Internationale Energieagentur in Sorge
Ölproduktion: Yukos-Affäre birgt Risiken

Die Internationale Energieagentur (IEA) hat vor negativen Folgen der Affäre um Russlands größten Energiekonzern Yukos für die Ölproduktion des Landes gewarnt.

HB LONDON. Die IEA nannte die Festnahme des früheren Yukos-Chefs Michail Chodorkowski sowie Spekulationen über einen möglichen Entzug von Förderlizenzen des Konzerns am Donnerstag einen Anlass zur Sorge. Zur Finanzierung weiterer Produktionsstätten erforderliche Investitionsmittel aus dem Ausland könnten sich verzögern, bis die Unsicherheit um Yukos verflogen sei, erklärte die IEA. Die russische Staatsanwaltschaft legt Chodorkowski Betrug und Steuerhinterziehung zur Last. Chodorkowskis Anwälte sprechen dagegen von einem politisch motivierten Verfahren.

Das russische Ministerium für Rohstoffe diskutierte derweil die Frage, ob der Yukos-Tochter Tomskneft in Sibirien die Förderlizenzen entzogen werden sollen. Geprüft wird, ob Tomskneft Vertragsbedingungen eingehalten hat. Die Untersuchung erstreckt sich auf mehrere Firmen der Region. Eine Entscheidung des Ministeriums zu den Tomskneft-Lizenzen wird bis Ende der Woche erwartet. Im laufenden Jahr entfallen 27 % der russischen Ölproduktion auf Yukos und deren Fusionspartner Sibneft. Gegen den geplanten Zusammenschluss zum weltweit viertgrößten privaten Ölproduzenten ab kommendem Jahr gibt es keine Einwände von Seiten des russischen Kartellministeriums, wie Ressortchef Ilja Juschanow der Nachrichtenagentur Itar-Tass zufolge bekräftigte.

Dem am Donnerstag vorgelegten IEA-Monatsbericht zufolge stieg die Rohölproduktion in Russland im Oktober im Vergleich zum Vormonat nach vorläufigen Daten um 70 000 Barrel (ein Barrel sind knapp 159 Liter) täglich an. Im September belief sich das Plus auf 90 000 Barrel pro Tag.

Chodorkowski, Russlands reichster Mann mit einem geschätzten Vermögen von rund acht Mrd. Dollar, war am 25. Oktober festgenommen worden. Der Unternehmer hat offen liberale Parteien unterstützt, die in Opposition zu Präsident Wladimir Putin stehen. Wenige Tage nach der Verhaftung Chodorkowskis hatte die Staatsanwaltschaft einen großen Teil der Yukos-Aktien beschlagnahmt. Die Vorgänge hatten das Vertrauen von Investoren in Russland erschüttert. Besorgnis machte sich breit, das Vorgehen gegen Chodorkowski könnte ein Signal für eine wachsende Einmischung des Staates in die Wirtschaft sein.

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