Informant sucht Asyl

29-jähriger Techniker hat NSA-Datensammlung enthüllt

Edward Snowden steckt hinter der Enthüllung der riesigen Datensammlung des US-Geheimdienstes: Der Techniker hat die Dokumente an die Öffentlichkeit gebracht – aus Überzeugung. Jetzt versteckt er sich in Hongkong.
Update: 10.06.2013 - 06:16 Uhr 23 Kommentare

US-Spitzelskandal: Heiligt der Zweck alle Mittel?

London/BerlinDer junge Amerikaner, der hinter den jüngsten Enthüllungen über massive Internet-Schnüffelaktionen der US-Regierung steckt, sucht Asyl. Der 29-jährige Techniker Edward Snowden enttarnte sich am Sonntag selbst. Er ist ein ehemaliger CIA-Mitarbeiter, der zuletzt beim Abhördienst NSA im Einsatz war. Er wolle mit dem Geheimnisverrat die ausufernde Überwachung öffentlich machen, sagte Snowden dem britischen „Guardian“. Er suche nun „Asyl bei jedem Land, das an Redefreiheit glaubt und dagegen eintritt, die weltweite Privatsphäre zu opfern“, erklärte Snowden der „Washington Post“.

Snowden war vor rund drei Wochen mit geheimen NSA-Dokumenten nach Hongkong geflohen. In Washington wurden erste Rufe nach einer Auslieferung Snowdens laut. Der Republikaner Peter King, Mitglied im Geheimdienstausschuss des Abgeordnetenhauses, forderte, erste Schritte für eine Überstellung in die USA einzuleiten. Er rief außerdem zu einer „Strafverfolgung mit der vollen Härte des Gesetzes“ auf, sollten die anlaufenden Ermittlungen Snowden als Informanten bestätigen.

Snowden war nach eigenen Angaben die vergangenen vier Jahre als Mitarbeiter externer Unternehmen bei der NSA tätig. Nach den von ihm enthüllten Dokumenten sammelt der US-Geheimdienst in großem Stil Daten bei Internet-Diensten wie Google, Facebook, Microsoft, Apple und Yahoo. Das Programm trägt demnach den Codenamen „PRISM“.

„Ich will nicht in einer Welt leben, in der alles was ich mache und sage aufgenommen wird“, sagte Snowden dem „Guardian“. Er zeichnete eine noch größere Dimension der Datensammlung als die von ihm enthüllten Dokumente andeuten: „Die NSA hat eine Infrastruktur aufgebaut, die ihr erlaubt, fast alles abzufangen.“ Damit werde der Großteil der menschlichen Kommunikation automatisch aufgesaugt. „Wenn ich in ihre E-Mails oder in das Telefon ihrer Frau hineinsehen wollte, müsste ich nur die abgefangenen Daten aufrufen. Ich kann ihre E-Mails, Passwörter, Gesprächsdaten, Kreditkarten-Informationen bekommen.“

Snowden machte klar, dass er sich der Konsequenzen seines Handelns bewusst sei. Er gehe davon aus, dass er nie wieder mit seiner Familie oder seinen Freunden Kontakt aufnehmen könne. Seine Hoffnung sei derzeit, dass ihn Hongkong nicht ausliefern werde, auch wenn ihm das Risiko einer Gefängnisstrafe von Anfang an klar gewesen sei. „Ich glaube nicht, dass ich mein Zuhause jemals wiedersehen werde.“

Auslieferung in die USA?
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Informant sucht Asyl - 29-jähriger Techniker hat NSA-Datensammlung enthüllt

23 Kommentare zu "Informant sucht Asyl: 29-jähriger Techniker hat NSA-Datensammlung enthüllt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • ich schätze das HB sehr. Es würde mich freuen, wenn Ihr klar und unmissverständlich Eure Position zu dieser unfassbaren Manipulation privater Daten in dieser extremen Dimension darstellen könntet. Schweigen oder: ich weiss nicht, das kommt einer Selbstaufgabe gleich. Selbst wenn Ihr Gefahr lauft, die Lizenz zu verlieren. Helden braucht die Welt, immer wieder.



  • Der Typ brach geltende US Gesetze, beging Geheiminsverrat und sollte sich schon mal auf paar einsame Jahre einstellen.

    Das degenerierte Rechtsverständnis Deutscher Staatsbürger lässt unverändert zu Wünschen übrig, kein Wunder: die EZB darf euch weiterhin unbemerkt die letzten Penunzen aus der löchrigen Hans-Dampf-Hose zaubern.

  • Den staatsgläubigen Deutschen kann das USA Procedere nicht stören, oder vielleicht doch. Sind sie noch tolerant gegenüber Diktatoren: Nazi D, DDR und jetzt ..!? Die Reputation der USA ist in den letzen 10 Jahren massiv gesunken. Weder wirtschaftlich noch demokratisch hat sie noch Weltformat. Die ökonomischen Antriebskräfte sind Rekordtiefstzinsen, die Fehlanreize setzen und die Lüge von den energieautarken USA mittels Fracking. Wir Europäer sollten uns Alternativen suchen. Ein enges Verhältnis zu Russland ist für beide Seiten von Vorteil sein und wird den Abstieg der USA beschleunigen und Europa kann wieder die führende Rolle übernehmen. Während in Russland der Weg zu mehr Demokratie geht ist die USA in die falsche Richtung unterwegs.

    Der Damm ist gebrochen, als widerstandslos und im Namen der Gerechtigkeit das Bankgeheimnis fiel. Die Regierungen sind global davon überzeugt die Toleranz des Bürgers gegenüber einen totalitären oder wenigstens autoritären Staat ist sprichwörtlich grenzenlos.

    Es braucht nicht weniger, es braucht mehr bürgerliche Rechte und weniger Kontrolle durch den Staat. Wollen wir wirklich alles kontrolliert und reguliert wissen wenn dadurch elementare Grundrechte verletzt werden?

  • Es sind noch längst nicht alle Geister angekommen, die wir grad in unserem virtuellen Darstellungs- und Kommunikationswahn am rufen sind angekommen.
    Sicher ist nur, dass wir die alle nicht mehr loswerden.
    Besonders dann nicht, wenn wir einen vermeintlich übermächtigen "Bruder" jenseits des Atlantiks haben, der schon längst glaubt, ihm gehöre die Welt.

  • Ich glaube nicht,daß der hier willkommen ist.
    In der EU gibts so was auch. INDECT. Nur werden da alle Möglichkeiten der Überwachung zusammengeführt. eMail, Facebook und Co., Leserkommentare ... - Also seien Sie vorsichtig, was Sie hier von sich geben.
    taz: "Videoüberwachung, biometrische Gesichtserkennung, Auswertung von persönlichen Informationen aus sozialen Netzwerken im Internet – das von der Europäischen Union geförderte Projekt „Indect“ (Intelligentes Informationssystem zur Unterstützung von Überwachung, Suche und Erfassung für die Sicherheit von Bürgern in städtischer Umgebung) kombiniert all diese Verfahren und bastelt so an der perfekten Überwachung eines jeden Bürgers."
    Daran bastelt die EU seit 2009. Ich vermute mal, daß es "Tests" gibt.
    Also nicht nur die USA. Deshalb hält Frau Merkel auch die Füße still. Und der Innenminister Friedrich, CSU, fordert seit längerem mehr Videoüberwachung. Wird für INDECT halt benötigt.

  • George Orwell's Big Brother schaute ab und zu über den Monitor seinen Bürgern in die Wohnung - gegen die Datenmenge, die NSA und CIA akkumuliert über uns haben, wäre er ein Waisenknabe. Und auch gegen den Druck, den die USA immer noch ausüben, siehe Assange.

    Aus reiner Hysterie - viele Länder der Welt müssen schließlich mit Terror der ein oder anderen Art leben - verkauft das Land sein Logo und seinen Urschrei, LIBERTY, gegen angebliche SICHERHEIT. Aber die eigenen Waffennarren sind ihnen ein Heiligtum.

    Trotzdem, lasst uns nicht die Perspektive verlieren: Die vorsichtige Außenpolitik Obamas ist ein großer Fortschritt (bei Syrien bin ich mir da nicht so sicher; eine Flugsverbotzone nach den ersten Bombardierungen von Aleppo wäre angebracht gewesen).

    Estella - wenn Deutschland, der kritiklose Unterstützer der USA während der Völkermorde in Südost-Asien(Kambodscha, Vietnam, Laos), Ed Snowden Asyl gewährt, fresse ich einen metaphorischen Besenstil.

    Aber gut, lieber Bürger Gauck, übernehmen Sie, lassen Sie schönen Worten Taten folgen! Schließlich ist halb Deutschland auf facebook.



  • Deutschland muss dem armen Kerl Asyl gewähren. Er hat kein Geheimnis verraten, sondern die Regierung verrät die Geheimnisse der Bürger. Und wenn sie nicht spionieren - was sollte er dann verraten? Eine Petition für den Schutz des Jungen muss her. Da kann Frau Merkel sich im Wahlkampf positiv darstellen.

  • Ich persönlich finde es absurd und erheiternd zugleich, dass es Menschen gibt, die Obama mit JFK vergleichen.

    Das primäre politische Ziel von JFK war es die Macht der CIA zu beschneiden und die Souveränität des Volkes über das Geld herzustellen.

    (...)

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Der deutsche Normalbürger wird von seinen Politiker derart dreist hinter die Fichte geführt. Längst werden auch in Deutschland mehr als 55% des Mail-Verkehrs von den Diensten mitgelesen und systematisch überwacht.

    Wenn dann ganz verschämt der Hinweis kommt, dass nur jeder dritte Verfassungschützer einen Internetzugang hat, dann ist das eine unverschämte Ablenkung von den Tatsachen.

    Das Mitlesen des Staates ist eine Sache. Aber für mich ist es Fakt, dass sich große Teile der Sicherheitsbehörden dieses Landes längst verselbständigt haben. Siehe NSU-Affaire, siehe Rüstungsbeschafung und viele andere Ungereimtheiten. Nicht einmal mehr unser Parlament hat da die Übersicht, geschweige denn eine Einsicht. Was ist, wenn wir eine totalitär veranlagte Regierung bekommen? Die hat dann alle Möglichkeiten der Selektion. Als Deutsche sollten wir hier hypersensibel sein! Das ist auch ein Weckruf an die Medien.

  • In der Tat haben meine Vorredner Recht! Dieser Mann ist ein Held!
    In mehrfacher Hinsicht. Zum Einen natürlich an dem was er getan hat, zum Anderen nimmt er die amerikanische Verfassung ernst. Der Zusatzartikel 4 erscheint hier anwendbar zu sein.
    Doch am Schlimmsten bei der ganzen Sache ist, dass hier althergebrachtes Recht zumindest fragwürdig behandelt wird. Früher flohen die Menschen in die Vereinigten Staaten weil sie der mehr oder weniger gerechtfertigten Verfolgung durch Staatsorgane entgehen wollten. Die Passagiere der "Mayflower" flohen vor dieser Art der Verfolgung.
    Heute scheinen die USA genau dass zu tun was die Staaten damals ihren Bürgern angetan hat, nur mit dem Unterschied, dass es weltweit geschieht. Des Weiteren scheinen heute die Menschen aus den USA zu fliehen die sich durch ihren Staat verfolgt fühlen. Ob nun gerechtfertigt oder nicht, in dem Zusammenhang kann nur eine Rechtsgrundlage die in Deutschland gilt eventuell weiter helfen, der Tatbestand des ersten Augenscheins.
    Für meinen Teil hat dieser Techniker eine Heldentat an jedem frei denkenden Menschen begangen. Wenn ich es könnte würde ich ihn dort verstecken wo ihn niemand finden kann. Nicht einmal PRISM oder was auch immer.
    Meiner Meinung nach sind wir auf einen gefährlichen Weg gekommen. Wer mit Angst regieren muss, hat meiner bescheidenen Ansicht nach etwas verpasst oder er ist schlichtweg unfähig zu regieren.
    Mit der Angst vor Terror oder der simplen Angst davor den Wohlstand dadurch zu verlieren dass irgendwas "alternativlos" ist, lässt sich gut regieren. Doch wieviel Angst lassen wir uns unsere Freiheit kosten?

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%