Internationale Organsisationen im Umbruch
Ungeliebtes Parlament der Globalisierung

Die Schwellenländer China, Indien, Südafrika und Brasilien pochen auf mehr Einfluss auf der internationalen Bühne: Von der Uno über die WTO bis hin zum Internationalen Währungsfonds und der Weltbank. Die alten westlichen Vormächte USA, Großbritannien, Frankreich und auch Deutschland fürchten um ihre Dominanz. Denn die Newcomer haben gleich mehrere Asse im Ärmel. Teil vier der Handelsblatt-Serie.

GENF. Auch der mächtigste Mann der Welt spornt die 151 Mitglieder der Welthandelsorganisation WTO an: „Es ist wichtig für uns, eine erfolgreiche Doha-Runde zu haben“, sagt US-Präsident George W. Bush. Und der Generaldirektor der WTO, Pascal Lamy, verlangt: „Wir brauchen noch eine Extraanstrengung, um die Doha-Runde zu beenden.“

Nur: Die Doha-Runde, jene WTO-Gespräche zur Öffnung der Weltmärkte, steckt fest. Seit dem Start der Welthandelsrunde 2001 in der Hauptstadt von Katar gehören Nachrichten über ergebnislose WTO-Gipfel wie in Hongkong 2005, gescheiterte Krisentreffen wie in Potsdam 2007 und frustrierte Verhandlungsführer wie den EU-Handelskommissar Peter Mandelson zum festen Ritual der WTO-Berichterstattung. Und je länger die Diplomaten ohne Resultat über Zölle, Kontingente und Agrarsubventionen feilschen, desto tiefer rutscht die WTO in die Krise.

Ein totales Scheitern der Liberalisierungsverhandlungen könnte die Organisation irreparabel beschädigen, denn gerade das Setzen von Regeln für den Welthandel ist eine ihrer zentralen Aufgaben. Die WTO hat bisher als eine Art Parlament der Globalisierung einigermaßen funktioniert, weil alle Mitglieder die Regeln freiwillig akzeptieren. Würden aber die Regierungen einer desavouierten Organisation noch Gehör schenken? Zumal ein Scheitern der Doha-Runde die überfällige Reform der WTO in immer weitere Ferne rücken lassen würde. Denn wer will sich noch für die Modernisierung einer erfolglosen Organisation stark machen?

Selbst wenn sich die Streithähne doch noch auf einen neuen Welthandelsvertrag einigen sollten, dürfte die Doha-Runde auf Jahre hinaus der letzte große WTO-Zyklus zur Liberalisierung der Märkte bleiben. Denn kaum ein Mitgliedsland will sich so schnell eine weitere Tortur wie die Doha-Runde antun. Darüber hinaus dürften die WTO-Mitglieder keinen Drang mehr verspüren, isoliert über einzelne Sektoren wie etwa die Energiemärkte zu verhandeln. Globalisierungsgegner wie die Aktivistengruppe Attac könnten frohlocken.

Immer mehr Regierungen wenden sich schon jetzt vom WTO-Regelwerk ab. En vogue sind direkte Handelsdeals mit ausgesuchten Partnern. Seit der WTO-Gründung 1995 registrierte ihre Zentrale rund 240 „Regionale Handelsabkommen“. Zum Vergleich: Zwischen 1948 und 1994 meldete der WTO-Vorgänger Gatt nur 124 Regionale Handelsabkommen. Der Vorteil des Vorgehens an der WTO vorbei: Die Partner können gezielt und zügig die Abkommen unter Dach und Fach bringen, das Schachern mit Dutzenden Ländern fällt weg. Zudem gilt: „Wirtschaftliche Allianzen in Form der Freihandelsabkommen ersetzen zunehmend die Militärpakte der Vergangenheit“, sagt Südkoreas Handelsminister Kim Hyun-chong.

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