Indischer Wirtschaftsminister
Anand Sharma: Retter ohne Mut zum Risiko

Wenn der Amtsvorgänger immer nur der Buhmann war, dann wird man schnell zum Hoffnungsträger. Diese schöne Erfahrung darf zurzeit Indiens neuer Wirtschafts- und Handelsminister Anand Sharma machen.

Die wohlwollende Neugier von drei Dutzend Ministerkollegen aus der ganzen Welt ist Sharma sicher, wenn er heute und morgen in Neu-Delhi zum Gipfeltreffen zwecks Wiederbelebung der Doha-Runde empfängt.

Ausgerechnet ein Inder will den seit nunmehr acht Jahren erfolglosen Verhandlungen über ein Welthandelsabkommen neuen Schwung verleihen. Das überrascht. Schließlich galt Vorgänger Kamal Nath, berüchtigt für seine scharfe Zunge und seinen kompromisslosen Verhandlungsstil, besonders im Westen als notorischer Blockierer eines Doha-Deals.

Zumindest im Ton ist Sharma, der mit Vollbart und schief geknoteter Krawatte daherkommt wie ein altlinker Professor, deutlich konzilianter. Gerade jetzt in Zeiten der Mega-Krise müsse der Handel liberalisiert werden, fordert er. In Indien mit seiner staatswirtschaftlichen Tradition klingt das fast marktradikal. Jüngst ermahnte er gar Indiens gern nach Zollschutz rufende Unternehmer, das Land dürfe nicht nach innen schauen, sondern müsse der Versuchung des Protektionismus widerstehen.

In den USA und der EU hört man solche Worte gern – und hofft, der Neue sei zu größeren Zugeständnissen in der Welthandelsrunde bereit. Doch die Stunde der Wahrheit bleibt Sharma auf dem Ministertreffen in Delhi erspart. Denn über die inhaltlichen Streitpunkte, die seit Jahren jeden Fortschritt lähmen, wird dort gar nicht verhandelt werden.

Ziel der indischen Gastgeber ist nur die Einigung auf einen Fahrplan für den erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen möglichst im Jahr 2010. Das hat für Sharma, als ehemaliger Staatssekretär im Außenministerium geschult auf dem glatten Parkett der Diplomatie, gleich doppelten Charme. Er kann Indien vom Ruf des Blockierers befreien, muss in der Sache aber kein bisschen Farbe bekennen. Etwa im Konflikt mit den USA über Schutzzölle für Indiens Landwirte, an dem der letzte Anlauf zu einem Welthandelsabkommen im Juli 2008 maßgeblich gescheitert war.

Manches deutet darauf hin, dass Indiens neuer Handelsminister am Ende genauso hart sein könnte wie der Alte. Den armen indischen Bauern jedenfalls hat Sharma versprochen, keine Kompromisse auf ihre Kosten einzugehen.

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