Initiative 1:12 in der Schweiz

Staatlicher Deckel gegen Gehalt-Exzesse

Die Schweiz stimmt am Sonntag über eine Begrenzung für Gehälter in Unternehmen ab. Darin sehen Befürworter eine demokratische Antwort auf die Abzocker-Löhne – andere fürchten den „Beginn eines staatlichen Lohndiktats“.
18 Kommentare
Mit solchen Plakaten – wie hier am Hauptbahnhof in Basel – wirbt die Initiative für die Einführung einer gesetzlichen Gehaltsbremse. Quelle: dpa

Mit solchen Plakaten – wie hier am Hauptbahnhof in Basel – wirbt die Initiative für die Einführung einer gesetzlichen Gehaltsbremse.

(Foto: dpa)

Zürich„1:12“ lautet die knackige Forderung, die derzeit überall in den Innenstädten von Zürich, Luzern, Bern auf Plakaten prangt. Nach der Initiative der Schweizer Jung-Sozialisten soll niemand in einem Unternehmen mehr als das Zwölffache verdienen dürfen, was der am schlechtesten Bezahlte bekommt. An diesem Sonntag stimmen die Eidgenossen über diese Verfassungsregel ab – sie würde die Lohnfestsetzung in weltweit einmaliger Weise ändern.

Schon im Frühjahr hat eine Volksabstimmung weltweite Strahlkraft entwickelt: Im März nahmen die Schweizer mit zwei Drittel Mehrheit die so genannte „Abzocker-Initiative“ an, der zufolge die Managerlöhne künftig zwingend von den Aktionären auf der Hauptversammlung genehmigt werden müssen.

Selbst die deutsche Bundesregierung ließ sich von der Abzocker-Initiative inspirieren und legte einen Gesetzesentwurf vor, dem zufolge ebenfalls künftig die Aktionäre zwingend über die Vergütung abstimmen sollen. Zunächst stoppten die Sozialdemokraten das Vorhaben im Bundesrat; jetzt haben sie eine Kehrtwende vollzogen und wollen das Vorhaben in der Großen Koalition wieder beleben.

Den Schweizer Jungsozialisten reicht die Aktionärsabstimmung aber nicht. „Uns geht es um echte Demokratie, und nicht um Aktionärsdemokratie“, sagt Marco Kistler, der bei den Jungsozialisten die 1:12-Initiative mit aus der Taufe gehoben hat.

Mitte November in Meilen, einem Vorort Zürichs an der Goldküste. Draußen flirtet das Thermometer mit der Null-Linie. Drinnen in der Schulaula erhitzen sich die Gemüter. An einem Montagabend sind rund 60 Bürger ins Schulzentrum gekommen, um mit Heinz Karrer, dem Präsidenten des Wirtschaftsverbandes Economiesuisse, und 1:12-Erfinder Marco Kistler über den Lohndeckel zu diskutieren.

„Unsere Initiative ist die demokratische Antwort auf die Abzocker-Löhne“, eröffnet Kistler die Debatte. „Das wäre der Beginn eines staatlichen Lohndiktats“, hält ihm Heinz Karrer von Economiesuisse entgegen. Der Ton ist freundlich, jeder lässt den anderen ausreden, doch in der Sache schenken sich die Kontrahenten nichts.

„Sie wollen die Marktwirtschaft abschaffen“
Seite 1234Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Initiative 1:12 in der Schweiz - Staatlicher Deckel gegen Gehalt-Exzesse

18 Kommentare zu "Initiative 1:12 in der Schweiz: Staatlicher Deckel gegen Gehalt-Exzesse"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • manager sind auch nur angestellte
    wenn auch "wichtige"
    sie sollten auf keinen fall über ihr gehalt selbst bestimmen können
    ob 1:12 richtig ist weis ich nicht
    es würde aber die kraft des managers in richtige bahnen lenken
    die nicht nur das wohl und wehe der firma, sondern auch das der übrigen angestellten, die sich für die firma genauso "aufopfern" ins blickfeld bekommen.
    die mindestlohndebatte wäre nur noch bei abzockern notwendig

  • Ich glaube, es war in der Zeit, als Gerhard Schröder Vorsitzender der Jungsozialisten war. Damals forderten die Jusos, dass niemand mehr als 5000,- DM verdienen dürfe. Ich denke, mit Blick auf die Gehaltsentwicklung der letzten 40 Jahre braucht man über Weitsicht dieser Forderung eigentlich nichts mehr zu sagen. Alle, die Hurra schreien, wenn es an die Einkommen anderer geht, halten ihr eigenes Einkommen nicht für zu hoch, allenfalls für zu niedrig bemessen. Ein Aufschrei der Empörung ginge durch ihre Reihen, wenn andere ihr Gehalt kürzen wollten. Ich kann all den kleinen Neidern nur raten, bewerbt euch doch um solche Positionen, die eurer Meinung nach zu hoch bezahlt sind. Werdet doch Beamte, wenn die angeblich auf finanziellen Rosen gebettet sind. Man kann Demokratie auch übertreiben. Nicht alle Streitfragen können einer Mehrheitsentscheidung zugeführt werden. Und das ist prinzipiell das Problematische an Volksentscheiden. Es gab Zeiten, da nannte man das "gesundes Volksempfinden". Es kann und darf nicht sein, das die Mehrheiten den Minderheiten bis in den Privatbereich alles diktieren. Schon heute ist es in Deutschland doch so, dass die Mehrheit die Kapelle (z.B. Sozialleistungen) bestellt und die Minderheit (Besserverdienende) dazu verdonnert wird, gefälligst die Gage zu löhnen, ohne dass sie an der Partie teilnehmen dürfen. Niemand käme (noch nicht) auf die Idee, im Operationssaal mit Mehrheit der OP-Schwesterm dem Gehirnchirurgen vorzuschreiben, wo er das Skalpell anzusetzen hat. Niemand käme auf die Idee, die Monteure darüber abstimmen zu lassen, wie der Entwicklungsingenieur ein schwieriges technisches Problem lösen soll. Aber alle glauben, die volkswirtschaftlichen Auswirkungen eines Lohn-und Gehaltsdiktats überschauen und damit auch darüber abstimmen zu können. Gott bewahre uns vor Demokraten, die eigentich nur kleine Diktatoren sein wollen!

  • Wenn die Initiatoren wirklich einen Deckel für Saläre etablieren möchten, darf man nicht 1:12 an die Angelegenheit herangehen. 1:30 wäre realistischer und würde vielleicht sogar beschlossen werden. Aber 1:12 ist einfach unrealistisch niedrig.

    Vielleicht ist die Initiative aber auch von Saboteuren unterwandert worden. Die haben denen dann den Floh mit 1:12 ins Ohr gesetzt.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Es gibt nur eine Regel:

    der Eigentümer bestimmt, wie er seinen Gewinn verteilt.

    Der Steuerzahler sollte deshalb bestimmen, wie hoch das Gehalt und die Pensionen der inkompetenten Politischen Kaste sein soll, insbesondere, wenn sie Milliarden an Steuergeldern verschwenden.

    Diese Drohnen bestimmen nämlich selbst über ihr üppiges Gehalt, der Beamte erhält schon nach 4 Jahren 1.400 Euro Pension.

    So sieht es aus.

    Den Neid beim Michel zu schüren, der natürlich immer ein offenes Ohr dafür hat, ist demokratieschädlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Die Herren Kramer und Hundt (beide bekannt durch den BDA) sollten mal überlegen, ob ein gesetzlicher Mindestlohn nicht auch von Vorteil sein kann. Der müsste allerdings, damit die Herren ihr Gehaltsniveau beibehalten können, in der BRD dann deutlich höher als bisher nur angedacht festgelegt werden. Unter diesem Gesichtspunkt werden die Herren den Fall wohl noch mal neu durchdenken. Auch ihnen ist das Hemd näher.... .
    Volksabstimmungen in der BRD werden höchste Zeit!

  • Vielleicht möchten diejenigen, die von Verantwortungslosigkeit der Wirtschaft reden, dieselben Kriterien auf uner Politikpersonal übertragen. Wer haftet denn da ?

  • Wen in irgendeinem Land der Welt geht es etwas an, was ich als Eigentümer eines Unternehmens meinem leitenden Personal bezahle ?? Wenn man unter der überschrift "Demokratie" damit offensichtliche Reglementierung privater Vertragsverhältnisse betreiben möchte, soll man das doch bitte sagen.

  • Das haben wir gesehen, wie die Manager die Verantwortung tragen. Wieviele wurden im Rahmen der wirtsch. Krise noch mal gerichtlich belangt und verurteilt? Plus Minus 0? Kommt das hin? Ach ne..den Postchef haben sie medienwirksam verhaften lassen. Macht aber nichts seine 20 mill. Eur hat er trotzdem bekommen. Wenn Sie glauben ein Manager oder ein Vorstand würde Verantwortung tragen, so haben Sie recht. Nur haften diese für nichts. Clever, nicht?

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%