Inflationswächter ernannt
„Mister Prezzi“ soll Italiens Preise stoppen

Weil die Italiener über steigende Lebenshaltungskosten klagten, hat die Regierung nun einen speziellen Preis-Aufseher ernannt. Während die Verbraucherschützer jubeln, zweifeln Ökonomen am Einfluss des Beauftragten. Für sie ist er nur eine „Vogelscheuche“.

MAILAND. Ein Sonderbeauftragter soll in Zukunft über Italiens Preise wachen. Die italienische Regierung hat Antonio Lirosi, den bisherigen Abteilungsleiter für Marktregulierung im Ministerium für Wirtschaftsentwicklung, zum neuen Preis-Aufseher ernannt. Ökonomen zweifeln jedoch am Nutzen der neuen Position.

Die Funktion des so genannten „Mister Prezzi“ hat die Regierung unter Romano Prodi mit dem im Dezember verabschiedeten Haushaltsgesetz neu eingerichtet. Damit reagierte Prodi auf die Kritik der Verbraucher, die gegen die steigenden Lebenshaltungskosten protestieren. Vor allem zum Jahresende ist die Inflation in Italien deutlich gestiegen. Im November lag sie laut Statistikbehörde bei 2,4 Prozent und kletterte im Dezember auf 2,6 Prozent. Im gesamten vergangenen Jahr sind die Verbraucherpreise in Italien dagegen nur um 1,8 Prozent gestiegen. Damit lag die Inflation so niedrig wie seit 1999 nicht mehr.

Dennoch beschweren sich die Verbraucher über leere Portemonnaies vor dem Monatsende. Die gefühlte Inflation bei den italienischen Verbrauchern ist deutlich höher als die reale. Das liegt vor allem daran, dass derzeit vor allem die Energie- und Lebensmittelpreise steigen, erklärt der Ökonom Marco Valli von Unicredit, „und das spüren die Familien in ihrem täglichen Verbrauch besonders“.

Außer den Stromrechnungen ist auch das Grundnahrungsmittel der Italiener – die Pasta – teurer geworden. Die Hersteller schieben das zwar auf die gestiegenen Weltmarkt-preise, doch Ökonomen sehen hier auch Spekulation am Werk. Im September hatten die Verbraucherverbände zum eintägigen Pasta-Boykott aufgerufen und auf den Marktplätzen aller größeren Städte Italiens gegen die Preiserhöhungen bei Lebensmitteln, Strom und Transport demonstriert.

Ökonomen haben ihre Zweifel daran geäußert, dass der neue „Mister Prezzi“ etwas an der Lage ändern wird: „Das ist ein lächerlicher Versuch der Regierung, um die Leute zu überzeugen, dass sie etwas tun, um die Kaufkraft zu verteidigen“, kommentiert Anna Grimaldi von der Großbank Intesa Sanpaolo die Initiative. Statt der „Vogelscheuche mit Namen Mister Prezzi “sollte die Regierung lieber auf mehr Konkurrenz setzen und so für niedrigere Preise sorgen. Der Unicredit-Ökonom Valli rät zu Liberalisierungen gerade im Energie- und im Dienstleistungssektor und hält „Mister Prezzi“ nur für einen populären Schachzug der Politiker. „Die neue Figur kann vielleicht bei der Spekulation stärker aufpassen“, sagt er, „aber die Inflation wirklich beeinflussen wird sie nicht.“ Auch Vladimir Pillonca von Morgan Stanley ist überzeugt, dass die Neue Figur keinen Einfluss auf die Inflation haben wird.

Die Verbraucherverbände dagegen begrüßten gestern den neuen „Mister Prezzi“. „Die Ernennung einer institutionellen Figur, um die Bewegung der Preise und der Tarife zu überwachen, ist sicher sehr positiv in Zeiten, in denen die Inflation auf nationaler und europäischer Ebene anzieht“, sagte Antonio Longo, Präsident des Verbraucherverbands Movimento Difesa del Cittadino (Mdc).

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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