International
Nordkorea sieht sich „am Rand eines Krieges“

Das kommunistische Nordkorea hat seinen Konfrontationskurs gegenüber Südkorea verschärft und einseitig alle Abkommen über Aussöhnung und Entspannung für nichtig erklärt. Die innerkoreanischen Beziehungen stünden am „Rand eines Krieges“.

HB SEOUL. Das Komitee für eine Friedliche Wiedervereinigung Koreas bezeichnete am Freitag die Regierung in Seoul als „Verräter“ und warf ihr erneut vor, Spannungen auf der koreanischen Halbinsel zu schüren. Seoul äußerte sein Bedauern wegen der Erklärung und rief die Führung in Pjöngjang zum Dialog auf. Der seit 1992 wirksame Aussöhnungsvertrag zwischen beiden Staaten könne nicht einseitig aufgekündigt werden.

„Erstens, alle Vereinbarungen werden aufgehoben, was die Beendigung der politischen und militärischen Konfrontation zwischen Nord- und Südkorea betrifft“, erklärte das nordkoreanische Komitee. Das gleich gelte für das Abkommen über Aussöhnung, Aggressionsverzicht, Zusammenarbeit und Austausch. Auch die im Anhang zum Abkommen enthaltenen Punkte zur militärischen Grenzlinie zwischen beiden Staaten im Gelben Meer würden annulliert.

Die südkoreanische Regierung sei eine Gruppe von „Verrätern, die bereits alle bestehenden Abkommen zwischen Nord und Süd zu toten Dokumenten reduziert hat.“ Wenige Monate nach einem innerkoreanischen Seegefecht hatte Nordkorea die umstrittene Seegrenzlinie im Gelben Meer bereits im September 1999 für „ungültig“ erklärt.

Mit der Erklärung vom Freitag will Pjöngjang nach Meinung von Beobachtern und Regierungsbeamten den Druck auf Südkorea verstärken und zugleich die Aufmerksamkeit der neuen US-Regierung auf sich lenken. Die Erklärung sei ein Versuch, Aufmerksamkeit von Seoul und Washington zu erheischen, da Nordkoreas „bisheriges Säbelrasseln keine besonderen Reaktionen hervorgerufen hat“, wurde ein hoher Regierungsvertreter in Seoul von der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap zitiert.

Die jüngste Ankündigung aus Nordkorea folgte knapp zwei Wochen nach einer Drohung der nordkoreanischen Volksarmee mit einem militärischen Vergeltungsschlag gegen Südkorea. Zuvor hatte das Außenministerium in Pjöngjang erklärt, Nordkorea werde solange am Besitz von Atomwaffen festhalten, bis es sich nicht mehr durch die USA bedroht fühle.

Nordkorea hatte den Ton gegenüber Südkorea bereits in den vergangenen Monaten erheblich verschärft. Die Beziehungen zwischen beiden Staaten haben sich seit dem Antritt einer konservativen Regierung in Seoul vor gut einem Jahr verschlechtert, die eine härtere Haltung gegenüber Pjöngjang vertritt als die liberale Vorgängerregierung. Wiederholte Dialogangebote Seouls schlug Pjöngjang aus.

Nord- und Südkorea befinden sich völkerrechtlich noch im Kriegszustand, da seit dem Ende des Koreakriegs (1950-1953) kein Friedensvertrag geschlossen worden ist.

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