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Internetkriminalität: Chinesische Hacker spähen Indiens Regierung aus

Nordamerikanische Experten decken umfangreiche Internetspionage auf. Ob Peking dahintersteckt, lässt sich nicht eindeutig klären, denn die Hacker nutzen fremde Computer. Neben Indiens Regierung waren noch weitere Staaten von den Angriffen betroffen.

Die neuen Vorwürfe gegen China kommen nur zwei Wochen nach dem Rückzug des US-Internetkonzerns Google. Quelle: ap
Die neuen Vorwürfe gegen China kommen nur zwei Wochen nach dem Rückzug des US-Internetkonzerns Google. Quelle: ap

PEKING. Indiens Regierung ist nach Recherchen nordamerikanischer Internetexperten Opfer einer Hackerattacke aus China geworden. Die unbekannten Angreifer hätten es vor allem auf die tibetanische Exilregierung und auf Rechner des indischen Verteidigungsministeriums abgesehen. Auch andere Staaten waren betroffen. „Die Angriffe reichten bis auf die höchsten Ebenen der jeweiligen Regierung“, sagte Politologe Ron Deibert von der Universität Toronto gestern in einer Internetkonferenz. Deibert leitet Citizen Lab, ein Forschungszentrum für Informationsfreiheit. Eine Arbeitsgruppe dieses Zentrums hat die Internetspionage zusammen mit privaten Gruppen von Sicherheitsexperten aufgedeckt.

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Die Attacke habe ihren Ursprung in China, eine Beteiligung der Regierung in Peking lasse sich aber nicht beweisen, so die Experten. Die Ziele der Ausspähaktion ließen eine Beteiligung offizieller Stellen jedoch wahrscheinlich erscheinen. So sollen auch Daten über Indiens Raketenprogramm gestohlen worden sein.

Die neuen Vorwürfe gegen China kommen nur zwei Wochen nach dem auffälligen Rückzug des US-Internetkonzerns Google, der seine Dienste vom chinesischen Festland nach Hongkong verlagert hat. Das kalifornische Unternehmen war nicht länger bereit, seine Suchergebnisse in China nach politisch heiklen Inhalten zu filtern. Google hatte allerdings auch deutlich gemacht, dass es seinen Schritt als Reaktion auf Hackerangriffe gegen E-Mail-Konten von Kunden sieht, die aus China erfolgt sein sollen. Auch andere Organisationen, etwa der Verein der Auslandskorrespondenten in China, wurden zuletzt verstärkt Opfer von Internetspionage oder anderen Attacken.

Jetzt haben die amerikanischen Internetexperten aufgedeckt, dass auch Rechner in indischen Botschaften und Uno-Außenstellen von China aus angezapft wurden. „Wir haben uns von hinten angeschlichen und aus ihren Taschen stibitzt“, erklärte Deibert. Sein Team hatte unter anderem drei Monate in Indien verbracht, um Zugriffe auf E-Mails des Dalai Lama zurückzuverfolgen. Das geistliche Oberhaupt der Tibeter lebt in Indien im Exil, was das Verhältnis zwischen China und Indien belastet. Die beiden Atommächte streiten aber auch über Grenzfragen und Rohstoffe.

Da sich die Hacker für ihre Attacken gekaperter Computer von Dritten bedienen, lässt sich der Urheber nicht eindeutig ermitteln. Chinas Regierung hat eine Beteiligung zurückgewiesen: „Datenklau ist ein internationales Problem“, teilte das Außenministerium in Peking mit. „Wir wissen nicht, warum diese Leute immer die chinesische Regierung nennen. Wir verurteilen sämtliche Formen von Internetkriminalität.“

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