Ingnazio Visco
Berlusconis gelungene Überraschung

Bis zuletzt galt EZB-Vorstand Bini Smaghi als Favorit für die Spitze der italienischen Notenbank. Doch nun soll Ignazio Visco die Draghi-Nachfolge antreten. Selbst die Opposition gratuliert Berlusconi zu diesem Coup.
  • 0

RomDie Überraschung ist geglückt. Keiner in Rom hatte mit dem Namen Ignazio Visco gerechnet, auch wenn sein Name in den vergangenen Wochen gelegentlich bei der Kandidatensuche nach einem Nachfolger für Mario Draghi aufgetaucht war. Der italienische Premier Silvio Berlusconi hat mit der Benennung des stellvertretenden Generaldirektors der Notenbank äußerst diplomatisches Geschick gezeigt.  Sogar die Opposition gratulierte zu der Bestimmung des 61jährigen Neapolitaners.

„Er ist eine gute Wahl, denn er hat Ansehen und Autorität“, sagte Pierluigi Bersani, Parteichef der Demokraten (PD). Jeder andere Kandidat hatte einen Makel und hätte Berlusconi Probleme bereitet: Gegen Fabrizio Saccomanni, Generaldirektor der Banca d’Italia und bis gestern Vorgesetzter von Visco, geschätzt von Draghi, hatte sich vehement Finanzminister Giulio Tremonti ausgesprochen. Er wollte seinen Kandidaten, Vittorio Grilli aus Mailand, Generaldirektor in seinem Ministerium. Unterstützung hatte er von Umberto Bossi bekommen. Der Lega-Chef, Koalitionspartner von Berlusconi, hatte getönt „Wir wollen einen Mailänder“. Der bis zuletzt hoch gehandelte Lorenzo Bini Smaghi, im Vorstand der Europäischen Zentralbank (EZB), galt vielen in Rom als Verlegenheitskandidat oder auch als lachender Dritter.

Visco, der nach dem Studium in Rom in die Banca d’Italia eintrat, dort Karriere machte und von 1997 bis 2002 Chefökonom der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) war, gilt seit einiger Zeit als „Außenminister“ des scheidenden Notenbank-Gouverneurs Draghi. Und er kommt gut mit Tremonti aus, heißt es in Rom. Beim G20-Gipfel in Paris arbeiteten die beiden eng zusammen. Seit 2007 ist Visco stellvertretender Generaldirektor der Notenbank in Rom. In den Medien wird der Vater von drei Töchtern als „raffinierter Ökonom mit großem Prestige“ bezeichnet.

Innenpolitisch hat Berlusconi mit seinem Überraschungskandidaten alle zufriedengestellt. Nach dem Procedere für die Wahl des Gouverneurs berät der Rat der Banca d’Italia, der für Montag zusammengerufen ist, nun den Vorschlag Berlusconis und der Staatspräsident ernennt ihn. Nur ein Problem hat Berlusconi noch nicht gelöst: Er muss einen neuen Job für Bini Smaghi in Italien finden – es war schon von der Spitze der Antitrustbehörde die Rede -, denn der französische Präsident Nicholas Sarkozy hat seit der Ernennung Draghis zum Nachfolger von Jean-Claude Trichet als Präsident der Europäischen Zentralbank angemahnt, dass er keine zwei Italiener in den Spitzengremien der EZB haben will. 

Regina Krieger
Regina Krieger
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Ingnazio Visco: Berlusconis gelungene Überraschung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%