Innenstaatssekretär warnt vor neuer Terror-Offensive
Erste Spuren führen nach Pakistan

Der mutmaßliche Plan für die in London vereitelten Anschläge auf Transatlantikflüge hat ganz offenbar globale Dimensionen: Erste Spuren führen nach Pakistan. Nach mehreren Verdächtigen wird auf der britischen Insel angeblich noch fieberhaft gefahndet. Angeblich planten die Täter in den kommenden zwei Tagen einen Probelauf, die tatsächlichen Anschläge sollten kurze Zeit später folgen. US-Präsident Bush sieht derweil in den Vorfällen einen weiteren Beweis dafür, dass sich die USA „mit islamistischen Faschisten im Krieg befinden". Das Bundesinnenministerium warnte nach den vereitelten Anschlägen auf britische Transatlantikflüge vor einer wachsenden Gefahr durch internationalen Terrorismus.

HB LONDON/ISLAMABAD/PARIS/WASHINGTON. Der pakistanische Geheimdienst hat die britischen Behörden bei der Vereitelung der geplanten Terroranschläge unterstützt. „Pakistan hat eine sehr bedeutende Rolle bei Aufdeckung und Zerschlagung dieses internationalen terroristischen Netzwerks gespielt“, sagte eine Sprecherin des Außenministeriums in Islamabad am Donnerstag. Es habe in Pakistan auch einige Festnahmen gegeben, die mit denen in Großbritannien koordiniert gewesen seien. Einzelheiten dazu nannte sie nicht. Auch welche Staatsangehörigkeit die dortigen Verdächtigen haben, sagte die Sprecherin nicht. Nach inoffiziellen Angaben gab es in den vergangen Tagen zwei oder drei Festnahmen. Sie betonte indes, die Festgenommenen in Großbritannien seien allesamt Briten.

Ein Geheimdienstmitarbeiter erklärte, nahe der afghanisch-pakistanischen Grenze sei vor einigen Wochen ein Extremist festgenommen worden, der Hinweise auf den Terrorplan in Großbritannien geliefert habe. Einige der in Großbritannien inhaftierten Terrorverdächtigen hätten Verbindungen zur Al Kaida.

Zuvor hatte bereits der französische Innenminister Nikolas Sarkozy erklärt, es stünden mehrere Menschen „pakistanischer Herkunft“ unter Verdacht für die Anschlagsversuche verantwortlich zu sein. Sarkozy äußerte sich nach einer Dringlichkeitssitzung mit Premierminister Dominique de Villepin in Paris. Die französische Regierung stehe mit London in engstem Kontakt, sagte der Innenminister, ohne weitere Details über die Verdächtigen zu nennen.

Ersten Erkenntnissen zufolge weist dagegen keinerlei Spur nach Deutschland. Dies hätten die britischen Behörden mitgeteilt, sagte Innen-Staatssekretär August Hanning am Donnerstag in Berlin. Die Anschläge vom 11. September 2001 in New York waren zum Teil aus Deutschland vorbereitet worden.

Terrorverdächtige waren dem Abflug „sehr nahe“

Der Chef der Anti-Terror-Einheit der Londoner Polizei, Peter Clarke, erklärte, gegen die Verdächtigen sei seit Monaten ermittelt worden. „Der mutmaßliche Plan hat globale Dimensionen“, sagte er. Die Polizei durchsuchte Gebäude im Großraum London sowie in Birmingham. Sie nahm bei dem massiven Anti-Terror-Einsatz 21 Verdächtige fest. Scotland Yard sprach von Plänen für einen „Massenmord von unvorstellbarem Ausmaß“. Die Verdächtigen kamen laut Polizei aus Großbritannien, obwohl zunächst unklar war, ob sie alle britische Staatsbürger sind.

Der britische Innenminister John Reid erklärte, Terroristen hätten geplant, mehrere Flugzeuge durch Explosionen zum Absturz zu bringen. Die Polizei zeigte sich zuversichtlich, die Hauptverdächtigen des Komplotts gefasst zu haben. An dem Terrorplan seien bis zu 50 Menschen beteiligt gewesen, hieß es. Sie hätten noch nicht in den Flugzeugen gesessen, seien dem Abflug aber sehr nahe gekommen.

Aus Geheimdienstkreisen in Washington verlautete, die Attentäter hatten in den kommenden zwei Tagen einen Probelauf geplant. Die tatsächlichen Anschläge auf zehn Flugzeuge auf dem Weg in die USA sollten dann binnen weniger Tage folgen. Die Täter hätten geplant, eine Peroxid-Lösung zu verwenden, die etwa durch Kamerablitze entzündet werden könnte.

Bei dem Probelauf wollten die Attentäter den Angaben zufolge testen, ob es ihnen gelänge, die benötigten Materialien an Bord von Flugzeugen zu schmuggeln. Zuvor verlautete aus US-Sicherheitskreisen, die Anschläge hätten sich gegen Maschinen auf dem Weg in die Sommerurlaubsziele New York, Washington und Kalifornien richten sollen.

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