Initiative gemeinsam mit Spanien gegen Drogenhandel
Marokko will illegale Auswanderung bremsen

Nordafrikanische Emigranten ohne Einreiseerlaubnis werden es in Zukunft schwerer haben, mit Booten nach Spanien überzusetzen. Die marokkanische Regierung hat mit dem europäischen Nachbarn gemeinsame Patrouillen im Mittelmeer und vor der Straße von Gibraltar vereinbart.

scm MADRID/RABAT. Das gaben Vertreter beider Regierungen jetzt bekannt. Die Patrouillen sollen die im Februar gestarteten Kontrollen vor den Kanarischen Inseln und der Westsaharaküste ergänzen. Marokko wird zudem mit Hilfe der EU seine Grenzsicherung modernisieren. Außerdem wollen Frankreich, Marokko und Spanien die Zusammenarbeit der Geheimdienste gegen Menschenhandel und Terrorismus ausbauen.

Die Sicherheitsdienste hätten bisher schlecht zusammen gearbeitet, daher sei eine engere Kooperation „dringend notwendig“, sagte Mohamed El-Fatah Naciri, Chef des Büros der Arabischen Liga in Madrid. Dagegen kritisiert die Ministerin für Angelegenheiten der Marokkaner im Ausland, Nouzha Chekrouni, die Maßnahmen. „Das allein reicht nicht aus“, sagte sie dem Handelsblatt. Spanien, das die meisten Auswanderer aus Marokko anziehe, müsse auch die Nachfrage nach illegalen Arbeitskräften stoppen. Beim Bau und der Landwirtschaft beschäftige Spanien Tausende von Immigranten ohne Papiere. Es gäbe zu wenig Kontrollen bei spanischen Unternehmen.

Marokkaner machen zusammen mit den Ecuadorianern und Kolumbianern die stärkste Gruppe der 2,7 Millionen Ausländer in Spanien aus. Es wird geschätzt, dass rund 500 000 von ihnen keine Aufenthaltsgenehmigung haben – eine fatale Entwicklung, „denn wir wissen, dass mit der illegalen Auswanderung verstärkt Menschenhandel, Drogen und Waffenschiebereien einhergehen“, sagt Ministerin Chekrouni. Gerade der Drogenhandel zwischen den beiden Ländern floriert. Marokko ist weltweit der größte Haschisch-Produzent. Der beliebteste Umschlagplatz dafür ist Spanien. Die Südeuropäer sind zurzeit aber auch die größten Konsumenten von Drogen in Europa. Zudem wird das Land mit Kokain überschwemmt, vor allem aus Kolumbien. Die Mehrheit der 16 000 ausländischen Gefangenen in Spanien kommen genau aus diesen beiden Ländern.

Nach Meinung von Chekrouni kann der Immigrantenzuzug aus Nordafrika letztlich nur gestoppt werden, wenn Europa mehr in Marokko investiert: „Wenn hier vor Ort Arbeitsplätze geschaffen werden, dann müssen die Menschen nicht ihr Leben riskieren, um mit Booten nach Spanien überzusetzen.“ Der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero hat Marokko soeben 17 Millionen Euro Entwicklungshilfe zugesagt. Auch die spanischen Firmen entdecken das Land. Die iberischen Direktinvestitionen, die bisher verschwindend gering waren, haben in 2004 stark zugenommen.

Allerdings dürfe Migration nicht grundsätzlich verteufelt werden, betont Chekroun: „Über Jahrhunderte hat Europa wirtschaftlich und gesellschaftlich davon profitiert.“ Marokko tut das immer noch. Das Geld, das die Immigranten vom Ausland in die Heimat schicken, macht dort inzwischen zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukt aus.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%