Indien
Bevölkerung liebt Modi trotz Bargeldkrise

Indiens Premierminister erzielt nach seinem chaotischen Bargeldexperiment einen Erdrutschsieg in Indiens bevölkerungsreichstem Bundesstaat. Beobachter halten eine zweite Amtszeit für Modi nun für so gut wie sicher.
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BangkokIn Varanasi, der heiligsten Stadt des Hinduismus, hat Narendra Modi ein Heimspiel. Zum Abschluss der Wahlkampftournee für seine hindu-nationalistische Partei BJP betet Indiens Premierminister in einem Meditationszentrum, trifft sich mit einem Guru und füttert Kühe, die in seiner Religion als heilig gelten. Bei einer Kundgebung verspricht er Tausenden Anhängern bessere Lebensverhältnisse: „Jede Familie, egal ob arm oder reich, wird ein Haus haben“, ruft Modi in die Menschenmenge. „Die Einkommen der Bauern werden sich verdoppeln.“ Die Rede kommt gut an, die Zuhörer klatschen begeistert.

Eine Woche nach der Großveranstaltung in der Millionenmetropole des Bundesstaats Uttar Pradesh kann Modi selbst jubeln: Mit seiner Partei gewinnt er die Regionalwahl in dem bevölkerungsreichsten Bundesstaat des Subkontinents und kann damit die wichtigste Abstimmung seit seinem Amtsantritt 2014 für sich verbuchen. Die Ergebnisse, die die Wahlkommission am Samstag für die BJP verkündete, entsprechen einem Erdrutschsieg: Rund 300 der 403 zu vergebenden Parlamentssitze entfielen auf Modis Partei, die damit in Uttar Pradesh zum ersten Mal seit 14 Jahren wieder an die Macht zurückkehrt. Mit dem überraschend deutlichen Sieg stellt Modi nicht nur seine ungebrochene Popularität unter Beweis. Er sichert sich auch Rückenwind für wichtige Reformvorhaben.

Die Bewohner von Varanasi sind es inzwischen gewohnt, Modis Wahlerfolge von einem Platz in der ersten Reihe zu verfolgen: Vor drei Jahren, als der rechtskonservative Politiker bei den nationalen Parlamentswahlen das beste Ergebnis der vergangenen 30 Jahre erzielte, wählte er die Stadt für den ersten Auftritt nach seinem Sieg: „Es gibt nun viel für mich zu tun“, sagte er am Ufer des Ganges. „Jede Menge schmutzige Arbeit“, fügte er hinzu. „Aber ich bin bereit dafür.“

In der Tat nahm der der 66-jährige Politiker, der nach eigenen Angaben mit drei Stunden Schlaf auskommt, in der ersten Halbzeit seiner Amtsperiode mehrere Großprojekte in Angriff: Er reduzierte Indiens immense Ausgaben für Subventionen, die den Staatshaushalt belasten und brachte eine landesweit einheitliche Mehrwertsteuer auf den Weg, um das Steuergeflecht des Subkontinents zu entwirren. Mit seiner bislang weitreichendsten Entscheidung überraschte er die Inder im November vergangenen Jahres, als er über Nacht fast 90 Prozent des indischen Bargeldbestandes aus dem Verkehr zog.

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Bargeldreform schadet nicht Modis Beliebtheit

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