Insel-Staat unter Druck: „Irland ist kein zweites Griechenland“

Insel-Staat unter Druck
„Irland ist kein zweites Griechenland“

Irlands Finanzminister Brian Lenihan wieder einmal einen kleinen Sieg errungen. Trotz aller Hysterie im Vorfeld kauften die Anleger der irischen Regierung am Ende doch ohne größere Probleme Staatsanleihen im Wert von 1,5 Mrd. Euro ab. Zu Recht, meint ein führender Ökonom.
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dne/mm DÜSSELDORF/LONDON. Aber Irlands Finanzminister weiß genau, dass er damit nur ein Rückzugsgefecht für sich entschieden hat: Viele Investoren fürchten immer noch, dass die krisengeplagte Insel am Ende als erster Kandidat unter den Schutzschirm der EU schlüpfen muss.

"Irland ist jedoch kein zweites Griechenland", meint Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater im Gespräch mit Handelsblatt Online. "Eine höhere internationale Wettbewerbsfähigkeit, effektivere Rahmenbedingungen und Steuerregeln sowie wirtschaftspolitische Flexibilität werden Irland im Vergleich zum griechischen Problemfall wahrscheinlich schneller auf die Beine helfen", glaub er. "Sollte zwischenzeitlich die Europäische Stabilitätsfazilität stützen müssen, dann sollte es Irland möglich sein, das Vertrauen der Märkte bald wieder zurückzugewinnen."

Kater wies in diesem Zusammenhang auf die Besonderheit hin, die die Größe des irischen Bankensektors relativ zur Volkswirtschaft dazu führe, dass jede zusätzlichen Abschreibung im Bankenbereich, die auch in anderen Ländern vorkommt, geich jeweils mehrere Prozentpunkte des irischen Bruttoinlandsprdukt ausmachen." Irland ist von einer sehr moderaten Verschuldung aus in die Finanzkrise gestartet, aber dieser Puffer ist aufgebraucht", sagte er.

Das wieß auch der Finanzminister des Landes. Doch Lenihan hat in seinen zwei Jahren als Minister gelernt, permanent am Rand der Katastrophe zu leben. Seit 2007 die gigantische Immobilienblase platzte, brach die Wirtschaftsleistung um zwölf Prozent ein, die Arbeitslosigkeit schnellte auf 13 Prozent, und das Loch im Staatshaushalt wird wohl auf über 20 Prozent anschwellen.

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  • Zweites Griechenland? Man fragt sich welches bild stets vermittelt wird! Der Klassizismus war gerne "Griechenland" ob an Spree-Athen oder isar-Athen, wo das Land der Griechen mit der Seele gesucht wurde, oder Goethe der Gedichte aus dem Neugriechischen übersetzte. Für mich ist Griechenland: inseln, Olivenhaine, griechisches Essen, griechischer Wein etc. und nicht zuletzt die Sprache als Altgriechisch in der Form meiner humanistischen bildung. Wer mit Griechenland jedes Finanzloch gleichsetzt hat ein sehr armes Weltbild.

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