Indien
Das Modi-Experiment droht zu scheitern

Mit einer Bargeld-Reform will Indien die Schattenwirtschaft im Land bekämpfen. Doch der Plan geht nicht auf, Wirtschaft und Bürger leiden unter dem Bargeld-Mangel. Die Bevölkerung könnte es der Regierung bald heimzahlen.
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BangkokEs war wohl keine geplante Aktion: Die Youtube-Videos zeigen eine verzweifelte Mutter, die panisch versucht, die Sicherheitskräfte abzuwehren und sich in ihrer Not einfach auszieht. Die Frau forderte ihr vermeintliches Recht ein, alte Geldscheine auch nach dem 31. Dezember noch bei der Zentralbank einzahlen zu können – so wie es die Regierung für Ausnahmefälle einst versprochen hatte. Doch nun sollen nur noch Auslandsaufenthalte als Grund gelten.

Die kleine Episode zeigt, wie chaotisch und ungeplant Indiens Bargeld-Reform weiterhin verläuft. Und es mehren sich die Hinweise, dass die Reform wohl viele Ziele vorerst nicht erreichen kann: Bloomberg und indischen Medien zufolge haben die Inder wohl mehr als 97 Prozent des für ungültig erklärten Bargeldes in die Banken getragen – die Regierung hatte mit deutlich weniger Rücklauf gerechnet. Gleichzeitig zeigt sich immer stärker, wie der immer noch herrschende Bargeld-Mangel die Wirtschaft des Landes herunterzieht.

Indiens Regierungschef Narendra Modi hatte am 8. November kurzerhand Geldscheine im Wert von 500 und 1000 Rupien zu unzulässigen Zahlungsmitteln erklärt – und damit rund 86 Prozent des Bargeldes aus dem Verkehr gezogen. Mit dem Schritt sollte die grassierende Schattenwirtschaft in dem Land bekämpft und Transparenz geschaffen werden: Die Inder sollten ihr Geld auf Konten einzahlen und nachweisen, ob sie das Geld jemals versteuert hatten.

Doch die hohe Rückgabequote deutet daraufhin, dass viele Inder Wege fanden, den Staat wieder einmal auszutricksen. Beobachter vermuten beispielsweise, dass wohlhabende Inder einfach ihre Cash-Vermögen über Konten verschiedener Strohmänner eingezahlt haben. Denn nur wer einen hohen Betrag auf sein Konto überweist, gerät in das Visier der indischen Steuerfahnder. Andere dürften ihren Arbeiter den Lohn im Voraus gezahlt haben oder brachten ihr Geld zu korrupten Tempelmanagern. Die konnten den Betrag als anonyme Spende verbuchen und später den vermeintlichen Opfern einen Abschlag wieder zurückzahlen.

Die indische Zentralbank wies die Berichte über die geringen Rückgaben zunächst als spekulativ zurück, die genaue Berechnung würde noch laufen. Doch auch internationale Banken wie die Bank of America-Merrill Lynch gehen mittlerweile davon aus, dass fast das gesamte Bargeld zurück auf Konten floss.

In dem Fall müsste der indische Staat wohl auch seine Hoffnungen auf Extra-Einnahmen durch die Reform senken: Viele Ökonomen gehen davon aus, dass die indische Regierung nicht zurückgebrachte Scheine gerne als frisches Kapital im Staatshaushalt verbuchen würde. Denn werden die Noten für endgültig ungültig erklärt, verliert die Zentralbank gegenüber dem Besitzer der alten Noten ihre Verbindlichkeiten und könnte dieses Plus an die Regierung weitergeben.

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Bargeldlose Gesellschaft bleibt eine Vision

Kommentare zu " Indien: Das Modi-Experiment droht zu scheitern"

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  • @Grutte Pier
    Richtig, die Bargeldabschaffung ist deswegen unwahrscheinlich, weil dann den gerade neu angeheuerten Drogendealern aus Narabien und Nafrika die Geschäftsgrundlage entzogen würde und die dann aufmucken. Die sollen ja die Mutti-Partei wählen und dürfen nicht verärgert werden.

  • Bargeld ist geruckte Freiheit - jede Einschränkung des Bargeldverkehrs (aus Gründen wie "Terrorbekämpfung", "Korruptionsbekämpfung" o.ä.) ist nichts anderes als ein Ablenkmanöver und muss verhindert werden.

    Das wissen sogar die "Flüchtlinge" und FORDERN daher Bargeld statt Sachleistungen:
    http://www.taz.de/picture/262331/948/asyl976.20110621-18.jpg

    Der €uro als Währung ist trotzdem Schrott und muss weg.........

  • Nur Bares ist Wahres, aus dem Briefkasten natürlich.

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