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08.10.2008 
Drohender Staatsbankrott

In Island herrscht Notstand

von Helmut Steuer

Alles oder nichts: Nach diesem Motto versucht die isländische Regierung die dramatische Krise des Finanzsystems des kleinen Landes doch noch abzuwenden: Am Dienstag übernahm sie die komplette Kontrolle über die zweitgrößte Bank des Landes, Landsbanki und entließ die Konzernführung. Der Inselstaat hofft nach Angaben seiner Notenbank außerdem auf milliardenschwere Hilfen aus Russland.

Der größte Finanzdienstleister auf Island, Kaupthing, erhielt bereits eine Finanzspritze von 500 Mio. Euro. Foto: dpa Lupe

Der größte Finanzdienstleister auf Island, Kaupthing, erhielt bereits eine Finanzspritze von 500 Mio. Euro. Foto: dpa

REYKJAVIK. Bereits in der vergangenen Woche hatte Islands Regierung für 600 Mio. Euro 75 Prozent der drittgrößten Bank, Glitnir, erworben. Der größte Finanzdienstleister auf Island, Kaupthing, erhielt eine Finanzspritze in Höhe von 500 Mio. Euro.

Nach einer dramatischen Nachtsitzung und einer Fernsehansprache, in der Haarde vor einem „Staatsbankrott“ warnte, stimmte das isländische Parlament in der Nacht zum Dienstag einer Notstandsgesetzgebung zu. Danach kann der Staat die komplette Kontrolle über das schwer angeschlagene Bankensystem übernehmen. Der Staat kann Banken jetzt fusionieren – oder auch für bankrott erklären. Gleichzeitig fertigte die bürgerliche Koalitionsregierung eine staatliche Einlagengarantie für die Sparguthaben der 320 000 Isländer aus.

Zur Abwendung einer Staatspleite hofft der Inselstaat nach Angaben seiner Notenbank auf milliardenschwere Hilfen aus Russland. Um das angeblich vier Mrd. Euro schwere Darlehen aus Moskau gab es am Dienstag jedoch Verwirrung. Am Vormittag hatte die isländische Zentralbank auf ihrer Internetseite unter Berufung auf den russischen Botschafter erklärt, Russland habe der Nordatlantikinsel die Finanzspritze zugesagt. Später dementierte dies der stellvertretende russische Finanzminister Dimitri Pankin. Über die Gewährung eines Darlehens sei überhaupt noch nicht entschieden, sagte er, der isländische Kreditwunsch werde aber „wohlwollend“ geprüft.

Islands Ministerpräsident Haarde räumte nach dem russischen Dementi ein, dass die Mitteilung der isländischen Nationalbank voreilig war. Isländische Regierungsvertreter würden bald nach Russland reisen, um die Angelegenheit zu klären. „Nichts ist sicher“, sagte er.

Gleichzeitig gab der Regierungschef bekannt, dass die Notenbank den Wechselkurs der isländischen Krone an einen Währungskorb koppeln wird. Der Kurs der Krone (ISK) solle bei 131 ISK je Euro festgesetzt werden. Die ISK hatte am Montag an nur einem Tag rund 30 Prozent ihres Werts gegenüber dem Dollar eingebüßt. Seit Jahresanfang hat die isländische Krone gegenüber dem Dollar rund 70 Prozent ihres Werts verloren. Die Zentralbank erhöhte den Leitzins in den vergangenen Monaten auf den Rekordstand von 15,5 Prozent. Das Land kämpft außerdem mit einer Inflation von über 14 Prozent.

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