In Lebensgefahr: Ariel Scharons letzter Kampf

In Lebensgefahr
Ariel Scharons letzter Kampf

Hinter den Kulissen wird bereits über das Staatsbegräbnis für Israels Ex-Premierminister Ariel Scharon diskutiert. Die Ärzte vermuten, dass dies Scharons letzte Tage sind. Sein Zustand hat sich weiter verschlechtert.

New YorkAriel Scharon, Israels berühmtester Patient, schwebt in Lebensgefahr. Er habe persönlich den Eindruck, dass dies die letzten Tage Scharons seien, sagte am Freitag morgen Professor Zeew Rothstein, Chefarzt in Sharons Krankenhaus Tel Hashomer bei Tel Aviv. Lebenswichtige Organe funktionierten nicht mehr richtig, so Rothstein. Laut Medienberichten leidet der Ex-Politiker unter anderem an einem Nierenversagen. „Es gibt Schäden an mehreren Organen“, sagte Rothstein. Der Politiker werde medikamentös behandelt. Zuletzt habe Scharon auch mehrere Infektionen erlitten, die seinen Zustand noch verschlechtert hätten. Hinter den Kulissen werde bereits über die Modalitäten eines Staatsbegräbnisses diskutiert, heißt es in Jerusalem.
Scharon, der vor acht Jahren nach einem Schlaganfall ins Koma gefallen war, wird seit dem 4. Januar 2006 künstlich am Leben gehalten. Der frühere Armeegeneral war 2001 israelischer Ministerpräsident geworden.
Er verkörperte widersprüchliche Persönlichkeiten, war nicht nur ein schlauer Taktiker, sondern scheute auch vor Lügen nicht zurück, um seine Ziele zu erreichen. Scharon gehörte dem rechten politische Lager an, war indessen kein religiös verbrämter Nationalist. In den achtziger Jahren trieb er als Wohnbau- und Infrastrukturminister den Bau von Siedlungen in den besetzten Gebieten voran und festigte Israels Zugriff auf die palästinensischen Territorien. Doch später bezeichnet er die Besatzung plötzlich als „ungesund und gefährlich“. Er sprach sich, für ihn eine kühne Kehrtwende, für die Gründung eines Staates Palästina aus.

Während seiner militärischen und politischen Karriere war Scharon nie ein Mann der Mitte. Er polarisierte, stieß Konventionen um, setzte sich als Offizier über Befehle hinweg und handelte eigenmächtig. So verschwieg er als Generalstabschef der Regierung seine wahren Absichten, als er 1982 im Libanon einmarschierte und sein Land in einen verlustreichen Krieg verwickelte.
Als Wohnbaumister trieb er zunächst die Siedlungsaktivitäten in der Westbank und im Gazastreifen voran, indem er argumentierte, diese seien aus strategischen Gründen für die Sicherheit Israels notwendig. Als Regierungschef warf er Jahre später seine früheren Überzeugungen über den Haufen. Er, der zuvor die israelische Siedlungspolitik in den Palästinensergebieten unterstützt und vorangetrieben hatte, vollzog 2005 den israelischen Rückzug aus dem Gazastreifen und die Auflösung der jüdischen Siedlungen im Gazastreifen. Um das innenpolitisch durchzusetzen, stellte er die Parteiszene auf den Kopf. Nach Streit mit den alten Weggefährten, die dem Rückzug heftig opponierten, verließ Sharon den 1973 von ihm mitbegründeten rechtsorientierten Likud-Block und gründete im November 2005 die Partei der Mitte Kadima. Damit stieß er nicht ein erstes Mal zahlreiche Weggefährten vor den Kopf. „Der israelische Cäsar“ (so der Titel einer Scharon-Biografie) hatte zuvor geholfen, den Friedensvertrag mit Ägypten auszuhandeln. Er setzte sich für die Rückgabe der Sinai-Halbinsel ein, und er überwachte die Auflösung der dortigen Siedlungen.
Vom Frieden mit den Palästinensern hat Scharon nie viel gehalten. Als in den achtziger Jahren Shimon Peres und der König von Jordanien ein Friedensabkommen vorbereiteten, stellte sich Scharon quer. Stur stimmte er auch 1994 gegen den Friedensvertrag mit Jordanien, obwohl sogar die rechte Likud-Partei dafür war. „Jordanien ist Palästina“, begründete Scharon seine ablehnende Haltung.

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