Interesse an "Dritter Welt" steigt
Wirtschaft schaltet sich ein

Extreme Armut in Entwicklungsländern kann nur mit unternehmerischer Hilfe bekämpft werden. „Die Millenniumsziele sind ohne Beteiligung der Wirtschaft nicht zu erreichen“, sagt Bernd Schleich, Chef von Inwent, einer Durchführungsgesellschaft des Entwicklungshilfeministeriums (BMZ).

BERLIN. Eine Aufstockung nur der öffentlichen Mittel reiche nicht: Um das Ziel der Vereinten Nationen zu erfüllen, bis 2015 die Zahl der in absoluter Armut lebenden Menschen zu halbieren, sind nach Berechnungen der Weltbank Investitionen allein im Infrastrukturbereich von jährlich sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts des jeweiligen Entwicklungslandes erforderlich. „Dieser Herausforderung kann sich der öffentliche Sektor nicht allein stellen“, heißt es in einem Positionspapier der Arbeitsgemeinschaft Entwicklungspolitik der Deutschen Wirtschaft (AGE), das dem Handelsblatt vorliegt. Das Engagement der Privatwirtschaft sei „für das Erreichen dieser Ziele unentbehrlich“.

Die Wirtschaft ist heute mehr als noch vor wenigen Jahren bereit, sich in Entwicklungs- und Schwellenländern zu engagieren – „weniger aus Gutmenschentum, sondern aus der Erkenntnis heraus, dass man einander braucht“, so AGE-Chef Karl Starzacher. Grund für das Engagement seien unter anderem die gesättigten Märkte in Industriestaaten, sagt Georg Kell, Leiter von UN Global Compact. Global Compact ist ein Netzwerk von Firmen, die sich zur Einhaltung von zehn Prinzipien bei Menschenrechten, Arbeitsnormen, der Korruptionsbekämpfung und im Umweltschutz verpflichtet haben. Kell zufolge gibt es auf internationaler Ebene immer mehr Unternehmen, die zeigten, dass man Armut auch als Gelegenheit für Investitionen ansehen könne: „Das gilt auch für die Länder südlich der Sahara.“

Diese Länder sind die Sorgenkinder der Entwicklungshelfer. Bislang konzentriert sich das Engagement der Wirtschaft vor allem auf Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien. Um unternehmerisches Interesse auch für andere Länder zu wecken, setzt Deutschland vor allem auf Partnerschaften zwischen Staat und Wirtschaft, so genannte PPP-Projekte. Insgesamt konnten so zwischen 1999 und 2004 rund 5,5 Mrd. Euro private und 2,7 Mrd. Euro öffentliche Mittel mobilisiert werden.

Dass viele Länder vor allem in Afrika Probleme mit guter Regierungsführung haben, erweist sich immer wieder als Barriere für Auslandsinvestitionen. Hier ist nach Meinung der Wirtschaft vor allem die öffentliche Entwicklungshilfe gefordert, für Abhilfe zu sorgen. Das müsse Hand in Hand gehen.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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