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Industriekomplex geschlossen: Nordkorea zieht Arbeiter aus Kaesong ab

Nordkorea legt offenbar die Produktion im Industriekomplex Kaesong lahm. Das Regime zieht seine 54.000 Arbeiter aus der Sonderwirtschaftszone ab. Nun wandte sich auch Bundeskanzlerin Merkel an das Regime in Pjöngjang.

Kaesong in Bildern 54.000 Nordkoreaner arbeiten für die Kapitalisten

Kein Durchkommen gibt es derzeit für die Südkoreaner, die an ihre Arbeitsplätze jenseits der Grenze wollen. Der Norden verweigert ihnen seit Mittwoch die Einreise in den gemeinsam betriebenen Industriekomplex Kaesong.

Bild: ap

Nordkorea hat den Abzug seiner 54.000 Arbeiter in der gemeinsam mit Südkorea betriebenen Sonderwirtschaftszone Kaesong angekündigt. „Wir werden alle unsere Arbeiter aus dem Kaesong-Industriekomplex abziehen“, erklärte ein ranghoher Beamter der Regierungspartei, Kim Yang Gon, am Montag laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA. Der Industriekomplex werde anschließend vorübergehend geschlossen. Kim machte „militärische Kriegstreiber“ für die Entscheidung verantwortlich. Es hänge allein von der südkoreanischen Regierung ab, wie sich die Lage weiter entwickeln werde.

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Im Zuge der aktuell angespannten Lage auf der koreanischen Halbinsel hatte Nordkorea südkoreanischen Arbeitern vergangene Woche die Einreise in die gemeinsam von beiden Staaten betriebene Sonderwirtschaftszone untersagt, die Ausreise hingegen erlaubt. Hunderte Südkoreaner blieben zunächst freiwillig in Kaesong.

Arbeiter ausgesperrt Nordkoreas Grenzen bleiben zu

Kim Jong Un bleibt in seinem riskanten Macht-Poker stur und legt noch einen drauf: Arbeiter aus dem Süden mussten auch heute vor der Grenze umkehren. Die Armee gab außerdem grünes Licht für Atomangriffe gegen die USA.

Mit dem Einreiseverbot stellte sich Pjöngjang gegen ein Projekt, das bislang Krisen zwischen den beiden verfeindeten Nachbarstaaten überstand. Der Industriekomplex liegt in Nordkorea, zehn Kilometer von der Grenze zum Süden entfernt. Für beide Koreas ist die Wirtschaftszone in Kaesong wichtig – für den Süden allerdings eher symbolisch, für den Norden dagegen wirtschaftlich. Dem verarmten Nordkorea mit seiner bisweilen hungernden Bevölkerung, seiner riesigen Armee und seinen Atomambitionen bringt der Industriekomplex dringend benötigte Devisen ein.

Vor allem südkoreanische Firmen in arbeitsintensiven Bereichen wie der Textilindustrie haben Betriebe in Kaesong angesiedelt. Insgesamt haben sie rund 800 Millionen Dollar investiert. Denn von den kommunistischen Arbeitsvermittlern können sie Arbeitskraft zu Preisen kaufen, die selbst im Ostteil Chinas kaum mehr möglich wären: Umgerechnet zahlen sie 130 bis 150 US-Dollar im Monat pro Arbeiter. Ein Großteil landet direkt in der Kasse des nordkoreanischen Staats.

Etwas mehr als 80 Millionen US-Dollar streicht Kim Jong Uns Regime damit jährlich ein. Hinzu kommen Steuerzahlungen südkoreanischer Firmen an den nordkoreanischen Staat. Dafür produzierten die südkoreanischen Firmen 2012 Waren im Wert von ungefähr 470 Millionen US-Dollar. Das waren immerhin 17,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Sonderwirtschaftszone Kaesong

  • Was ist Kaesong?

    Kaesong trägt die offizielle Bezeichnung Spezielle industrielle Verwaltungsregion Nordkoreas. Mit den dort angesiedelten südkoreanischen Unternehmen fungiert der Industriekomplex als gemeinsame Wirtschaftsentwicklungszone. Die Unternehmen aus dem Süden zog es vor allem wegen billiger und qualifizierter Arbeitskräfte dort hin.

  • Wie kam es zur Gründung von Kaesong?

    Kaesong ist ein Ergebnis der sogenannten Sonnenscheinpolitik Südkoreas - der zwischen 1998 und 2008 betriebenen interkoreanischen Aussöhnung. Diese Politik zielte darauf ab, die Kontakte zwischen beiden Staaten zu beleben. Seit seiner Gründung 2004 ist der Industriekomplex das einzige Überbleibsel der Zusammenarbeit zwischen Nord und Süd, nachdem die offiziellen Beziehungen seit 2010 auf Eis liegen.

  • Wo liegt Kaesong?

    Die Sonderwirtschaftszone liegt in Nordkorea, zehn Kilometer von der Grenze zum Süden entfernt. Es gibt eine direkte Straßen- sowie Zugverbindung in den Süden. Insgesamt hunderte Arbeiter und Manager aus Südkorea überqueren täglich den nach Kaesong führenden Grenzposten. Ihre Namen werden den nordkoreanischen Behörden im Vorfeld übermittelt, diese geben dann grünes Licht für die Einreise.

  • Wer arbeitet in Kaesong?

    Aktuell sind in Kaesong 123 südkoreanische Unternehmen tätig, die meisten davon stammen aus der Textil-, der Elektronik- und der Chemiebranche. Beschäftigt sind mehr als 53.000 nordkoreanische Arbeitskräfte sowie knapp 900 Südkoreaner im Managementbereich.

  • Wie erfolgreich war Kaesong bislang?

    Südkoreanische Unternehmen investierten insgesamt 850 Millionen Dollar (664 Millionen Euro) in die Zone. Nach einem zunächst schleppenden Start meldete Kaesong erstmals 2011 einen Gewinn. Für 2012 wurde ein Umsatz von 469,5 Millionen Dollar vermeldet, für den Zeitraum seit 2004 wird der Wert mit 1,98 Milliarden Dollar angegeben.

  • Warum ist Kaesong so wichtig für Nordkorea?

    Kaesong ist eine wichtige Quelle für ausländische Devisen für Pjöngjang. Die dort beschäftigten Nordkoreaner verdienen im Monat im Schnitt 144 Dollar. 2012 verlangte Nordkorea von acht der dort vertretenen Firmen Steuerzahlungen in Höhe von 160.000 Dollar.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Russlands Präsident Wladimir Putin forderten unterdessen Pjöngjang zur Einstellung seiner militärischen Provokationen auf. Sie sei sich mit Putin sehr einig, dass die internationale Staatengemeinschaft im Zusammenhang mit der Entwicklung um Nordkorea beruhigend einwirken müsse, sagte Merkel am Montag nach einem gemeinsamen Rundgang mit Putin über die Hannover Messe. Es müsse aber auch darauf hingewirkt werden, dass Nordkorea die „Provokationen“ einstelle.

Kurz zuvor hatte Nordkoreas Verbündeter Peking den Druck auf Pjöngjang erhöht. Indirekt übte Staats- und Parteichef Xi Jinping scharfe Kritik an Nordkorea, ohne den störrischen Nachbarn aber beim Namen zu nennen. „Niemandem darf erlaubt werden, eine Region oder sogar die ganze Welt für selbstsüchtige Zwecke ins Chaos zu stürzen“, sagte der Präsident in Äußerungen, die nach Einschätzung von Diplomaten vom Montag auf das Regime in Pjöngjang abzielten. Einen Ausweg aus der Krise sieht China vor allem in direkten Gesprächen zwischen den USA und Nordkorea, wie ein hoher chinesischer Außenpolitiker der dpa in Peking sagte. Alle blickten immer auf China, doch liege der Schlüssel bei den USA.

  • 08.04.2013, 16:17 UhrWolfsfreund

    @ BringFrieden

    Mit jemandem, der unter Verfolgungswahn leidet, kann man nicht diskutieren und ihn auch nicht überzeugen, daß ihm keiner was will. Er wird's nicht glauben und alles für eine Lüge halten. In einem Interview sagte Gorbatschow mal, daß man seinerzeit in der UdSSR tatsächlich glaubte, der Westen wolle über sie herfallen. Letztlich siegte damals die Vernunft, durch N. S. Gorbatschows Initiative.
    Bei Kim resp. den nordkoreanischen Machthabern scheint die Paranoia noch viel ausgeprägter zu sein gepaart mit einer eingebildeten "Göttlichkeit" und Selbstüberhebung. Gegen diese Mischung kommt keiner mit Argumenten an. Dazu paßt auch die unfaßbare Brutalität, mit der das nordkoreanische Volk unter der Knute gehalten wird, bis hin zur Sippenhaft kompletter Familien, Folter und Tod. Die nordkoreanische Regierung gehört m.E. vor den internationalen Strafgerichtshof wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und für 50...60 Jahre hinter Gitter.
    Das einzige, was m.E. Kim und Co. zufriedenstellen würde, wäre die bedingungslose Kapitulation seiner eingebildeten Feinde und die Annektion von Südkorea, was natürlich Traumtänzerei ist. Ich befürchte ernsthaft, daß nicht mal China es schafft, Kim und Konsorten im Zaum zu halten, und das es wohl irgendwann knallen wird.
    Bevor das ausufert, sollte man ernsthaft drüber nachdenken, mit einem Präventivschlag NK seiner militärischen und vor allem nuklearen Kapazitäten zu entblößen und die Führungs"elite" zu eliminieren, und das zwingend im Einklang mit den Chinesen, ohne die man in dieser Region nichts unternehmen sollte.
    Ich fürchte nur, daß sich eindringenden Bodentruppen in den Lagern ein Bild des Grauens bieten dürfte, ähnlich den Aliierten im WKII in den KZs, wenn auch nicht in diesem quantitativen Maßstab... :-(

  • 08.04.2013, 15:59 UhrFredi

    Billig müssen die Facharbeiter vor allem sein.

    Gute Fachkräfte hat Deutschland genug, aber die wollen alle Geld für Ihre Arbeit haben!

  • 08.04.2013, 15:17 UhrBringFrieden

    Erkennt Nordkorea mal an und gibt ihnen die Unabhängigkeit, damit sie ihr Militär abbauen können und Reformen durchführen können.
    Gibt ihnen doch mal die Sicherheit dazu, als Angebot, anstatt Unschuldige in den Tod zu treiben.

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