Internationaler Vergleich
Was Pendler in Europa absetzen können

In Österreich wird das Thema Pendlerpauschale längst nicht so kontrovers diskutiert wie in Deutschland - obwohl die Pendler in der Alpenrepublik tendenziell etwas schlechter davonkommen als in Deutschland. In Nordeuropa sind die Absetzmöglichkeiten sogar noch geringer.

WIEN/STOCKHOLM//PARIS. Die Finanzämter in Österreich kennen zwei unterschiedliche Pendlerpauschalen: Gibt es ein ordentliches Nahverkehrsnetz wie etwa in Wien und in den anderen großen Städten, können Berufstätige nur die "kleine Pauschale" in Anspruch nehmen. Bei 20 Kilometern beispielsweise zwischen Wohnung und Arbeitsstätte beträgt sie im Jahr 630 Euro. Pendler ohne Nahverkehrsnetz - also vor allem im ländlichen Raum - können die "große Pauschale" absetzen. Sie liegt beim Beispiel 20 Kilometer dann auch bei 1356 Euro, das ist in etwa der deutsche Betrag.

Im Unterschied zu Deutschland sind die absetzbaren Beträge in Österreich auch echte Pauschalen. Während in der Bundesrepublik die Entfernungskilometer individuell und nach exakter Entfernung zwischen Wohnung und Arbeit berechnet werden, kennt das Steuerrecht in Österreich nur bestimmte Stufen. Absetzbar sind Stufenbeträge ab 20, 40 oder 60 Entfernungskilometern. Wer also mit dem Auto beispielsweise 56 Kilometer ins Büro fährt, kann nur die Stufe für 40 Kilometer und mehr in Anspruch nehmen, in diesem Fall ergibt das eine Jahrespauschale von 2361 Euro, etwas weniger als in Deutschland.

Die Steuerzahler in Österreich haben die Entfernungsregeln bislang ohne großen Widerspruch akzeptiert. Vielleicht ist die Pauschale auch deshalb weniger umstritten als in Deutschland, weil sie wegen der damals hohen Benzinpreise im Sommer leicht erhöht worden war. Streit und Auseinandersetzungen lösen in Österreich vielmehr die steuerlichen Regelungen für die Absetzbarkeit von Dienstreisen aus. Sie waren bis zuletzt häufiger umstritten.

In Nordeuropa ist das Urteil des Bundesverfassungsgerichts nicht einmal nachrichtlich zur Kenntnis genommen worden. Ein Grund dafür liegt an einem völlig anderen System in den nordischen Ländern: Dort hat man bereits in den 90-er Jahren versucht, möglichst viele Absetz-Möglichkeiten abzuschaffen, um Betrugsversuchen vorzubeugen.

In Schweden können beispielsweise nur Steuerabzüge für die Fahrt mit dem PKW zum Arbeitsplatz geltend gemacht werden, wenn man eine Stunde pro Strecke im Vergleich zu öffentlichen Verkehrsmitteln einspart. Ein solcher Nachweis ist für die meisten Arbeitnehmer nicht machbar, da zumindest in den Großstadtregionen das öffentliche Nahverkehrsnetz gut ausgebaut ist. Doch selbst bei einer Zeitersparnis von einer Stunde pro Strecke müssen die jährlichen Gesamtkosten umgerechnet rund 740 Euro übersteigen, damit man sie absetzen darf.

Auch in Dänemark, Finnland und Norwegen muss der tägliche Reiseweg eine bestimmte Strecke übersteigen und eine deutliche Zeitersparnis gegenüber öffentlichen Verkehrsmitteln bringen, damit die Kosten abgesetzt werden können. Der Betrag, der abgesetzt werden darf, ist direkt abhängig vom Preis einer Monatskarte für die öffentlichen Nahverkehrsmittel: Wird die Monatskarte teurer, kann der Autofahrer seine Reisekosten erst absetzen, wenn dieser Betrag überstiegen wird und er die genannte Zeitersparnis nachweisen kann.

In Frankreich können Steuerzahler auf zwei Arten Fahrtkosten zum Arbeitsplatz als Werbungskosten steuerlich absetzen: Zum einen als Pauschalabzug, in den Wegekosten eingerechnet sind. Er beträgt zehn Prozent des Einkommens bei einer maximalen Abzugssumme von 13 501 Euro. Zum anderen als Abzug der realen Kosten. Dabei können maximal 40 Km Fahrtweg - einfache Strecke, also 80 km Hin- und Rückweg - abgezogen werden. Laut der offiziellen Steuerseite des Finanzministeriums gibt es für den Abzug realer Werbunskosten keine Obergrenze.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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