Inszenierte Politik
Putins Furcht vor Volkes Nähe

In Russland wächst die paranoide Angst vor dem Fußvolk. Jeder Auftritt von Putin und Medwedjew folgt einem Drehbuch, der Zugang der Medien wird beschränkt. Die politische Elite entfremdet sich von der Gesellschaft.
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MoskauDiesseits der Kreml-Mauer wissen nur wenige Eingeweihte, wie groß die Kreativ-Abteilung der russischen Präsidialverwaltung tatsächlich ist. Doch es bedarf eines Regiments an Regisseuren und Drehbuchautoren, um die Reisen von Regierungschef Wladimir Putin und dessen Präsidenten Dmitrij Medwedjew minuziös vorzubereiten.

In der russischen Politik bleibt nichts dem Zufall überlassen. Egal, ob der Premier auf Baustellen im Fernen Osten reist oder der Präsident das Bolschoi Theater in Moskau besucht – schon Wochen vorher kreuzen die Choreographen der Macht auf, um nach linientreuen Statisten zu fahnden, die später im Staatsfernsehen mit den Spitzenpolitikern auftreten. Die täglichen Inszenierungen bedeuten einen enormen Aufwand: In jeder Nachrichtensendung sind für Putin und Medwedjew pro Tag zumeist zehn Minuten reserviert.

Nun ist die Inszenierung politischen Handelns weder ein neues noch ein spezifisch russisches Phänomen, ja unterm Strich auch nicht illegitim. In Deutschland galt Gerhard Schröder als Medienkanzler, in Russland hat es Premier Putin nach anfänglichen Schwierigkeiten verstanden, sich als patriarchalischen Herrscher zu inszenieren, der vor Kraft strotzt und den Russen nach Krisenjahren Stabilität und Sicherheit garantiert.

Aber nun Putins PR-Apparat plötzlich an zu stottern: Zum einen werden die Drehbücher der russischen Machtchoreographen immer häufiger zerrissen – zu profan wirken die Manipulationsversuche, die dahinter stehen. Zum anderen sind die Inszenierungen längst weniger Kunst als Wahn. Damit geht die Isolation von der Realität mit all ihren Unwägbarkeiten einher: Politik findet in einem klinisch sterilen Umfeld statt, was die Authentizität des politischen Theaters zusätzlich minimiert – und nebenbei Journalisten verprellt, die als Multiplikatoren relevant sind.

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Journalisten sind isoliert

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  • Unser geliebter Kanzler Schröder besuchte das Land Sachsen vor der Wahl Clubhaus Sahsenring mit einen Pulk Wichtigtuer, Herr Rittinghaus veranlasste die Belegschaft daran teilzunehmen. Herr Schröder besuchte ein zweites mal Sachsen Mosel VW - Werk diesmal mit den Hubschrauber, denke mal weil er ahnte das seine Politik fürs Volk auch so empfunden wurde. Nun wissen wir alle was aus Rittinghaus und Schröder geworden ist, man ist das eine Verarsche. Bei Honnecker Reisen musste jeder Revierförster und Metzger seine Waffe zum töten von Tieren abgeben, hat sie nach den besuch wiedererhalten, na so was aber auch.

  • Und wo ist der Unterschied zu den unsrigen Politikerinnen und Politikern? Volksnähe zeigen die doch nur kurz vor den Wahlen damit die weiter abzocken können. Der Volkswille interessiert die doch überhaupt nicht. Siehe Rettungsschirm für die Betrüger in Athen.

  • Merkwürdiger Artikel. BTW, der Keilriemen treibt gewöhnlich den Ventilator an, der wiederum letztendlich nur heisse Luft produziert.

    Wladimir, skaschi menja, odnaschdi kogda bolsche ne budet serjoznih schournalistov, c kem ti budesch sporitsja?

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