Internationale Krisen
Ohne Putin geht nichts

Kampf gegen IS, Kriege in Nahost, Despoten mit Massenvernichtungswaffen – diesen Bedrohungen steht der Westen hilflos gegenüber. Die Ukraine-Krise lähmt die Weltgemeinschaft. Experten raten, Putin ein Angebot zu machen.
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DüsseldorfEs ist ja nicht so, als sei die Welt arm an Krisen: Der Kampf gegen die Extremisten, die sich Islamischer Staat (IS) nennen, und mit ihrer Brutalität die Menschen schockieren. Die Bürgerkriege in Syrien und im Irak. Der Nahost-Konflikt. Afghanistan. Doch die Reaktionen der Weltgemeinschaft auf diese Krisen gleichen einem Flickenteppich: mahnende Worte hier, ein paar Luftangriffe dort – garniert mit Gesprächsrunden, Händeschütteln, Abwarten.

Es ist die Ukraine-Krise, die alles blockiert. Die Auseinandersetzung von Russland mit den Westmächten lähmt die Weltgemeinschaft. „Dieser Konflikt ist der Schlüssel für die anderen großen Konflikte. Solange die Ukraine-Krise nicht entschärft ist, lassen sich auch die Konflikte in Syrien oder im Irak nicht lösen. Ein einseitiger Interventionismus reicht dort nicht“, sagt Tobias Debiel, Direktor des Instituts für Entwicklung und Frieden in Duisburg, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Zwar sitzt Kremlchef Wladimir Putin derzeit nicht am Tisch, wenn sich die größten Wirtschaftsmächte treffen – aus G8 wurde die G7. Und doch bleibt Russland eine globale Macht, allein schon durch sein Arsenal an strategischen Nuklearwaffen und seinen permanenten Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. „Russland wird gebraucht für die Bewältigung globaler Sicherheitsherausforderungen“, sagt daher auch Wolfgang Richter, Wissenschaftler der Forschungsgruppe Sicherheitspolitik bei der Stiftung Politik und Wissenschaft, dem Handelsblatt.

„Der Kampf gegen islamistischen Terrorismus liegt in russischem Interesse, es geht aber auch um das Krisenmanagement in Nahost und Afghanistan, den Schutz der Seewege, die Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen“, sagt Richter. In Syrien sei die Vernichtung chemischer Waffen durch Russland vermittelt worden und auch in Europa gebe es neben der Ukraine-Krise noch sieben weitere sogenannte eingefrorene Konflikte, deren Lösung russische Mitwirkung verlangt.

Umso problematischer ist diese Analyse vor dem Hintergrund, dass sich in der Ukraine-Krise selbst keine Lösung abzeichnet. Provokationen und Sticheleien statt Verhandlungsrunden beherrschen die aktuellen Schlagzeilen: USA und mehrere Verbündete beginnen Militärmanöver in der Ukraine und im Schwarzen Meer. Nato-Staaten wollen die ukrainische Armee mit Waffen versorgen. In Polen und Österreich kommt weniger russisches Gas an. Die EU und die Ukraine unterzeichnen ein Assoziierungsabkommen. Putin schwärmt von der Renaissance Neurusslands von Lugansk bis Odessa.

Kommentare zu " Internationale Krisen: Ohne Putin geht nichts"

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  • Die EU+US+G7+derWesten haben sichselbst in diese schierige Situation hineinmanoevriert.Wenn man den Ursprung der UkraineProbleme auf die Spur kommen will,muss man zurueck zu den EUplaenen um die Ukraine einzuverleiben,welche mit USdruck entstanden sind.Auch EUverhandler wie Carl Bild haben zur Tragedie beigetragen.EU verhandelte mit Ukraine einen Handelsvertrag m nur Moeglichkeiten zum Abbruch bestehender Vertraege m Russland,deshalb hat Janukowitch nicht unterzeichnet.USA+ultrarechte Elemente in EU+Ukraine haben die Maydanrevolution kreiert die zusammen mit korrupten Politikern zu einer neuen Regierung ohne Wahlen resultierte,die sofort von USA+EU unterstuetzt wurde.Eine Regierung worin ultrarechte Elemente ueberrepresentiert waren+welche sofort antirussische Massnahmen getroffen hat wie Sprache+Vertretung nach Kiev.Seit der Revolution im Osten beraet die CIA Ukraine und is nur interessiert an Schaden fuer Russenbelange,Ukraine ist nur Mittel zum Zweck.Schuldige EU-Politiker sind Merkel+Hollande,die haetten besser wissen muessen

  • @Herr Billy Jo

    Die russische Zentralbank hat bereits angekündigt, das ab Dollarkurs von 44 Rbl. die Greenbacks dann in der Landschaft rumfliegen werden ( und die russische Zentralbank hat eine Menge davon ! ).

    Ihr gesamter Kommentar strotzt von Einfältigkeit und fehlendem Wissen.

    Die Greenbacks werden nicht in der Landschaft herumfliegen, sonder von Russland strategisch verwendet werden.
    In diesem Frühjahr wurden ein großer Teil Dollar Anlagen der russ. Bank auf den Markt geworfen. Diese Anlagen wurden ganz leise von der belgischen Nationalbank aufgekauft. Raten Sie mal in welchem Auftrag. So doll viele Dollars sind nicht mehr da.
    Das dadurch frei gewordene Kapital wurde von Russland in Gold angelegt.
    Vor einigen Wochen verkündete Putin, er werde Rohstoffe auch als Tauschmittel und in anderen Währungen verkaufen. Dies haben andere Länder bereits versucht und sind gescheitert. siehe Iran

    Durch den derzeitigen Rubel - Dollarkurs werden Importe sehr teuer werden. das wird die Reichen privat nicht stören, aber den armen, sehr armen Russen und Investoren wird es voll erwischen. Es erwischt immer die Falschen.

    Und nicht immer nur Prawda lesen.

    Schönen Abend noch.

  • Eine m.E. doch recht ausgewogene & journalistisch seriöse
    Stellungname von Herrn K. zur gegenwärtigen Lage im Ukraine-Konflikt. Wenn er auch Putin direkt Doppelzüngigkeit vorwirft , so tut er das m.E. das indirekt auch mit der Nato (ausdrückliche Erwähnung des Bruchs des Gorbi gegebenen Versprechens, keine Nato-Osterweiterung vorzunehmen, was in der Politik und vielen offensichtlich Nato-embedded BRD-Medien tunlichst verschwiegen wird. Da wird einseitig auf dem Autokraten und Berlusconi-Bunga-Bunga-friend Putin als "kriegsgeil" rumgehackt ,der von ruhigen Menschen wie z.B. Egon Bahr als durchaus r a t i o n a l e r Mensch charakterisiert wird..
    Erstaunlich, daß mit Herrn Debiel ein Friedensforscher zu Wort kommt. Dafür verdient Herr Kaufmann große Anerkennung-
    Herr Steingart hat mit ihm mindestens noch einen weiteren
    vernünftigen Kollegen an der Seite, der sich der von allerhand interessierten Leuten hierzulande geschürten Anti-Putin-Psychose entgegenstellt.
    Noch ein Wort zu den russischen Rechtsnationalisten, deren sich der defensiv-rationale Putin (Egon Bahr sieht ihn ähnlich) genauso erwehren , wie Obama sich gegen die Tea-Party-Populisten behaupten muß. ´Norbert Birnbaum meint sogar, daß Obama schon längst "Gefangener des Systems" sei, id est des Militärisch-industriellen US-Komplexes und einer US-Rechten, die bis in die Demokratische Partei hinein über Anhänger verfügt.
    Die russischen Neofaschisten dürften m.E-. noch irrationaler sein als die Tea Party und sie werden mit jeder hämischen EU-Sanktion und Nato-Provokation für den defensiven und eher rationalen Machtpolitiker Putin zu einer größeren Gefahr.
    Daran sollten m.E. besonders die
    Deutschen denken, die in der Verantwortung für über 22 Millionen von deutschen Nazis ermordeten Russen stehen.
    Mindestens die Große Koalition sollte daher s o f o r t & dauerhaft kluge Friedensforscher wie Herrn Debiel als Berater beiholen.Das folgere ich aus der guten Arbeit von Herrn Kaufmann.

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