Internationale Zeitungskommentare zum TV-Duell
„Mancher üble Fußtritt gegen Sarkozy“

Sie schenkten sich nichts und wissen erst in drei Tagen, ob sich ihr Verhalten ausgezahlt hat: Ségolène Royal und Nicolas Sarkozy, die beiden Kandidaten für die Stichwahl um die französische Präsidentschaft am Sonntag, haben sich für das Fernsehpublikum verbal duelliert. Die französische und europäische Presse neigt eher dazu, Royal den Debatten-Sieg zuzuerkennen.

Das italienische Blatt La Repubblica hat beobachtet: „Auch dieses Mal hat Ségolène Royal die Prüfung bestanden, mit einem Tonfall, der das vor den Fernsehern zusammensitzende Frankreich in einigen Momenten zusammenzucken ließ. Sie, die Kandidatin der Linken, griff an, war manchmal beißend scharf zu ihrem Gegner, entschlossen, sich nicht dominieren und sich keinen Rhythmus bei der Debatte aufdrücken zu lassen. Er [Sarkozy], der Kandidat der Rechten, der normalerweise eher ungestüm ist, war bei dieser Gelegenheit sehr ruhig, teilweise gar nachgiebig, defensiv, ganz klar dazu entschlossen, nicht die Fassung zu verlieren und den Vorwurf der Brutalität, den seine Gegner gemacht hatten, nicht auch noch zu bestätigen.“

Der konservative Figaro aus Paris wähnt keinen der beiden Kandidaten im Vorteil: „Nicolas Sarkozy hat sich, präzise und selbstsicher, nicht zu einem Übermaß an Selbstzufriedenheit hinreißen lassen, was noch alles hätte umwerfen können. Oftmals unklar, manchmal aggressiv, hat Ségolène Royal keinen gravierenden Fehler begangen, der sie ins Abseits gestellt hätte. Sarkozy wurde immer besonnener, während Royal die Kraftprobe suchte und so all jenen ihre Entschlossenheit zeigte, die daran zweifelten. Alles in allem könnte man höchstens sagen, dass es ein Unentschieden war, sofern man davon ausgeht, dass die Bewerber auf gleicher Höhe liegen. Das scheint jedoch nicht der Fall zu sein.“

Dagegen meint die linksliberale französische Tageszeitung Libération: „Nicolas Sarkozy hat nicht verloren. Ségolène Royal hat aber gewonnen. Sie hat bewiesen, woran die Öffentlichkeit für einen Augenblick gezweifelt hatte - sie ist voll und ganz in der Lage, Präsidentin der Republik zu sein. War Sarkozy schlecht? Das sicher nicht, im Gegenteil. Doch trotz seiner ganzen Willenskraft und Vorbereitung hat der imperiale Führer der Rechten seine Rivalin doch nicht beherrscht. Er kann dennoch darauf hoffen, seinen Vorsprung [in den Umfragen] zu behalten. Das war sein einziger Wunsch für dieses TV-Duell. Zu Beginn des Endspurts behält er das Heft in der Hand.“

Ganz anders siegt es die spanische Tageszeitung El Mundo: „Ségolène Royal erinnerte an eine Fußballelf, die im Rückspiel einen Torerückstand wettmachen muss. Die Sozialistin, die in den Umfragen zurückliegt, schien mit allen Mitteln gewinnen zu wollen. Sie setzte Nicolas Sarkozy mächtig unter Druck, griff ihn pausenlos an und versetzte ihm auch so manchen üblen Fußtritt. Diese Taktik scheint nicht klug gewesen zu sein. Sarkozy konnte sich als ein gemäßigter Mann des Ausgleichs präsentieren. Royal schenkte ihm das Feld der politischen Mitte. Der Kandidat der Konservativen gewann das Duell, weil er sich wie ein Staatsmann positionierte. Seine Gegnerin war ihm in keiner Phase ebenbürtig.“

Die Mailänder Zeitung Corriere della Sera hat das Duell so gesehen: „Auch gestern haben beide Kontrahenten noch einmal ihre großen Kontraste bezüglich des künftigen Modells für Frankreich deutlich gemacht: Sarkozy steht für dynmische Veränderung und die Wiederherstellung der Werte. Ségolène steht für eine stille Revolution Aber der Unterschied liegt mehr in der Methode als in den Zielen: Flexibilität und individuelle Bemühungen in der Vorstellung Sarkozys, die Rolle des Staates und die Priorität sozialer Gerechtigkeit in der Vorstellung der feinfühligen Royal.“

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