Industriepolitik mit Problemen behaftet
Differenzen zwischen Deutschland und Frankreich bestehen weiter

Vertreter des französischen Industriekonzerns Alstom und des deutschen Wettbewerbers Siemens werden nicht am deutsch-französischen Spitzentreffen zur Industriepolitik teilnehmen. Das erklärte am Freitag das französische Finanzministerium und widersprach damit Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD), der jüngst gesagt hatte, die Teilnahme der beiden Firmen sei beim letzten Regierungstreffen vereinbart worden.

HB BERLIN/PARIS. Frankreich sucht derzeit nach einer Lösung für den angeschlagenen Alstom-Konzern. Siemens wird ein Interesse an Teilen von Alstom nachgesagt.

„Es stand nie zur Debatte, dass Alstom und Siemens an diesem Treffen teilnehmen, zumindest nicht mehr als andere Industrieunternehmen, und ihre Teilnahme steht auch weiter nicht zur Debatte“, sagte Sprecher in Paris. Ein Termin für das deutsch/französische Treffen sei im Übrigen weiter offen. Ein deutscher Regierungssprecher hatte zuvor gesagt, Gespräche werde es sicher nicht mehr im Mai, möglicherweise aber im Juni geben. Unklar sei zudem, ob daran Siemens und Alstom teilnähmen. Bundeswirtschaftsminister Clement hatte dagegen Anfang der Woche bei seinem Besuch in Ägypten in Kairo gesagt, das Treffen finde unter Teilnahme von Alstom und Siemens statt. Dies sei so besprochen worden.

In deutschen Regierungskreisen hieß es am Freitag, sollte es sinnvoll erscheinen, auch über eine konkrete Zusammenarbeit von Alstom und Siemens zu reden, werde in der Bundesregierung ein Gespräch mit den Chefs der beiden Firmen nicht ausgeschlossen. Voraussetzung dafür sei aber, dass Alstom an einer solchen Zusammenarbeit interessiert sei. In den Kreisen heißt es seit längerem, man sei verärgert über die Einflussnahme Frankreichs in Firmenvorgänge. Dabei geht es auch um die Pläne Frankreichs, Alstom mit Milliarden-Hilfen zu retten.

EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti will aber nach Angaben Kreisen über Auflagen die Möglichkeit für eine Alstom-Zusammenarbeit mit einem industriellen Partner wie Siemens eröffnen. Es gilt als sicher, dass Siemens ein Interesse am Gasturbinen-Geschäft von Alstom haben, nachdem sie bereits deren Industrieturbinen-Bereich übernommen haben. Zudem werden Siemens Ambitionen an Teilen der Verkehrstechnik nachgesagt. Ein Siemens-Sprecher wollte auch am Freitag die aktuelle Entwicklung nicht kommentieren.

Für Verärgerung hatte nach Angaben aus den deutschen Kreisen auch die Entwicklung bei der Übernahme der deutsch-französichen Pharmafirma Aventis durch den französischen Konkurrenten Sanofi Synthelabo gesorgt. Es sei vereinbart worden, dass sich die Regierungen dort heraus hielten, hatte es in den Kreisen geheißen. Kaum sei man aber auseinander gegangen, erzwinge die französische Regierung eine nationale Lösung, bei der die französische Sanofi-Synthelabo Aventis übernimmt. Noch einmal wolle man das nicht hinnehmen.

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