Indien
Bisky trotzt dem Bombay-Terror

Auch der Maler Norbert Bisky, Sohn des Linksparteichefs Lothar Bisky, hielt sich während der Terrorserie im indischen Bombay auf. Kurz nachdem er mit einheimischen Galeristinnen die letzten Bilder für seine Vernissage aufhängte, brachen die Attacken los.

BOMBAY. Einstürzende Neubauten regnen vom Himmel, ein Telegrafenmast fällt als Kruzifix, zwei halbnackte Männer retten den dritten. Norbert Bisky hat das drei mal vier Meter große Bild "Slump" genannt - Börsencrash. "Slump" beängstigt, aber es ist nur Öl. Das Grauen in Fleisch und Blut hat sich ein paar Schritte entfernt abgespielt.

Zyniker würden sagen, es gibt dieser Tage kaum einen Platz auf der Welt, der passender wäre für eine Bisky-Vernissage. Denn wer den Kopf von "Slump" nach links wendet blickt durchs Fenster direkt auf die Hinterfront des Hotels Taj Mahal in Bombay. Es ist einer der irren Zufälle der globalisierten Welt, die einem hier die Brust eng werden lassen.

Am Mittwoch hatte Bisky, Sohn des Linksparteichefs Lothar Bisky, mit den Galeristinnen Usha Mirchandani und Ranjana Steinruecke im "Sunny House" die letzten Bilder aufgehängt, sie fuhren zu einem Abendessen in einem anderen Viertel. Donnerstag Abend sollte Vernissage für die Ausstellung "Cloud cuckoo land", Wolkenkuckucksheim, sein. Doch in der Nacht brach der Terror los, drangen Terroristen in Bombays berühmtestes und schönstes Hotel ein. Es folgte ein 60stündiges Drama das stadtweit mit fast 200 Toten endete.

Immerhin, sagt Bisky am Montag danach beim Blick auf das Taj: "Das Ding steht noch". Die Terroristen wollten das Leben in Bombay zum Erliegen bringen, "das ist ihnen nicht gelungen".

In der multikulturellen Wirtschaftsmetropole werden Terror-Opfer beerdigt, trauern Hinterbliebene, können Überlebende ihr Glück schwer fassen. In der Galerie mit Blick aufs Taj hängt auch Biskys "double trouble": Unter einbrechender Stalinbauten in schwarzer Höllenwelt halten sich zwei Männer tröstend eng umschlungen. "Die haben was überstanden, stehen aber noch mitten in der Scheiße", sagt der schmale Künstler im weiß-blauen Blockstreifen-Shirt. So geht es auch Indien: Die akute Gefahr ist vorbei, doch das Land hat erst angefangen, Konsequenzen zu ziehen. Nach einer Blitzumfrage der Hindustan-Times vom Montag glauben 82 Prozent der Inder nicht, dass ihre Politiker überhaupt "den Willen oder den Wunsch haben, den Terror zu bekämpfen". Sie sind gebrannte Kinder: Allein in den letzten sieben Monaten gab es in den Städten des Subkontinents 70 Anschläge mit insgesamt rund 400 Toten.

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