
BRÜSSEL. Zwar habe Europas Industrie ihre Energieeffizienz in den vergangenen zwei Jahrzehnten um fast ein Drittel verbessert. „Doch es gibt immer noch zahlreiche Möglichkeiten, die es auszuschöpfen gilt“, heißt es in dem Papier, das dem Handelsblatt vorliegt. Eine Flankierung dieser Maßnahmen durch steuerliche Entlastungen seitens der Mitgliedstaaten sei wünschenswert.
Geht also demnächst ein Energieinspekteur durch die Fabrikhallen und ordnet die Abschaltung und den Neukauf von Maschinen an, wenn sie nicht höchsten Standards entsprechen? Die Industrie ist alarmiert. Nachdem die Energiekosten vor allem bei deutschen Unternehmen bisweilen längst die Arbeitskosten in der Bedeutung abgelöst haben, müsse man nach dem Sinn solcher gesetzgeberischen Maßnahmen fragen, heißt es bei Vertretern von Industrieverbänden in Brüssel. Die Umsetzung der geplanten Maßnahmen könne bei den Unternehmen zu Doppelbelastungen führen, da Brüssel gleichzeitig auf der Erzeugungs-, Versorger- und Verbraucherebene ansetze, ohne die möglichen Einsparungswege ordentlich aufeinander abzustimmen.
Bis 2020 soll die Energieeffizienz in der EU um 20 Prozent steigen
„Die Kommission macht immer neue Vorgaben von oben“, kritisiert Holger Krahmer, Industrieexperte der FDP-Fraktion im Europäischen Parlament: „Dieser Ansatz ist äußerst fraglich.“ Der größte Effizienztreiber sei schließlich der Wettbewerb, nur durch ihn entstünden auch die besten Lösungen. Angesichts des Kostendrucks durch die weltweite Konkurrenz könne die Industrie keine zusätzlichen Lasten gebrauchen. Ähnlich sieht man das beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI): „Wenn es um Investitionsgüter geht, ist Vorsicht geboten“, heißt es dort. Verpflichtende Vorgaben drohten Kosten und Bürokratie nach sich zu ziehen.
Industriebetriebe verbrauchen rund 40 Prozent des Stroms in der EU. Und der ist teuer. Um Kosten zu senken, versuchen deshalb schon heute vor allem energieintensive Branchen wie Baustoff-, Glas-, Chemie-, Papier-, Metall- und Stahlindustrie wo immer möglich Energie zu sparen.