Interkontinental-Rakete abgefeuert
Nordkoreas Raketentest bedroht die USA

Nach rund vier Wochen Pause hat Nordkorea erneut ein Geschoss abgefeuert. Die Rakete erreichte offenbar Gewässer der japanischen Wirtschaftszone. Nach nordkoreanischen Angaben war es eine Interkontinentalrakete.
  • 10

PjöngjangNordkorea hat nach eigenen Angaben erstmals erfolgreich eine Interkontinentalrakete (ICBM) getestet. Die Rakete des Typs Hwasong-14 habe nach dem Start eine Höhe von 2.802 Kilometern erreicht und sei 933 Kilometer weit geflogen. Das habe das nordkoreanische Staatsfernsehen am Dienstag vermeldet, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap. Der Machthaber Kim Jong Un habe den Start persönlich verfolgt.

Zuvor hatten bereits die südkoreanischen Streitkräfte mitgeteilt, dass das Nachbarland im Westen des Landes eine ballistische Rakete abgefeuert habe, die rund 930 Kilometer in Richtung des Japanischen Meers (koreanisch: Ostmeer) geflogen sei. Südkorea schließe nicht aus, dass es eine Interkontinentalrakete gewesen sein könnte, sagte Präsident Moon Jae In in Seoul bei einem Treffen des Nationalen Sicherheitsrats.

Mit dem Test einer Interkontinentalrakete wäre eine neue Eskalationsstufe im Streit um Nordkoreas Atomprogramm erreicht, der als einer der gefährlichsten Konflikte weltweit gilt. Als Interkontinentalraketen gelten Raketen mit einer Reichweite von mehr als 5.500 Kilometern. Sie werden üblicherweise mit Atomsprengköpfen bewaffnet und folgen nach Verlassen der Erdatmosphäre einer ballistischen Flugbahn.

Das weithin isolierte Nordkorea arbeitet seit Jahren an solchen Raketen, die auch die USA erreichen können. Anchorage in Alaska ist 6.000 Kilometer von Pjöngjang entfernt, Berlin knapp 8.000 Kilometer.

Der jüngste Test wurde auch als Warnsignal an die Regierung in Washington verstanden, der Nordkorea eine feindselige Politik unterstellt. Das bestreitet Washington. US-Präsident Donald Trump hatte mehrfach mit Alleingängen in dem Konflikt gedroht und auch militärische Aktionen nicht ausgeschlossen.

Nach dem jüngsten Test twitterte Trump jedoch, vielleicht werde China Maßnahmen gegen Nordkorea ergreifen, um „diesen Unsinn“ zu beenden. „Hat dieser Typ mit seinem Leben nichts Besseres anzufangen?“, schrieb er am Montagabend (Ortszeit) mit Blick auf Machthaber Kim. Er könne sich zudem nicht vorstellen, dass sich Südkorea und Japan das noch weiter bieten ließen.

Trumps Tweets im Original

Südkorea und Japan verurteilten den jüngsten nordkoreanischen Raketentest als Provokation. UN-Resolutionen verbieten Nordkorea den Test von ballistischen Raketen. Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe kritisierte den Raketenstart scharf. Dieser erinnere daran, dass Pjöngjangs Entwicklung von Flugkörpern eine wachsende Bedrohung seien. Abe sagte, noch am Vortag habe er mit Trump über ihre Zusammenarbeit gegen Nordkorea gesprochen.

China rief zur Zurückhaltung auf. Die UN-Resolutionen hätten die nordkoreanischen Raketentests klar geregelt und China lehne es ab, dass gegen diese Regeln vorgegangen werde, sagt Außenamtssprecher Geng Shuang in Peking. Auch Moskau appellierte an offene Gespräche mit der Führung in Pjöngjang. „Man muss verhandeln, in den Dialog treten und Pjöngjang weniger provozieren, indem man einen Flugzeugträger an seine Grenzen verlegt“, sagte der Duma-Abgeordnete Leonid Sluzki am Dienstag in Moskau.

Am vergangenen Freitag hatten sich Südkoreas Präsident Moon und US-Präsident Trump darauf verständigt, eine härtere Gangart gegenüber Nordkorea zu fahren. Das Zeitalter der strategischen Geduld mit der nordkoreanischen Führung habe nichts gebracht, sagte Trump. „Ehrlich gesagt, diese Geduld ist vorbei.“ Moon bekräftigte nach dem Treffen mit Trump in Washington, dass beide Staaten entschlossen auf Provokationen aus Nordkorea reagieren würden.

Moon hatte nach seiner Amtsübernahme im Mai versucht, die Beziehungen zu Nordkorea zu verbessern, doch das Nachbarland im Norden hat Raketentests seither weiter vorangetrieben. Anfang Juni etwa testete Nordkorea einen neue Rakete, um Kriegsschiffe von potenziellen Feinden anzugreifen. Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA hatte anschließend mitgeteilt, die Raketen hätten schwimmende Ziele im Meer „exakt entdeckt und geschlagen“, nachdem sie „kreisförmige Flüge“ vorgenommen hätten.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Interkontinental-Rakete abgefeuert: Nordkoreas Raketentest bedroht die USA"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die USA bedroht und räubert die ganze Welt. Das ist dem Handelsblatt noch nicht aufgefallen. Seltsame Berichterstattung.

  • Trump : "Er könne sich zudem nicht vorstellen, dass sich Südkorea und Japan das noch weiter bieten ließen."
    ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
    Japan und Südkorea sind keine Atommächte und werden sich das halt "noch weiter bieten lassen müssen".
    Es wurde Saddam Hussein der Besitz von Massenvernichtungswaffen unterstellt und da man wußte, dass er keine hat, wurde er von den USA und den "Willigen" angegriffen.
    Andererseits ist bekannt, dass Nordkorea über A-Waffen verfügt und das Land wird aus diesem Grunde nicht angegriffen werden, man wird verhandeln müssen. Allerdings wird der nordkoreanische Diktator auf die A-Bombe - zur eigenen Sicherheit und das grässliche Ende von Gaddafi vor Augen - niemals verzichten. Es kann somit bei Verhandlungen nur darum gehen, dass Nordkorea auf die Herstellung von Interkontinental-Raketen verzichtet.
    Im übrigen benötigt China die Nordkoreaner, um die USA von der chinesischen Grenze fern zu halten.

  • Das "Sommerloch", dass "Herr" Ebert meint zu erkennen, scheint dann ja das ganze Jahr zu dauern.... jeden Monat mehrere Artikel.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%