Indiegogo-Kampagne
Londoner will Griechenland mit Crowdfunding retten

1,6 Milliarden Euro fehlen Griechenland akut. Ein Londoner will helfen – und die Summe per Crowdfunding einsammeln. Als kleinen Anreiz für die neuen Geldgeber gibt es Feta-Käse – oder Tsipras-Konterfeis.
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DüsseldorfEigentlich haben Briten nicht gerade das Image, glühende Pro-Europäer zu sein. Doch nun pocht ausgerechnet ein 29-jähriger Londoner auf Solidarität über Landesgrenzen hinweg: Thom Feeney will über die Crowdfunding-Plattform Indiegogo 1,6 Milliarden Euro einsammeln – die Summe, die Griechenland an den Internationalen Währungsfonds überweisen bis zum Mittwochmorgen (6 Uhr deutscher Zeit) muss, um nicht noch weiter an den Rand der Staatspleite zu rutschen.

„Ich kann verstehen, dass einige glauben, die ganze Aktion wäre nur ein Witz“, schreibt Feeney auf der Indiegogo-Seite. „Aber Crowdfunding kann wirklich helfen, weil es einfach darum geht, etwas anzupacken und dann auch zu machen.“ Wenige Stunden nachdem die Seite online gegangen ist, haben über 8000 Personen mehr als 130.000 Euro gespendet. Wenn die 1,6-Milliarden-Euro-Marke innerhalb von sieben Tagen nicht geknackt wird, bekommt jeder sein Geld zurück.

Dabei kann der Spender zwischen sieben Geldbeträgen wählen, die mit unterschiedlichen Belohnungen, sogenannten „Perks“, einhergehen: Wer zum Beispiel drei Euro überweist, bekommt eine Postkarte mit dem Konterfei des griechischen Premierminister Alexis Tsipras, für sechs Euro gibt es griechischen Feta-Käse und einen Olivensalat (jeweils plus Versandkosten), und für 5000 Euro ist ein Urlaub in Griechenland für zwei Personen drin.

Anfänglich hatte Feeney auch eine griechische Insel für 1,6 Milliarden Euro im Angebot. „Ich dachte, dass Tsipras das begrüßen würde“, schreibt der Londoner. „Aber Indiegogo schrieb mir in einer E-Mail, dass die griechische Regierung dem nicht offiziell zugestimmt habe und ich es deswegen nicht anbieten dürfte.“ Außerdem habe ihm eine griechische Frau geschrieben, sie empfinde die Insel-Offerte als beleidigend – was Feeney nicht beabsichtigt habe.

Der 29-Jährige selbst hat zehn Euro gespendet – dafür gibt es eine Flasche Ouzo. „Wenn jeder dritte Europäer dasselbe tun würde, hätten wir das Ziel erreicht“, sagt er und verspricht, dass das Geld auf jeden Fall beim griechischen Volk landen wird, entweder durch die Regierung oder über andere Wege. „Ich hoffe, Indiegogo wird mir dabei helfen. Aber vermutlich werden mich auch eine Menge Leute freiwillig unterstützen, die besser qualifiziert sind als ich.“

Feeney arbeitet in London als Schuhverkäufer und hat keine Verbindungen zu Griechenland. Er glaubt fest an der Erfolg seiner Kampagne. „Europäer sind generell ziemlich großzügig, außer vielleicht Frau Merkel und Herr Cameron“, schreibt er. „Ich bin zuversichtlich, dass wir bald alle ein Glas Ouzo heben und eine verdammt große Party feiern.“

Und auch persönlich scheint sich die Idee für den aus dem nordenglischen York stammenden Feeney auszuzahlen: „Als ich heute morgen aufwachte, hatte ich bei Facebook Freundschaftsanfragen von 30 griechischen Frauen.“

Steffen Daniel Meyer
Steffen Daniel Meyer
Handelsblatt Online / Social-Media-Redakteur

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