Internationale Konkurrenz erzwingt neue Unternehmenskultur
Globalisierung bricht die Japan AG auf

Der Übernahmeversuch von Internetunternehmer Takafumi Horiescheiterte scheiterte zwar letztendlich, doch er demonstriert, wie sehr sich Japans Firmenlandschaft in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren gewandelt hat – und welche Umwälzungen noch bevorstehen.

TOKIO. Das pausbäckige Gesicht von Takafumi Horie kennt in Japan jeder. Der 32 Jahre alte Internetun-ternehmer mit dem Igelschnitt rüttelte Anfang des Jahres auch die letzten Schlummernden im Land wach, als er einen feindlichen Übernahmeversuch bei einem nationalen Radiosender startete. Er machte sich dabei geschickt Schwachstellen in der Struktur der Fuji-Sankei-Mediengruppe zunutze, die nach altem Muster intransparent verflochten war. Und er zeigte, dass er nach anderen Regeln Geschäfte macht als die ältere Managergeneration.

Hories Übernahmeversuch scheiterte zwar letztendlich, doch er demonstriert, wie sehr sich Japans Firmenlandschaft in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren gewandelt hat – und welche Umwälzungen noch bevorstehen. Anfang der 90er-Jahre, als die Spekulationsblase platzte, sei Japan fast sozialistisch gewesen, sagt Koichi Mizutome, Representative Director von Roland Berger Japan. Die Großunternehmen einer Branche hätten sich fast wie in einem Flottenverband bewegt: Keiner fuhr den anderen davon, keiner wurde abgehängt. „Doch mit dem Druck der globalen Unternehmen, die auf den japanischen Markt kamen, ging das nicht mehr“, so Mizutome.

Deregulierungen verstärkten diesen Trend. Unternehmen trennten sich von Verlustbringern und wurden so profitabler. Heute, ein gutes Jahrzehnt später, seien international operierende Maschinen-, Auto- oder Elektronikkonzerne ihren globalen Wettbewerbern ebenbürtig, sagt Mizutome, dessen Lieblingsbeispiel für diesen Wandel Matsushita Electric ist: „Eine Sanierung wie im Lehrbuch.“

Jesper Koll, Chefökonom bei Merrill Lynch, meint gar, Japan könne ein Vorbild sein, wie man mit Globalisierung umgeht. Doch nicht alle Merkmale der alten Japan AG fallen dem großen Aufräumen zum Opfer. So blieben vertikale Unternehmensverbindungen – zum Beispiel Kapitalverflechtungen zwischen einem Autokonzern und seinen Zulieferern – häufig erhalten, erklärt Mizutome. Auch das mittlere Management spiele weiter eine tragende Rolle bei der Strategieentwicklung eines Unternehmens.

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