Internationale Energieagentur meldet
Nordkoreanischer Atomreaktor läuft wieder

Das Szenario bereitet Experten für Sicherheitspolitik Sorgen: Nordkorea ist offenbar wieder in der Lage Plutonium herzustellen. Indem das Land einen stillgelegten Reaktor hochfährt, könnte es der Atombombe näher kommen.
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WienNordkorea hat seinen jahrelang stillgelegten Atomreaktor Yongbyon nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) offenbar wieder in Betrieb genommen. Dies geht aus einem IAEA-Bericht hervor, der am Freitag der Nachrichtenagentur AFP in Wien vorlag. Mit dem Betrieb des Reaktors wäre das isolierte Land in der Lage, Plutonium für Atomwaffen herzustellen.

Seit August 2013 habe die IAEA bei der Auswertung von Satellitenbildern den Abfluss von Kühlwasser sowie das Entweichen von Dampf aus dem Reaktor festgestellt, erklärte die Behörde. Diese Beobachtung deuteten darauf hin, dass die Anlage mit 5 Megawatt Leistung in Betrieb sei.

Yongbyon ist Nordkoreas einzige Anlage zur Produktion von Plutonium für sein Atomwaffenprogramm. Zum Zeitpunkt der Abschaltung 2007 hatte Nordkorea noch genügend Plutonium für vier bis acht Atombomben. 2008 zerstörte Nordkorea als Zeichen der Annäherung gegenüber Südkorea, China, den USA, Japan und Russland den Kühlturm der Anlage zerstört. Doch dies war offenbar kein dauerhaftes Hindernis für die Wiederaufnahme des Betriebes. Als das Land im April 2013 ankündigte, den Reaktor in der kommenden Zeit wieder in Betrieb nehmen zu wollen, schätzten Experten, es werde etwa ein halbes Jahr in Anspruch nehmen, den Reaktor wieder zum Laufen zu bringen. Die IAEA berichtet zudem, sie beobachte seit einiger Zeit zusätzliche Bau- und Erweiterungsaktivitäten auf dem Gelände. Das Land unter der Führung von Kim Jong-Un verteidigt sein Atomprogramm und auch die Möglichkeit, waffenfähiges Plutonium herzustellen als „Schutzschild“ gegen Aggressionspolitik, welche die USA betreibe.

Den Atominspektoren der IAEA verweigert Nordkorea seit 2009 den Zugang zu dem Reaktor. Pjöngjang gibt an, in der Anlage niedrig angereichertes Uran für einen Leichtwasserreaktor zu produzieren. Theoretisch kann der Reaktor im Jahr aber auch sechs Kilogramm Plutonium produzieren - genug für eine Atombombe. Während lange Zweifel daran bestanden, ob Nordkorea überhaupt technisch in der Lage wäre, ausreichend stark angereichertes Material herzustellen, ist diese Skepsis durch mittlerweile drei Atomtests des Landes zwischen 2006 und 2014 ernsthafter Sorge gewichen. Das US-Amerikanische Institute for Science and International Security bekräftigte die IAEA-Beobachtung unter Berufung auf eigene Satellitenbilder. „Ohne mehr Daten, etwa zur mittleren Dampfentwicklung, ist es jedoch schwer abschätzbar, in welchem operativen Status sich der Betrieb des Reaktors nun befindet und wie groß die Plutoniummenge sein könnte, die der Reaktor produzieren könnte“, schreibt das Institut in einem Bericht.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Karen Grass
Karen Grass
Handelsblatt / Freie Journalistin
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Internationale Energieagentur meldet: Nordkoreanischer Atomreaktor läuft wieder"

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  • Unglaublich, was für ein (...) eine ganze Nation in Angst und Schrecken versetzt. Sogar seine militärischen Eliten demonstrieren eine Unterwürfigkeit (mit ihren dämlichen Notizblocks, auf denen jeder Fruz dieses (...) Faschisten für die Nachwelt festgehalten wird), die seines Gleichen sucht.
    Dieser Kretin hat in Europa studiert - da fragt man sich schon, was er hier studiert haben könnte!

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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