Indonesischer Botschafter
Verdächtige bekam 90 Dollar für Attacke auf Kim Jong Nam

Der Giftmord an Kim Jong Nam und ein Raketentest belasten Pjöngjangs politische Beziehungen. Malaysia droht einem nordkoreanischen Diplomaten mit Haftbefehl. Ein Treffen mit US-Vertretern ist offenbar geplatzt.
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Kuala Lumpur, SeoulDer bizarre Todesfall des Halbbruders des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un artet immer mehr in einen diplomatischen Streit zwischen Nordkorea und Malaysia aus. Die malaysische Polizei drohte einem nordkoreanischen Diplomaten am Samstag, Haftbefehl gegen ihn zu erlassen, sollte er sich weiterhin weigern, bei den Ermittlungen zum mutmaßlichen Giftmord an Kim Jong Nam zu kooperieren.

Das Flughafenterminal, in dem Kim offenbar vergiftet wurde, soll nach Polizeiangaben nun nach möglichen toxischen Stoffen durchsucht werden. Der Einsatz sollte demnach in der Nacht zum Sonntag um 1.00 Uhr (Ortszeit) beginnen. Seit dem Angriff auf Kim Jong Uns älteren Halbbruder sind Zehntausende Passagiere durch den Flughafen von Kuala Lumpur gegangen. Keine Teile des Airports waren abgesperrt worden.

Kim Jong Nam war am Montag vergangener Woche plötzlich gestorben. Videoaufnahmen vom Flughafen von Kuala Lumpur zeigen, wie zwei Frauen sich am helllichten Tag in Kims Richtung bewegten. Eine drückte ihm von hinten etwas auf das Gesicht. Wie am Freitag bekannt wurde, soll es sich dabei um das Nervengift VX handeln. Kim verschied auf dem Weg ins Krankenhaus.

Bei den Ermittlungen zur Tat zählt Nordkorea zu den Verdächtigen. Kim Jong Nam war vor Jahren bei der nordkoreanischen Führung in Ungnade gefallen und hatte zuletzt mit seiner Familie in Macau gelebt. Experten gehen davon aus, dass das Nervengift mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem staatlichen Waffenlabor hergestellt wurde. VX ist gemäß einem internationalen Abkommen verboten - Nordkorea hat diese Vereinbarung allerdings nie unterzeichnet. Pjöngjang streitet jede Beteiligung an dem Angriff ab.

Malaysia hatte in dieser Woche erklärt, man wolle Hyon Kwang Song zu dem Fall befragen. Er ist ein zweiter Sekretär in der nordkoreanischen Botschaft in Kuala Lumpur und genießt damit die Immunität von Diplomaten.

Der Ton wurde am Samstag deutlich rauer. Polizeichef Abdul Samah Mat sagte, die Behörden würden dem Diplomaten „angemessen“ viel Zeit geben, um sich zu melden. Sollte er das nicht tun, werde die Polizei einen Bescheid veröffentlichen, in dem er dazu verpflichtet werde. „Und wenn er es nicht schafft, zu erscheinen, (...) werden wir den nächsten Schritt gehen, indem wir einen Haftbefehl vom Gericht einholen“, sagte Abdul Samah. Der Jurist Sankara Nair hielt dem allerdings entgegen, dass die diplomatische Immunität selbst in Strafverfahren gelte.

Malaysia hat Nordkorea bislang nicht direkt beschuldigt, hinter dem Angriff zu stecken. Vier Nordkoreaner wurde jedoch vorgeworfen, zwei festgenommenen Frauen aus Indonesien und Vietnam das Gift bereitgestellt zu haben, damit diese die Attacke verübten.

Die Indonesierin habe 90 Dollar (rund 85 Euro) dafür erhalten, um dabei zu helfen, den Mord zu verüben, sagte der stellvertretende indonesische Botschafter in Malaysia, Andriano Erwin, am Samstag. Er wiederholte die Behauptung der Verdächtigen, sie habe geglaubt, in einem harmlosen Fernsehstreich mitzuspielen. Erwin hatte die 25-Jährige am Samstag in Malaysia getroffen, wo sie in Gewahrsam sitzt.

Abdul Samah bestätigte außerdem, dass malaysische Ermittler eine Eigentumswohnung untersucht haben. Man warte nun auf Laborergebnisse zu den Dingen, die in der Unterkunft nahe der Hauptstadt Kuala Lumpur gefunden worden seien. Die Gegenstände würden auf chemische Spuren getestet. Die Razzia habe im Laufe dieser Woche stattgefunden.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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