Insider-Warnungen
Zyprische Firmen sollen 700 Millionen Euro abgezogen haben

136 zyprische Unternehmen werden verdächtigt, nach Insider-Warnungen hohe Summen ins Ausland geschafft zu haben. Auch die Firma eines Schwiegersohns des Präsidenten ist angeblich dabei. Dieser spricht von Diffamierung.
  • 42

NikosiaDie zyprische Staatsanwaltschaft prüft Berichte, wonach Unternehmen nach Insider-Warnungen vor Zwangsabgaben auf Bankeinlagen rechtzeitig hohe Summen ins Ausland schafften. Es gehe um Gelder in Höhe von rund 700 Millionen Euro. Griechische Medien berichteten von 136 Firmen. Unter ihnen soll nach einem unbestätigten Bericht der zyprischen kommunistischen Oppositionszeitung „Charavgi“ auch die Familie eines Schwiegersohns von Staatspräsident Nikos Anastasiades sein. Die Firma A. Loutsios and Sons Ltd. soll 21 Millionen Euro nach Großbritannien wenige Tage vor der Schließung der Banken Zyperns überwiesen haben. Präsident Anastasiades sprach von dem Versuch, ihn zu diffamieren.

Das Unternehmen bestätigte die Überweisung, es dementierte aber, dass es Informationen aus dem Präsidentenamt erhalten habe. Die Firma habe im Rahmen ihrer normalen Tätigkeit das Geld überwiesen. Damit sollten zwei Immobilien in Griechenland sowie ein Haus auf Zypern gekauft werden, das dem griechischen Staat gehört. Das Unternehmen habe weiterhin mehrere Millionen Euro auf seinen Konten bei zyprischen Banken gelassen und dadurch – wie viele andere Zyprer – hohe Verluste erlitten. Dies beweise, dass die Firma keine Informationen hatte, hieß es unter anderem in einer Erklärung des Unternehmens.

Präsident Anastasiades sagte, es handele sich um einen Versuch der Opposition, ihn zu verleumden. Er kündigte gleichzeitig an, es werde Untersuchungen geben. Niemand solle verschont werden.

Nach Einschätzung von Analysten deuten die Aktivitäten vieler Unternehmen auf Insider-Informationen hin. Dies sei aber nicht weiter verwunderlich. In den Wochen vor der Entscheidung der Eurogruppe hatte es wiederholt Erklärungen von einflussreichen EU-Politikern gegeben, die von einer Einbeziehung der Bankkunden für die Rettung der Banken sprachen.

In Unternehmerkreisen sei das längst ein allen bekanntes Geheimnis gewesen. „Die Alarmglocken läuteten schon lange in den Büros der Reedereien in der Hafenstadt Limassol. Zudem wird es sehr schwierig sein, Beweise für alle diese Gerüchte zu finden“, sagte der Leiter einer der größten Rechtsanwaltkanzleien der Insel am Montag der Nachrichtenagentur dpa.

Kommentare zu " Insider-Warnungen: Zyprische Firmen sollen 700 Millionen Euro abgezogen haben"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wem gehört die Zyprische Staatsanwaltschaft? Natürlich den
    regierenden Parteien und so ermitteln die Täter gegen sich selber und der Präsident und Unternehmer werden entlastet. Immer wieder ob bei Geld oder Aktien wird bei Gefahr durch Insider Warnungen ausgesprochen. Ein durchaus im Tierreich
    zu beobachtendes Phänomen also naturbedingt und nicht strafbar.

  • @milo: Kontoinhaber waren schon immer Investoren sprich Gläubiger der Bank. Anders sieht es bei Depots aus. Bei einem Depot verwaltet die Bank nur Wertpapiere für Sie und Sie bleiben immer der Eigentümer, selbst bei einer Insolvenz. Es ist erschreckend wie wenig Wissen über solch grundlegende Fragen der Wirtschaft vorhanden sind. Bei jedem Autokauf informieren sich die Laute offenbar besser als bei der Geldanlage.

  • Die gleichen Politiker bzw. politischen Parteien, die zur Zeit der Aufnahmeverhandlungen an dem Geschaeftsmodell der zyprischen Banken nichts auszusetzen hatten, dies aber heute verdammen, verkennend, die Geschaeftsmodelle sind nicht so unterschiedlich. es geht nicht um das Geschaeftsmodell, es geht darum zu testen, wie weit kann gegangen werden mit dem Zugriff auf die Gelder der Normalbuerger um das Eurodesaster langfristig zu finanzieren ohne das der Bankensektor zahlen muss. Zypern ist nicht Eurosystemrelevant, auch deren Banken nicht, also kann es mal austesten ohne zu grossen Schaden anzurichten, Zypern ist ein Versuchslabor.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%