Indien
Das Herz der Autoindustrie schlägt in Pune

Immer mehr deutsche Großkonzerne und Mittelständler zieht es in die aufstrebende indische Metropole Pune. Wenig Bürokratie und viele Facharbeiter machen den Unterschied. Innerhalb weniger Jahre wurde aus der beschaulichen Universitäts- und Garnisons-Stadt eine Wirtschaftsmetropole mit über fünf Millionen Einwohnern.

PUNE. Die Region ist kaum wiederzuerkennen. Indiens Wirtschaftsboom verwandelt ein Hochplateau in Bombays Hinterland in eine Großbaustelle. Neue Industriegebiete, Technologie-Parks und Trabantenstädte fressen sich in die grüne Idylle um Pune. Beim Wachstum der Stadt helfen deutsche Firmen kräftig mit. "Gerade für Mittelständler ist Pune zum größten Magneten in ganz Indien geworden", sagt Peter Deubet, Vize-Chef der Deutsch-Indischen Handelskammer. Auch Konzerne wie Daimler, ThyssenKrupp und Allianz haben ihre Indien-Hauptquartiere dort. Und 30 Kilometer vom Zentrum, im neuen Industriepark Chakan, nimmt die bislang größte deutsche Einzelinvestition in dem Land Gestalt an.

Von einem windigen Hügel zeigt Thomas Dahlem hinab auf Bagger, Kräne und halbfertige Hallen: "Hier entsteht unser Presswerk", sagt der VW-Planungsleiter, "dahinten wird die Lackieranlage montiert." Auf dem Gelände dröhnen Generatoren durch die Monsunbrise. 580 Mill. Euro investiert der Konzern in den Aufbau einer Massenproduktion (Foto) - und Dahlem macht Dampf: Die Bänder sollen Mitte 2009 mit dem Skoda Fabia anlaufen, ein halbes Jahr früher als geplant.

"Ich hatte es mir schwieriger vorgestellt, Terminvorgaben einzuhalten", sagt der Manager. Bürokratie und Logistikengpässe werden in Indien leicht zum Problem. Doch bei Großinvestoren gibt sich der Staat Mühe. Mit anderthalb Jahren Bauzeit wird das Werk im globalen Vergleich schnell fertig, und Dahlem erlebt die Behörden als hilfreich. Daimlers Länderchef Wilfried Aulbur macht dieselbe Erfahrung: "Die Lokal-Regierung treibt Punes Industrialisierung professionell voran." Auch sein Konzern investiert kräftig: Er verlagert die bestehende Mercedes-Montage in einen Neubau neben VW.

Autobauer lieben Pune: Dort schlägt das Herz der indischen Fahrzeugindustrie. In der Stadt sitzen der LKW-Marktführer Tata Motors, der Zweirad-Riese Bajaj und mit Bharat Forge der größte Autozulieferer des Landes. Eine gute Facharbeiterbasis und ein enges Lieferantennetz haben General Motors, Fiat und Mahindra angelockt. Der Bundesstaat Maharashtra beziffert die bis 2011 geplanten Investitionen der Autoindustrie auf zehn Mrd. Dollar. Das Gros davon entfällt auf Pune - und dort auf Chakan.

In dem Industriegebiet trifft der Fortschritt frontal auf das dörfliche Indien: Rumpelpisten führen unvermittelt auf Autobahnen. Zwischen den Baustellen von VW und Daimler trotten Schafherden über Wiesen, und in der Ferne mäandert ein von Tempeln gesäumter Fluss durchs Grün.

Während Standort-Rivale Bangalore bereits an seinem Verkehrswachstum erstickt, baut Pune mit Hochdruck neue Straßen. Das nahe Bombay ist bereits über eine moderne Autobahn zu erreichen. Der Flughafen platzt indes aus allen Nähten, und ein geplanter Neubau kommt nicht in die Gänge. Dahlem spürt trotz allem den Wandel: "Bald ist hier alles mit Fabriken zugebaut", prophezeit der VW-Manager.

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