Internetausfall in Nordkorea
Ein Land in „virtueller Isolation“

Für die meisten Nordkoreaner blieb der Internet-Blackout folgenlos. Sie können ohnehin nicht im World Wide Web surfen. Die Zugangskontrolle ist Teil der Informationsblockade der Regierung.
  • 0

SeoulStell dir vor, das Internet fällt aus und fast niemand bemerkt es: Bis zu einem gewissen Grad trifft das auf das verarmte, aber hochgerüstete Nordkorea zu. Denn das Regime verwehrt dem Großteil der Bevölkerung den Zugang zum World Wide Web. Der Internet-Blackout schlägt vor allem wegen des Streits des Landes mit den USA über eine Cyber-Attacke international hohe Wellen.

Noch ist unklar, wer oder was den Ausfall verursacht hat. War es eine Attacke von außen, fiel das ohnehin störanfällige System wegen Überlastung aus oder hat das Regime in Pjöngjang das Internet für ein paar Stunden abgeschaltet? Zunächst schwieg Nordkorea dazu.

Der Ausfall löste Spekulationen aus, dass es sich um einen gezielten Hacker-Angriff gegen das Land handeln könnte. Der Ausfall ereignet sich mitten in einem Streit um digitale Attacken: Die US-Regierung beschuldigt das Regime in Pjöngjang, das Hollywood-Filmstudio Sony Pictures gehackt zu haben. Das Filmstudio wollte die Nordkorea-Satire „The Interview“ in die Kinos bringen. Nordkorea bestreitet den Angriff.

Der auf Internet-Sicherheitsthemen spezialisierte Dienst Arbor Networks erklärte, man habe angesichts des Internet-Ausfalls in Nordkorea sogenannte Denial-of-Service-Attacken beobachtet. Bei solchen Angriffen wird mit der Übertragung großer Datenmengen das Internet überlastet.

Eine Verwicklung der USA sieht Arbor Networks nicht: „Die Internet-Infrastruktur in Nordkorea ist nicht so beeindruckend, es ist also nicht so, dass eine super-ausgefeilte Attacke nötig ist, um es auszuschalten.“

Wenn es um das Internet in Nordkorea geht, könnten die Gegensätze im Land nicht größer sein. Nach Angaben der Regierungen Südkoreas und der USA rüstet sich Nordkorea schon seit Jahren für einen Cyberkrieg, speziell gegen die beiden Länder. Die südkoreanische Regierung in Seoul schätzt die Zahl der nordkoreanischen „Cyber-Krieger“ auf 5900. Je nach Quelle wird deren Zahl niedriger oder höher vermutet.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un sieht zudem im Aufbau eines IT-Sektors ein wichtiges Instrument für die Entwicklung des Landes. Firmen in Nordkorea erhalten seit Jahren aus dem Ausland IT-Outsourcing-Verträge, bei denen Projekte auf externe Dienstleister übertragen werden. Gut ausgebildete IT-Spezialisten in Nordkorea programmieren auf diese Weise etwa 3D-Animationen.

Seite 1:

Ein Land in „virtueller Isolation“

Seite 2:

Die meisten Nordkoreaner haben noch nie im Internet gesurft

Kommentare zu " Internetausfall in Nordkorea: Ein Land in „virtueller Isolation“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%