
Wien/TeheranDie Atomgespräche zwischen dem Iran und der Delegation der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) sind nach Angaben der Organisation erneut gescheitert. Das teilte die IAEA mit Sitz in Wien in der Nacht zum Mittwoch auf ihrer Internetseite mit. IAEA-Chef Yukiya Amano äußerte sich in der Mitteilung enttäuscht über den Verlauf der Gespräche: „Wir sind in einer konstruktiven Haltung herangegangen, aber es wurde keine Einigung erzielt.“
Die Atomenergiebehörde hat die mangelnde Zusammenarbeit des Iran vor Ort beklagt. Nicht nur die offenen Fragen zum iranischen Atomprogramm blieben ungeklärt. Die Inspektoren durften auch nicht den Militärstützpunkt
Parchin besuchen. Dort sind möglicherweise Versuche mit nuklearen Raketensprengköpfen simuliert worden seien. Dabei sei zu vermuten, dass an dem Stützpunkt Sprengstofftests ausgeführt würden, die im Zusammenhang mit Atomwaffen stünden.
In der unterirdischen Fabrik südöstlich von Teheran wird schwach angereichertes Uran produziert. Es wird für die Stromgewinnung, aber in hoch angereicherter Form auch für Atomwaffen benötigt. Für den Bau einer Atombombe müsste Uran auf 80 Prozent und mehr angereichert werden.
2009 gab Teheran die Existenz einer weiteren, lange geheim gehaltenen Anreicherungsanlage südlich von Teheran zu, die noch nicht in Betrieb ist. Die Fabrik in einem Tunnelsystem auf einem früheren Militärgelände nahe der Schiiten-Hochburg Ghom bietet Platz für 3000 Zentrifugen zur Urananreicherung.
Nach der islamischen Revolution von 1979 zog sich die deutsche Kraftwerk Union (KWU) aus dem Projekt zurück. Später stiegen die Russen in Buschehr ein. In den beiden Atomreaktoren im Südwesten des Landes wurden im Oktober 2010 die ersten aus Russland gelieferten Brennelemente geladen - 35 Jahre nach Baubeginn. Im September 2011 ging Irans erstes Atomkraftwerk offiziell in Betrieb.
Im Zentrum der iranischen Kernforschung gibt es eine Anlage zur Produktion von Kernbrennstäben. Auch das in Zentrifugen zur Urananreicherung benötigte Hexafluoridgas wird südlich von Teheran hergestellt.
Den USA ist seit 2002 die Existenz des unfertigen Schwerwasserreaktors im Westen des Landes bekannt. Hier fällt Plutonium an, das für die Bombenproduktion verwendet werden könnte.
Der kleine Leichtwasserreaktor in der Hauptstadt wurde noch zu Zeiten des 1979 gestürzten Schahs mit US-Hilfe gebaut. Er soll Material für medizinische Zwecke produzieren. Dazu benötigt er angereichertes Uran.
Seit den 1990er Jahren arbeitet nahe der Hauptstadt ein Nuklearforschungszentrum, das vor allem medizinischen Zwecken dienen soll.
Das Ziel wäre gewesen, zu klären, ob das iranische Atomprogramm „militärische Dimensionen“ hat. Weiter habe es intensive Bemühungen gegeben, ein Dokument zu erarbeiten, das die Aufklärung ungelöster Themen im Zusammenhang mit Irans Atomprogramm und dessen möglicher militärischer Dimension erleichtert hätte. „Leider wurde über dieses Dokument keine Einigung erzielt“, heißt es in der Erklärung weiter.
Zuvor hatte die iranische Führung den zweitägigen Besuch der IAEA-Delegation noch in ein positives Licht zu rücken versucht. So verlaufe die Zusammenarbeit mit dem UN-Kontrollgremium „bestens“, betonte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Ramin Mehmanparast, am Dienstag. Der Besuch begann am Montag. Es war der zweite innerhalb von weniger als einem Monat.
Der iranische IAEA-Gesandte Ali Asghar Soltanieh erklärte laut der Nachrichtenagentur ISNA, die Gespräche in Teheran seien intensiv gewesen und hätten sich um „Zusammenarbeit und gegenseitiges Verständnis zwischen Iran und der IAEA“ gedreht. Die Gespräche würden fortgesetzt.
Die EU prüft derzeit die Antwort des Iran auf ihr Angebot zur Wiederaufnahme der Atomgespräche zwischen Teheran und den fünf UN-Vetomächten und Deutschland, die im Januar 2011 abgebrochen worden waren.
Grundsätzlich hat Teheran seine Bereitschaft zu erneuten Gesprächen erklärt, zugleich aber den Ton verschärft. Der Westen verdächtigt den Iran, unter dem Deckmantel seines zivilen Atomprogramms am Bau einer Bombe zu arbeiten. Teheran weist dies zurück und beharrt auf dem Recht zur Nutzung der Atomenergie.