Infrastruktur in Indien
20 Kilometer Highway täglich

Indien hat ein ehrgeiziges Ziel: In den nächsten zwei Jahren will das Land in einem Gewaltakt seine Infrastruktur ausbauen und dem steigenden Verkehr anpassen. Für umgerechnet 30 Milliarden Euro sollen Verträge zum Bau neuer Fernstraßen abgeschlossen werden - um ausländische Investoren anzulocken, hat die Regierung Spitzenbeamte auf Werbetour geschickt.

NEU-DELHI. Nur der Wegweiser zum "National Highway 8" erinnert daran, dass hier einmal eine sechsspurige Straße war. Jetzt ist hier ein großer, brauner See. Wo noch vor wenigen Tagen Stoßstange an Stoßstange der Fernverkehr aus der 15-Millionen-Stadt Delhi rollte, nimmt eine Herde Wasserbüffel genüsslich ein Bad. Der kilometerlange, wild hupende Stau scheint sie nicht zu stören.

Es ist Monsun in Indien, die Zeit der heftigen Regenfälle. Und wie jedes Jahr leidet das Land, das sich stolz zu den großen Wirtschaftsmächten zählt, dann besonders unter seiner dramatisch vernachlässigten Infrastruktur. 3,5 Millionen Kilometer misst Indiens Straßennetz. Es ist damit das zweitgrößte der Welt. Trotzdem kann es wegen seines schlechten Zustands den Verkehr nicht bewältigen, der jährlich in zweistelligen Raten wächst. So braucht ein Lkw für die 1 500 Kilometer von Delhi nach Bombay fünf Tage reine Fahrzeit. Die Folgen für die Wirtschaft seien alarmierend, warnt auch Straßen- und Transportminister Kamal Nath. Indiens Wachstum hänge entscheidend ab vom Straßenbau.

Nath hat deshalb ein ehrgeiziges Investitionsprogramm angestoßen. In den nächsten zwei Jahren will Indien für umgerechnet 30 Mrd. Euro Verträge zum Bau neuer Fernstraßen abschließen. Die Hälfte des Geldes, hofft der Minister, stellen ausländische Investoren bereit. Nath will sie mit den Mauteinnahmen aus den Straßen locken und verspricht hohe Renditen. Die Regierung hat Spitzenbeamte auf Werbetour ins Ausland geschickt. Kürzlich lud sie in Singapur zu einer Investorenkonferenz ein. Nächste Woche ist Zürich an der Reihe.

"20 Kilometer neue Fernstraßen pro Tag", lautet Naths plakativ formuliertes Ziel. Bisher habe Indien täglich nur zwei Kilometer geschafft. "Wir liegen 25 Jahre zurück", bekennt der Minister. Umgerechnet 105 Mrd. Euro will die Regierung in den nächsten Jahren deshalb in den Straßenbau stecken. Im Haushalt wurden die geplanten Ausgaben deutlich aufgestockt.

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