Insgesamt 16 Tote, viele Verletzte
Selbstmordattentat bei Rockkonzert in Moskau

Bei einem Bombenanschlag auf ein Freiluft- Rockkonzert in Moskau haben zwei Selbstmord-Attentäterinnen 14 Menschen getötet. Eine Terroristin, offenbar eine Tschetschenin, sprengte sich an einer Konzertkasse in die Luft. Insgesamt 46 Menschen wurden mit zum Teil schwersten Verletzungen in Krankenhäuser gebracht.

HB/dpa MOSKAU. Zum Zeitpunkt des Anschlages hielten sich etwa 20 000 zumeist jugendliche Musikfans auf dem Moskauer Flugfeld Tuschino auf. Aus Angst vor einer Massenpanik wurden die ahnungslosen Besucher nicht informiert. Das Konzert ging weiter. Nach Polizeiangaben wollten sich die Täterinnen ursprünglich im Publikum in die Luft sprengen. Bereits im Oktober hatte eine Geiselnahme tschetschenischer Terroristen in einem Moskauer Theater insgesamt 170 Menschenleben gefordert.

Bei dem Rockkonzert wurde ein noch größeres Blutbad verhindert, weil die Frauen noch am Eingang zum Konzert bei einer Kontrolle aufgehalten wurden. Beide Sprengsätze detonierten am Rande des riesigen Freigeländes einige hundert Meter von der Konzertbühne entfernt. Nach Angaben von Innenminister Boris Gryslow kamen bei den Anschlägen 14 Konzertbesucher sowie die beiden Terroristinnen ums Leben. Unter den Toten sei auch ein Jugendlicher, der im Krankenhaus starb. Ärzte und Polizei hatten zunächst von 20 Toten gesprochen. Die meisten Opfer sollen zwischen 16 und 25 Jahre alt sein, auch einige Kinder seien unter den Toten. Ärzte berichteten von abgerissenen Körperteilen am Tatort. Präsident Wladimir Putin, selbst Vater zweier Töchter im Alter der Opfer, sprach den Angehörigen der Toten sein Beileid aus.

Nach Augenzeugenberichten brach unter den Zuschauern keine Panik aus. „Wir sahen 15 Menschen am Boden liegen. Ein verletztes Mädchen rannte umher und weinte“, berichteten zwei junge Männer dem Fernsehsender ORT. Die Polizei fand nach eigenen Angaben am Tatort einen Pass, der eine der Täterinnen als 20-jährige Tschetschenin auswies. Die russischen Medien hatten zunächst berichtet, eine der Terroristinnen habe den Anschlag überlebt, weil ihr Sprengstoff nicht vollständig detonierte. Dies wurde aber später von Moskaus Bürgermeister Juri Luschkow dementiert.

Im vergangenen Oktober hatten tschetschenische Terroristen den blutigen Konflikt um ihre von Russland abtrünnige Heimat nach Moskau getragen. 41 Kriminelle, darunter auch Frauen, überfielen das Musicaltheater „Nordost“ und brachten mehr als 800 Menschen in ihre Gewalt. Nach dreitägigem Geiseldrama stürmte die Polizei das Gebäude. Dabei starben 129 Geiseln und alle Terroristen. In den vergangenen zwölf Monaten kamen im Nordkaukasus Hunderte von Menschen bei Selbstmord-Anschlägen ums Leben.

Der jüngste Terrorakt bedeutet einen schweren Rückschlag für die Tschetschenien-Politik von Präsident Wladimir Putin. Noch am Vortag hatte Putin den Termin für die umstrittene Wahl eines tschetschenischen Präsidenten auf den 5. Oktober gelegt. Kritiker werfen dem Kreml vor, bei den Verhandlungen um einen Frieden in Tschetschenien die Freischärler auszuschließen. Eine gewaltbereite Minderheit will die Ablösung von Russland mit allen Mitteln erzwingen.

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