Internationales Institut für Strategische Studien
Mit iranischer Atombombe ist ab 2008 zu rechnen

Der Iran könnte nach einer unabhängigen Studie des Internationalen Institut für Strategische Studien bereits im übernächsten Jahr zum Bau einer Atombombe in der Lage sein. Bei der Einschätzung der iranischen Möglichkeiten solle die Politik sicherheitshalber von den „schlimmsten Hypothesen“ ausgehen.

HB LONDON/TEHERAN. Zu diesem Schluss kommt das renommierte Internationale Institut für Strategische Studien (IISS) in London in seinem am Mittwoch vorgelegten Jahresbericht zum militärischen Gleichgewicht.

Das IISS bekräftigte einerseits seine Prognose, dass der Iran vermutlich erst im Jahr 2010 die erforderlichen 20 bis 25 Kilogramm hoch angereicherten Urans dafür zur Verfügung haben werde. Andererseits sei dies allerdings angesichts der „vielen Unbekannten“ auch schon 2009 oder sogar 2008 möglich, sagte Institutschef John Chipman.

Das Institut äußerte sich besorgt über die Iranischen Fortschritte beim Atomprogramm, auch wenn nicht allen Ankündigungen aus Teheran zu glauben sei. Doch falls Teheran tatsächlich in den Besitz von Atombomben komme, würde dies das Machtgleichgewicht in der Golfregion „dramatisch verändern“.

Vertreter der fünf UN-Vetomächte und Deutschlands berieten unterdessen in London über mögliche neue Anreize, um den Iran von seinem umstrittenen Programm zur Urananreicherung abzubringen. Dabei geht laut dem britischen Sender BBC unter anderem um Unterstützung beim Bau eines Leichtwasserreaktors – bei dem kein waffentaugliches Plutonium anfallen würde – sowie die Versorgung mit Reaktorbrennstoff und Sicherheitsgarantien.

Die britische Außenministerin Margaret Beckett sagte vor dem Treffen, es gebe viel zu diskutieren. Weitere Treffen seien notwendig, um zu einer Einigung zu kommen. Großbritannien plane keine militärische Aktion gegen den Iran, betonte sie. China und Russland lehnen die Androhung eines Militärschlags strikt ab. Die USA setzen sich dagegen für eine harte Resolution des Weltsicherheitsrats ein.

Bei einem Besuch in Vietnam ermahnte UN-Generalsekretär Kofi Annan die Iraner, neue Vorschläge nicht sofort abzulehnen. Er hoffe, dass das Londoner Treffen zu einem „kreativen Vorschlag“ komme. Gleichzeitig rief Annan Teheran auf, umfassende Inspektionen seiner Atomanlagen zuzulassen, um „die Wolke der Ungewissheit zu lüften, die das Atomprogramm umgibt – ob es nun auf Atomwaffen abzielt oder friedlich ist“. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad zeigte sich jedoch weiter unnachgiebig und rief sein Volk zum Widerstand im Atomstreit auf.

Nach einem Bericht der „Washington Post“ bemüht sich Teheran intensiv um direkte Gespräche mit den USA. Dies habe die Führung in Teheran der US-Regierung über verschiedene Kanäle und Mittelsmänner - darunter über Indonesien, Kuwait und auch Annan – bedeutet, meldete die Zeitung unter Berufung auf US- Regierungsbeamte, Iranische Experten und ausländische Diplomaten.

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