Indiens ziviles Atomprogramm
Singh fordert von Deutschland Unterstützung

Indiens Regierungschef Manmohan Singh drängt unmittelbar vor seiner Deutschlandvisite auf Berliner Unterstützung für das zivile indische Atomprogramm. Dies sei eine der Voraussetzungen für eine strategische Partnerschaft, sagte er gegenüber dem Handelsblatt.

HB NEU DELHI. „Unsere strategische Partnerschaft wird ihre volle Bedeutung erst erlangen, wenn sie breiter wird und auch Indiens Optionen im Energiebereich anspricht“, sagte er dem Handelsblatt. Indien hat im März mit den USA ein Abkommen über die zivile Nutzung von Kernenergie geschlossen. Dieses erkennt Indien faktisch als Atommacht an und verspricht ihm Zugang zu Nukleartechnik für die Energiegewinnung, obwohl es sich internationalen Kontrollen nicht voll unterwirft.

Der Deal muss noch den US-Kongress passieren, wo sich Widerstand formiert. Außerdem braucht Indien grünes Licht von der Nuclear Suppliers Group. Mitglieder wie Großbritannien, Frankreich, Kanada und Russland unterstützen öffentlich eine Erlaubnis für die Lieferung ziviler Kerntechnik an Indien. Die Bundesregierung vermeidet bislang eine Festlegung. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte das Timing des Abkommens vor dem Hintergrund der Iran-Krise als „nicht hilfreich“ kritisiert. Gleichzeitig äußerte er die Hoffnung, Indien könne dadurch schrittweise in das Nicht-verbreitungsregime eingebunden werden.

Indien will Kernenergie verstärkt zur Stillung seines rasant steigenden Energiebedarfs nutzen. Für Singh ist dies im Interesse Europas. „Wenn unser Bedarf an Öl und Gas steigt, wird dies enormen Druck auf die Weltmarktpreise ausüben und Konkurrenz um schwindende Ressourcen verstärken,“ warnt er. Die boomenden Volkswirtschaften Indiens und Chinas sind der größte Faktor für eine weltweit steigende Energienachfrage. Singh ist zuversichtlich, dass sich das Wirtschaftswachstum in seinem Land von derzeit acht bald auf zehn Prozent pro Jahr erhöht.

Neben Forschungs- und Wirtschaftskooperation ist Energie ein Schlüsselthema beim ersten Deutschlandbesuch eines indischen Premiers seit 2003. Beide Länder wollen vor allem bei erneuerbaren Energien und sauberer Kohleverstromung stärker zusammenarbeiten. Zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eröffnet Singh am Sonntag die Hannover Messe, deren Partnerland Indien ist.

Indien und Deutschland arbeiten zudem an einem Verteidigungsabkommen. In diesem Bereich hofft Indien ebenfalls auf eine flexiblere deutsche Position. „Wir wollen die Lieferquellen unserer Rüstungsgüter diversifizieren,“ sagte Singh, „es bestehen enorme Möglichkeiten zur Ausweitung der Kooperation."

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