Internationale Presseschau
Mohammed-Karikaturen spalten die Presse

Die umstrittenen Karikaturen des Propheten Mohammed haben in der Presse ein gewaltiges Echo gefunden. Satire, Toleranz, Pressefreiheit – das sind die Schlagwörter, die zwangsläufig fallen. Allerdings sind nicht alle Journalisten auf der Seite ihrer dänischen Kollegen von „Jyllands-Posten“.

Warnend äußert sich in etwa das linksliberale spanische Blatt „El País“: „Vorsicht mit der Satire! Die Mohammed-Karikaturen waren wahrscheinlich von schlechtem Geschmack und stellten eine Provokation dar, für die die dänische Wirtschaft einen hohen Preis zahlen muss.“ Fügt allerdings – ihre Kollegen unterstützend – an: „Aber sie dürfen zu keiner Einschränkung der Pressefreiheit führen, die über die gesetzlichen Regelungen hinausgeht. Wer an den Zeichnungen Anstoß nimmt, kann vor den Gerichten klagen. Diese sind die einzige Instanz, die solche Konflikte lösen kann.“

Enttäuscht zeigen sich die Kommentatoren vom niederländischen Blatt „De Volkskrant“ und schrieben: „Diese Affäre kennt nur Verlierer. Die europäischen Partner (Dänemarks) boten nur kärgliche Unterstützung an. (UN-)Menschenrechtskommissarin Louise Arbour meinte sogar, der Organisation islamischer Länder eine Untersuchung über dänischen „Mangel an Respekt“ vor dem Islam versprechen zu müssen. Ein trauriger Kniefall vor dem religiösen Despotismus.“

Kritisch äußert sich die dänische Tageszeitung „Politiken“ und stellt die Karikaturen-Affäre in einen innenpolitischen Kontext: „Der Wunsch, Muslime (mittels der Karikaturen) zu integrieren, indem man sie verhöhnt, war keine zufällige Fehleinschätzung. Dies war vielmehr ein fast schon einleuchtendes journalistische Wagnis in der vermurksten Atmosphäre, die man dänische Ausländerdebatte nennt.“

Wenig Verständnis für den Abdruck zeigt die „Bild-Zeitung“: „Jegliche Darstellung des Propheten Mohammed ist von Anfang an im Islam sehr rigoros verboten worden, um auf keinen Fall einen Götzenkult aufkommen zu lassen. Jeder, der sich mit dem Islam auch nur oberflächlich befasst, weiß, dass die Darstellung des Propheten die Moslems schon empört und provoziert. Wer den Mann aber in einer Karikatur lächerlich macht, sogar als Brutalo oder Terroristen abbildet, fordert die Moslems extrem heraus. Wenn man im Fernsehen oder in der Zeitung die christliche Religion derart verhohnepipelt, schockiert das auch zutiefst.“

Das französische Boulevard-Blatt „France Soir“, das die Karikaturen aus Solidarität mit ihren dänischen Kollegen ebenfalls abgedruckt hatte, rechtfertigt die Entscheidung: „Könnte man sich eine Gesellschaft vorstellen, die sich an die Verbote aller Kulte hielt? Wo bliebe die Gedankenfreiheit, die Freiheit der Rede oder auch nur des Kommens und Gehens? Solche Gesellschaften kennen wir zur Genüge. Zum Beispiel der Iran der Mullahs. Gestern war es das Frankreich der Inquisition, derBücherverbrennungen und der Bartholomäusnacht. Zusammenleben heißt akzeptieren, dass der andere unsere philosophischen, spirituellen, religiösen oder politischen Ansichten nicht immer wohlwollend betrachtet.

Ernüchterung dagegen bei der dänischen Tageszeitung „Jyllands-Posten“: Sie erklärt den von ihr in betriebenen „Kampf um die Meinungsfreiheit“ durch die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen für verloren.

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