Inoffizielles Ergebnis
Morales gewinnt Wahlen in Bolivien

Evo Morales lässt sich bereits feiern: Bei der Wahl am Sonntag hat sich der Staatschef eine dritte Amtszeit gesichert. Sogar in der Oppositionshochburg holte sich Morales den Sieg, sein Konkurrent gibt sich geschlagen.
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El AltoBei den Wahlen in Bolivien hat sich Amtsinhaber Evo Morales laut inoffiziellen Ergebnissen klar durchgesetzt und sich damit eine dritte Amtszeit gesichert. Auf den 55-Jährigen seien 60 Prozent der Stimmen entfallen, berichtete der Sender ATB unter Berufung auf das Umfrageinstitut Ipsos.

Sein ärgster Herausforderer, der Zement- und Schnellimbiss-Magnat Samuel Doria Medina, kam demnach auf 25,3 Prozent. Dieser räumte schon am Sonntagabend seine Niederlage ein und versprach, auch weiterhin auf bessere Verhältnisse in Bolivien hinarbeiten zu wollen.

Die Anhänger Morales' rannten auf die Straßen der Hauptstadt La Paz, um ihren Staatschef zu feiern. Dieser wandte sich vom Balkon des Präsidentenpalasts an die Menge. Seinen Sieg widme er dem früheren kubanischen Präsidenten Fidel Castro und dem verstorbenen Staatschef Venezuelas, Hugo Chávez.

„Es ist ein Triumph der Antikolonialisten und Antiimperialisten“, erklärte Morales. „Wir werden weiter wachsen und den Prozess der wirtschaftlichen Befreiung fortsetzen.“

Wie Ipsos nach Auszählung von 97 Prozent der Stimmen mitteilte, holte Morales in acht der neun Bundesstaaten Boliviens den Sieg, darunter in der einstigen Oppositionshochburg Santa Cruz. Dort erreichte er demnach 51 Prozent. Zur Wahl standen am Sonntag alle Sitze im 36 Mitglieder umfassenden Senat und im 130 Mitglieder starken Unterhaus.

Morales regiert das südamerikanische Land seit 2006. Derzeit sind eigentlich nur zwei fünfjährige Amtszeiten als Präsident möglich. Ein Gericht urteilte vergangenes Jahr jedoch, dass er für eine weitere Amtszeit kandidieren könne, da seine erste vor einer Verfassungsänderung stattgefunden habe.

Der erste indigene Staatschef Boliviens ist unter seinen Landsleuten äußerst populär – nicht zuletzt wegen seiner pragmatischen Wirtschaftspolitik: Den Rohstoffreichtum des Landes leitete er in Subventionen für Schulkinder und Pensionen für die älteren Bürger um. Eine halbe Million Bolivianer haben den Weg aus der Armut geschafft.

Seit Morales' Amtsantritt hat ein Boom bei den Rohstoffpreisen dazu geführt, dass die Exporteinnahmen um das Neunfache anstiegen. Das Land hat zudem 15,5 Milliarden Dollar an internationalen Reserven angehäuft. Und das Wirtschaftswachstum lag mit durchschnittlich fünf Prozent pro Jahr deutlich über dem regionalen Durchschnitt.

Morales schlägt seit langem Kapital aus seinen Ursprüngen, seiner anti-imperialistischen Rhetorik und der immer festeren Kontrolle über staatliche Institutionen, die seine Partei Movimiento al Socialismo (MAS) vorangetrieben hat. Bestätigt sich das inoffizielle Ergebnis, hätte Morales jedoch sein Wahlziel verfehlt. So wollte er seine Bestmarke von 64 Prozent bei der letzten Abstimmung 2009 übertreffen.

Zudem gehe es ihm darum, die Zwei-Drittel-Mehrheit in Senat und Unterhaus aufrechtzuerhalten, sagte der Politikwissenschaftler Marcelo Silva von der Universidad Mayor de San Andrés in La Paz. Wenn ihm dies gelingt, könnte Morales die Verfassung so ändern, dass er beliebig oft wiedergewählt werden kann.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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