Indonesien
Merkel besucht das „bessere China“

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist in Indonesien eingetroffen. Erstmals in ihrer Amtszeit besucht sie das Boomland. Das Land bietet gegenüber dem Investitionsziel China Vorteile, hat aber auch gravierenden Probleme.
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JakartaNouriel Roubini ist nicht bekannt für flammenden Optimismus. Doch der notorische „Dr. Doom“ und Wirtschaftskrisen-Prophet wird fast überschwänglich, wenn er über Indonesien spricht. Er lobt die Tatsache, dass das größte südostasiatische Land fast zwei Drittel seines Bruttoinlandprodukts im Heimatmarkt  generiert – im Gegensatz zum zelebrierten „Boomland“ China mit nur einem Drittel. Indonesien habe eine niedrige Inflationsrate, niedrige Schulden und eine junge, kauffreudige Bevölkerung.

In der Finanzkrise 1997-1998 habe das Land seine Lektion gelernt, als das BIP in einem Jahr um 13 Prozent schrumpfte, die Währung zusammenbrach und Kapital abfloss. Heute verfüge Indonesien über „massive Reserven“ und befinde sich in einem gesunden Zustand, so der Ökonom. Ein Wachstum von jährlich 6 Prozent ist inzwischen fast zur Selbstverständlichkeit geworden. „Indonesien kann sehr wichtig sein für die Weltwirtschaft. Bis zum Ende des Jahrzehnts wird es die zehntgrößte Volkswirtschaft sein, bis 2030 könnte es die sechstgrößte sein“, so Roubini.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist mit einer großen Wirtschaftsdelegation auf dem Weg nach Indonesien, um das Wachstumswunderland aus der Nähe zu erforschen. Allerdings sind Roubinis Aussagen ein paar Monate alt - und es ist fraglich, ob sich der Starökonom heute noch genauso enthusiastisch äußern würde.

Denn die wirtschaftlichen Reformen der letzten Jahre haben tatsächlich dazu geführt, dass Indonesien in diesem Jahr im A.T. Kearney FDI -Vertrauensindex auf Platz 9 der beliebtesten Investmentziele aufgestiegen ist – von Platz 21 im Jahr 2007. Unter ausländischen Wirtschaftsleuten sorgen jedoch neue Handels- und Marktschranken und der wachsende Einfluss von Islamisten für wachsenden Unmut.

Experten bestätigen die vorerst noch meist im Stillen geäußerten Bedenken über die jüngsten Entwicklungen in der größten muslimischen Nation der Welt. Indonesien werde zunehmend „rückgängig und nach innen gerichtet“, stellt Peter Drysdale fest, Wirtschaftsprofessor an der australischen Nationaluniversität in Canberra und führender Indonesien-Kenner. Ein westlicher Diplomat in Jakarta warnte jüngst offen vor einem „erkennbaren Anstieg der regulatorischen Bestimmungen und des wirtschaftlichen Nationalismus“.

Kommentare zu " Indonesien: Merkel besucht das „bessere China“"

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  • Ich kenne SO Asien, auch Indonesien und seine Wirtschaft sehr gut. Und ich kann sagen, dass Indonesien tatsächlich ein enormes Potential hat: sehr hart arbeitende Bevölkerung, stark wachsende Mittelschicht mit grosser Kaufkraft (schnell mal nach Singapore oder Kuala Lumpur zum Luxus-shoppen fliegen), wachsender Wohlstand, steigende Innovationsfähigkeit der Wirtschaft. Wenn die leidige Korruption im Staatsapparat nicht wäre, verursacht durch Unterbezahlung der Beamtenschaft, wäre Indonesien schnell Asiens Nr 1. Auf jeden Fall haben sich meine Investitionen dort bisher bezahlt gemacht.

  • O-Ton Handelsblatt
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    "Bis zum Ende des Jahrzehnts wird es die zehntgrößte Volkswirtschaft sein, bis 2030 könnte es die sechstgrößte sein“, so Roubini."
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    Oder die neuntgrößtem oder die elftgrößte.

    Beziehungsweise die fünftgrößte oder siebentgrößte.

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    Derartige Schätzungen kann doch nun wirklich jeder aus dem Hut zaubern.

    Ist der Katstrophenprophet Roubini jetzt ihr "Experte" für alles?

    Man kann nur hoffen daß sie für diesen Humbug nicht allzuviel bezahlen.

  • So positiv die Wirtschaftswerte auch sind, die Schere zwischen Arm und Reich geht wirklich immer weiter auseinander. Die wegfallenden Subventionen in vielen Bereichen wirken sich natürlich besonders auf die Ärmsten aus. Hinzu kommt die angesprochene Radikalisierung, die natürlich auch durch die Unzufriedenheit wächst. Ein besonderes Problem hierbei ist die Tolerierung von gewaltbereiten Gruppen, wie der FPI. Ein hoher Polizeioffizier bezeichnete diese Schlägertypen (quasi muslimische Hooligans) als "wichtigen Partner in Sicherheitsfragen". Allerdings begehrt die Zivilgesellschaft auf gegen solche Zustände zunehmend auf. Man kann nur hoffen, dass die nächste Wahl klare Verhältnisse schafft und die Abhängigkeit von Extremisten weniger stark ist. Mit SBY wird das allerdings eher nicht möglich sein. (der Mann weint im Parlament, wenn er zu stark kritisiert wird).

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