Inferno in Honduras: Zahl der Toten nach Gefängnis-Inferno steigt

Inferno in Honduras
Zahl der Toten nach Gefängnis-Inferno steigt

Hunderte Häftlinge waren in ihren Zellen eingeschlossen, als in einem Gefängnis in Honduras Feuer ausbrach. Etliche starben, weil offenbar kein Wärter da war, der sie hätte befreien können.
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TegucigalpaEs war einer der verheerendsten Gefängnisbrände seit 100 Jahren. Bei einem Feuer in einer honduranischen Haftanstalt sind in der Nacht auf Mittwoch bis zu 377 Menschen ums Leben gekommen. Eingeschlossene Gefangene schrien verzweifelt um Hilfe, als eine Feuerwalze durch das Gefängnis in der Stadt Comayagua rollte. Mehr als 350 Tote wurden den Behörden zufolge in Leichenschauhäuser der Hauptstadt Tegucigalpa gebracht.

Präsident Porfirio Lobo sagte im staatlichen Fernsehen: „Das ist ein Tag tiefer Trauer.“ Sie hätten „Feuer, Feuer“ gerufen, sagte der Gefangene Silverio Aguilar dem Radiosender HRN. Allein in seiner Zelle seien 60 Häftlinge eingesperrt gewesen. „Zunächst hat uns niemand gehört. Aber nach einigen Minuten, die uns wie eine Ewigkeit vorkamen, kam ein Wärter mit den Schlüsseln und ließ uns raus.“

475 Gefangene seien in dem Tumult entkommen, sagte der Sprecher der honduranischen Sicherheitsministeriums, Hector Ivan Mejia. 21 weitere Menschen seien bei dem Brand verletzt worden.

Bei einem Brand in einem Gefängnis im US-Staat Ohio waren 1930 mindestens 320 Menschen ums Leben gekommen. Sie gehe davon aus, dass die meisten Vermissten tot seien, sagte die gerichtsmedizinische Leiterin der Staatsanwaltschaft, Lucy Marder.

Da viele Opfer bis zur Unkenntlichkeit verbrannt seien, dürfe es mindestens drei Monate dauern, alle Toten mittels DNA-Tests zu identifizieren. In dem Gefängnis hätten sich „entsetzliche Szenen“ abgespielt, sagte Feuerwehrsprecher Josue Garcia.

Offenbar kam für viele die Rettung zu spät, weil die Wärter mit den entsprechenden Schlüsseln nicht aufzufinden waren. „Rund 100 Häftlinge sind in ihren Zellen verbrannt oder erstickt“, sagte Garcia. Sechs Menschen kamen ums Leben, als sie in einem Wassertank im Inneren des Gefängnisses Schutz vor den Flammen suchten.

„Ich sah Rauch vom Zellenblock 6 und er breitete sich im ganzen Gefängnis aus“, sagte der 24-jährige Häftling Ever Lopez. „Andere Häftlinge und ich haben mit bloßen Händen das Dach aufgestemmt und sind geflohen. Gott sei Dank bin ich am Leben.“

Die Gouverneurin des Staats Comayagua, Paola Castro, sagte am Mittwoch auf einer Pressekonferenz, Minuten vor den ersten Berichten über das Feuer habe sie ein Häftling angerufen. Er habe ihr gesagt: „Ich werde das Gebäude in Brand setzten und wir werden alle sterben.“ Castro arbeitete einst als Sekretärin in dem Gefängnis und kennt viele der Häftlinge. Nach dem Anruf habe sie die Feuerwehr und Sanitäter benachrichtigt.

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