Internationale Zeitungskommentare
„Die Zeit nach Castro hat bereits begonnen“

Kubas ewiger Herrscher Fidel Castro ist erkrankt und hat sämtliche Amtsgeschäfte auf seinen Bruder Raul übertragen. Die Spekulationen über die Zukunft Kubas sind bereits in vollem Gange. Lesen Sie, was ausländische Zeitungen zum Machtwechsel unter Brüdern meinen.

Das spanische Blatt El País schreibt: „Selbst wenn Fidel Castro sich von seiner Krankheit erholt, hat in Kuba der Übergang in die Zeit nach Castro bereits begonnen. Niemand weiß, wohin dieser Prozess führen und wie lange er dauern wird. Dabei ist klar, dass der Castrismus ohne Castro nicht überlebensfähig sein wird. Allen Seiten ist daran gelegen, dass der beginnende Übergangsprozess friedlich verläuft und dass allein die Kubaner darüber entscheiden. In diesem Punkt sind sich sogar die kubanischen Kommunisten und das Weiße Haus in Washington einig: Ein Chaos auf der Insel und eine mögliche neue Migrationswelle müssen verhindert werden.“

Nach Ansicht der russischen Wirtschaftszeitung Kommersant steht und fällt das aktuelle politische System Kubas mit Fidel Castro: „Fidel Castro hat genau verstanden, dass er keinen Nachfolger hat. Er selbst hat niemandem die Chance dazu gegeben, vor allem nicht seinem jüngeren Bruder Raúl, der bislang im Schatten seines Bruders gestanden hat. Wenn die Regierungsgeschäfte jetzt an Raúl Castro übergegangenen sind, kann es dafür nur zwei Erklärungen geben: Entweder geht es Fidel wirklich sehr schlecht, oder ihm ist schon alles egal. So oder so wird das Kuba Fidel Castros nur solange existieren, solange ihm selbst Lebenszeit bemessen ist. Nach ihm folgt ein anderes Kuba. Für manche schlechter, für manche besser, für manche freier, für manche weniger gerecht.“

Auch die römische La Repubblica gibt nicht viel auf Raul Castro: „Es ist zu bezweifeln, das der zweite Verantwortliche der Kuba-Krise und der Angst und des Hungers in den vergangenen tragischen 47 Jahren die Natur des Castrismus verändern will oder kann. Es ist zu bezweifeln, dass diese auferlegte Nachfolge sich konsolidiert und gewinnt - und das nicht nur wegen seines Alters. Der Insel stehen Zeiten bevor, die sowohl gefährlich als auch voller Hoffnung sein könnten.“

Das konservative Londoner Blatt Daily Telegraph wagt diese Prognose: „Kuba ist noch immer ein schauriges Land für jeden, der die Autorität von 'el Commandante' in Frage stellt. Sein Bruder Raúl, der vorübergehend die Amtsgeschäfte übernommen hat, ist ein hartgesottener Kommunist. Sollte er nach Fidel an der Regierungsspitze stehen, wird er vielleicht nach chinesischem Vorbild die Wirtschaft öffnen, gleichzeitig aber das Machtmonopol der Partei bewahren. Jedenfalls werden Kubas Regierende auch in Zukunft ihre revolutionären Errungenschaften mit der gewohnten Grobheit verteidigen.“

Le Figaro aus Paris jubelt: „Der Regimewechsel ist endlich auch in Kuba möglich. Der letzte der politischen Dinosaurier des 20. Jahrhunderts empfiehlt sich. Castro hat ein mafiaartiges Regime installiert. Es gibt höchste Führer, die zweifellos mit seiner Billigung in den Drogenhandel verwickelt sind. Das amerikanische Magazin 'Forbes' hat Castro mit geschätzten 900 Millionen Dollar in diesem Jahr auf seiner Liste der reichsten Staatsmänner der Welt. Woher kommt diese Goldgrube? Das kubanische Volk, das in seiner erdrückenden Mehrheit niemals einen anderen Führer als Castro gekannt hat, kann selbst nur auf Umwegen überleben. Der neue starke Mann der Insel, Raul Castro (75) ist der Repräsentant der Militärnomenklatura. Ein Chaos kann nicht ausgeschlossen werden, so groß wie die sozialen und politischen Spannungen nach 47 Jahren Diktatur sind.“

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