Indien
Geisterflüsterin als Staatspräsidentin vereidigt

Indien hat zum ersten Mal ein weibliches Staatsoberhaupt: Pratibha Patil legte vor dem Parlament ihren Amtseid ab. Doch viele Inder sidn von ihr nicht begeistert.

HB NEU-DELHI. Die 72 Jahre alte Patil hatte die Präsidentenwahl am Wochenende klar mit fast zwei Dritteln der Stimmen gewonnen. Bis dahin war die gelernte Anwältin trotz einer vier Jahrzehnte währenden politischen Laufbahn auf nationaler Ebene weitgehend unbekannt.

In ihrer ersten Ansprache erklärte die Präsidentin, sie wolle sich für die Benachteiligtem im Land einsetzen. „Wir müssen Unterernährung, soziale Übel, Kindersterblichkeit und die Tötung weiblicher Föten ausrotten.“ Weiter erklärte Patil, dass ihr die Stärkung der Frauen im Land sehr wichtig sei, „denn ich denke, dann wird die ganze Nation stärker“. Frauenrechtsgruppen begrüßten Patils Wahl jedoch nur verhalten, da die Präsidentin eine rein repräsentative Rolle habe und man sich daher nur wenig von ihrer Wahl verspreche.

Die langjährige Politikerin ist hochgradig umstritten. Das liegt nicht nur daran, dass Patil bekundete, mit dem Geist eines Sektenführers gesprochen zu haben, der ihr angeblich sagte, dass sie bald eine verantwortungsvolle Position bekleiden würde. Mit anderen Bemerkungen brachte die Hinduistin die Muslime in Indien gegen sich auf. Außerdem kam ans Licht, dass gegen Angehörige Patils polizeiliche Ermittlungen laufen.

Kritiker sagten, Patil hätte ihre Nominierung nur ihrer Nähe zur mächtigen Gandhi-Familie und insbesondere zur Chefin der Kongresspartei, Sonia Gandhi, zu verdanken. Zwar ist das Präsidentenamt in Indien weitgehend zeremoniell, doch das Staatsoberhaupt gilt als Hüter der Verfassung, das unbelastet in das Amt gehen sollte.

Bei den Frauen in Indien ist Patil laut Umfragen indessen sehr beliebt. Sie hoffen, dass eine Frau im Präsidentenamt ihren gesellschaftlichen Status verbessert. Patil ist das 13. Staatsoberhaupt seit der Unabhängigkeit Indiens 1947.

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