „Wahrscheinlich über Bushehr oder Bandar Abbas“, meint er. „Von dort kommt die meiste Ware.“ Die iranischen Hafenstädte am Golf sind die Umschlagplätze Nummer eins. Denn auf der anderen Seite der Meeresbucht liegen Katar, Bahrein und die Emirate, Drehscheiben für den Export – legal oder illegal.

Sajeed lebt blendend von der Korruption in Iran - wie so viele andere auch. Deshalb rechnet ernsthaft auch niemand damit, dass sich unter dem neuen, streng konservativen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad etwas ändern wird. Dabei sind Korruption und Bestechlichkeit ein wesentlicher Grund dafür, dass das Land im Übergang zu einer Marktwirtschaft so wenig Fortschritte macht. Im Transformationsindex von Bertelsmann rangiert Teheran mit Platz 77 im letzten Drittel hinter Niger und China, gerade noch vor der Elfenbeinküste. Und dabei werde die Korruptionsbekämpfung noch politisch gegen die Reformer instrumentalisiert, schreiben die Rechercheure, „während korrupte konservative Amtsträger nicht oder bestenfalls unzureichend strafrechtlich verfolgt werden“ – Korruption als Machtmittel.

Gelernt hat Sajeed beim Vater, im Basar von Teheran. Doch während dieser anständig blieb, hat Sajeed den legalen Rahmen schon längst verlassen. Halb macht er dafür die iranische Bürokratie, die Korruption, die hohen Zölle verantwortlich. Halb gibt er zu, dass er gerne viel Geld verdient. Und das tut er mit seinem Ladengeschäft, das nicht mehr als gut 50 Quadratmeter Fläche bietet. Es ist bis unter die Decke gefüllt mit Barilla-Spaghetti, Instant-Protein-Drinks, rotblauen Red-Bull-Dosen, Schlagsahne im Becher, Colgate Zahnpasta oder Ölsardinen.

Seite 1:

Hiebe fürs Geschäft

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%