Insider-Warnungen

Zyprische Firmen sollen 700 Millionen Euro abgezogen haben

136 zyprische Unternehmen werden verdächtigt, nach Insider-Warnungen hohe Summen ins Ausland geschafft zu haben. Auch die Firma eines Schwiegersohns des Präsidenten ist angeblich dabei. Dieser spricht von Diffamierung.
Update: 01.04.2013 - 19:53 Uhr 42 Kommentare
Ein Kunde hebt Geld an einem Automaten der Bank of Cyprus in Nikosia ab. Quelle: dpa

Ein Kunde hebt Geld an einem Automaten der Bank of Cyprus in Nikosia ab.

(Foto: dpa)

NikosiaDie zyprische Staatsanwaltschaft prüft Berichte, wonach Unternehmen nach Insider-Warnungen vor Zwangsabgaben auf Bankeinlagen rechtzeitig hohe Summen ins Ausland schafften. Es gehe um Gelder in Höhe von rund 700 Millionen Euro. Griechische Medien berichteten von 136 Firmen. Unter ihnen soll nach einem unbestätigten Bericht der zyprischen kommunistischen Oppositionszeitung „Charavgi“ auch die Familie eines Schwiegersohns von Staatspräsident Nikos Anastasiades sein. Die Firma A. Loutsios and Sons Ltd. soll 21 Millionen Euro nach Großbritannien wenige Tage vor der Schließung der Banken Zyperns überwiesen haben. Präsident Anastasiades sprach von dem Versuch, ihn zu diffamieren.

Das Unternehmen bestätigte die Überweisung, es dementierte aber, dass es Informationen aus dem Präsidentenamt erhalten habe. Die Firma habe im Rahmen ihrer normalen Tätigkeit das Geld überwiesen. Damit sollten zwei Immobilien in Griechenland sowie ein Haus auf Zypern gekauft werden, das dem griechischen Staat gehört. Das Unternehmen habe weiterhin mehrere Millionen Euro auf seinen Konten bei zyprischen Banken gelassen und dadurch – wie viele andere Zyprer – hohe Verluste erlitten. Dies beweise, dass die Firma keine Informationen hatte, hieß es unter anderem in einer Erklärung des Unternehmens.

Präsident Anastasiades sagte, es handele sich um einen Versuch der Opposition, ihn zu verleumden. Er kündigte gleichzeitig an, es werde Untersuchungen geben. Niemand solle verschont werden.

Nach Einschätzung von Analysten deuten die Aktivitäten vieler Unternehmen auf Insider-Informationen hin. Dies sei aber nicht weiter verwunderlich. In den Wochen vor der Entscheidung der Eurogruppe hatte es wiederholt Erklärungen von einflussreichen EU-Politikern gegeben, die von einer Einbeziehung der Bankkunden für die Rettung der Banken sprachen.

In Unternehmerkreisen sei das längst ein allen bekanntes Geheimnis gewesen. „Die Alarmglocken läuteten schon lange in den Büros der Reedereien in der Hafenstadt Limassol. Zudem wird es sehr schwierig sein, Beweise für alle diese Gerüchte zu finden“, sagte der Leiter einer der größten Rechtsanwaltkanzleien der Insel am Montag der Nachrichtenagentur dpa.

Mehr Zeit für die Sparziele
Seite 1234Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Insider-Warnungen - Zyprische Firmen sollen 700 Millionen Euro abgezogen haben

42 Kommentare zu "Insider-Warnungen: Zyprische Firmen sollen 700 Millionen Euro abgezogen haben"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wem gehört die Zyprische Staatsanwaltschaft? Natürlich den
    regierenden Parteien und so ermitteln die Täter gegen sich selber und der Präsident und Unternehmer werden entlastet. Immer wieder ob bei Geld oder Aktien wird bei Gefahr durch Insider Warnungen ausgesprochen. Ein durchaus im Tierreich
    zu beobachtendes Phänomen also naturbedingt und nicht strafbar.

  • @milo: Kontoinhaber waren schon immer Investoren sprich Gläubiger der Bank. Anders sieht es bei Depots aus. Bei einem Depot verwaltet die Bank nur Wertpapiere für Sie und Sie bleiben immer der Eigentümer, selbst bei einer Insolvenz. Es ist erschreckend wie wenig Wissen über solch grundlegende Fragen der Wirtschaft vorhanden sind. Bei jedem Autokauf informieren sich die Laute offenbar besser als bei der Geldanlage.

  • Die gleichen Politiker bzw. politischen Parteien, die zur Zeit der Aufnahmeverhandlungen an dem Geschaeftsmodell der zyprischen Banken nichts auszusetzen hatten, dies aber heute verdammen, verkennend, die Geschaeftsmodelle sind nicht so unterschiedlich. es geht nicht um das Geschaeftsmodell, es geht darum zu testen, wie weit kann gegangen werden mit dem Zugriff auf die Gelder der Normalbuerger um das Eurodesaster langfristig zu finanzieren ohne das der Bankensektor zahlen muss. Zypern ist nicht Eurosystemrelevant, auch deren Banken nicht, also kann es mal austesten ohne zu grossen Schaden anzurichten, Zypern ist ein Versuchslabor.

  • Wer ist denn dafür verantwortlich, daß die in die EU aufgenommen wurden?

  • Wenn ich richtig gelesen habe : Grossanleger mit mehr als
    100000 Euro verlieren 37,5 % direkt durch Zwangsumtausch in "Aktien" , 40 % werden 6 Monate lang blockiert (und danach ?) und 22,5 % werden 3 Monate lang zurückgehalten, und möglich- erweise noch kassiert. Das bedeutet man kommt nun 3 Monate an überhaupt kein Geld ran jenseits der 100000 €. Also können in Zypern legal für 1/4 Jahr
    keine wirtschaftlich relevanten Geschäftsaktivitäten
    unternommen werden. Das bedeutet man treibt die nominell-kreativen und -produktiven Menschen in die Illegalität oder in das Ausland. Na, das wäre ja ein Wunder wenn dort
    wirtschaftlich noch etwas geht ... . Z. B. der Verkauf
    eines Hauses (welches noch nicht abbruchreif ist) ist
    unter nur 2 Zyprern quasi unmöglich ! ? !

  • Seit wann sind Kontoinhaber Investoren? Sie sind Zwangsinvestoren bestenfalls, denn ohne Konto kann man am gesellschaftlichen Leben kaum teilnehmen. Die allgemeinen Geschaeftsbedingungen sind die Grundlage, also etwas was sicher nicht den Begriff Investoren rechtfertigt. Wenn man investieren will, dann werden Nutzen und Risiken klar ausgewiesen, der Investor hat eine Entscheidungsfreiheit. Das alles gilt fuer Kontoeinlagen nicht. Rechtlich also zumindest zweifelhaft, denn es ist keine freiwillige Entscheidung, dem Einleger ist nicht sichtbar, welche Risiken die Bank eingeht. Deutsche Bank, gutes Beispiel, wohl kein Investor wuerde wissentlich all die Schweinereien der DB gutgeheissen haben, wenn sie schiefgehen, soll er trotzdem haften, also auch fuer kriminelle Machenschaften? Rechtlich sehr zweifelhaft.Seit wann sind 100,000Euro ein Vermoegen? 40 Jahre gearbeitet, die eine oder andere Lebensversicherung, es gibt sicher etliche Rentnerpaare, die diese 100,000 Euro haben und auch brauchen, um ihre durch den Euro entwertete Rente zu subventionieren um einen einigermassen angemessenen Lebensstandard zu halten. Wie weit reichen 100,000 Euro fuer den Aufenthalt in einem deutschen Pflegeheim, fuer ein Ehepaar? Hier soll auch noch der letzte Rest des sogenannten Mittelstandes ausgepleundert werden, denn das, was in Zypern gelaufen ist, ist nur ein Testlauf. Nach der Zwangsenteignung kommt dann der Lastenausgleich auf jedes kleine Haus,damit auch noch der letzte Rest aus dem Buerger herausgequetscht ist. Denn, wie sagt unser 100,000 DM Mann, der Euro ist stark und sicher, und die Erde ist eine Scheibe.

  • Die Verlagerung der Kontenguthaben kurz vor der Enteignung auf Grund von Insiderweissen zeigt auf welch dünnem rechtlichen Fundament die Enteignung als angebliche Gläubigerhaftung steht. Wenn nur willkürlich die enteignet werden, die ihr Kontoguthaben nicht auf andere Banken überwiesen haben, weil sie einfach nicht gewarnt waren, sind das gute Erfolgsaussichten für Klagen auf Gleichbehandlung mit denen, die ihr Geld vorher abgezogen haben. Es dürfte für den Gesetzgeber schwierig sein eindeutig Haftung und Gläubiger rechtlich zu definieren.

  • @margrit117888

    "ich ag doch schon lange, dass erinner so an Göppels-Propaganda"

    Einen echten Klassiker haben Sie da mal wieder gelandet!

  • @pool
    "Im Voraus" und "im Nachhinein".

  • Das ist ja nicht nur in Zypern so. Genau das ist es, warum der Euro abgeschafft werden muss und wird.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%