Internetsicherheit
EU warnt vor „digitalem Terrorangriff“

Die Europäische Union hat Regierungen und Unternehmen aufgefordert, sich besser gegen Angriffe aus dem Internet zu wappnen. Bereits 30 Prozent des Welthandels seien vom reibungslosen Funktionieren des Internets abhängig, warnte die EU-Agentur für Informationssicherheit (Enisa) in Brüssel. Gleichzeitig steige die Gefahr von Spams und Cyber-Attacken.

BRÜSSEL. Weltweit seien schon sechs Millionen Computer mit Trojanern und anderen schädlichen Programmen infiziert. „Wir müssen alles tun, um einen digitalen 11. September zu vermeiden“, sagte Enisa-Chef Andrea Pirotti.

Informationstechnologie sei heute ein zentraler Bestandteil „aller kritischen Infrastruktur“, etwa bei der Steuerung von Kraftwerken oder Flughäfen, erläuterte Pirotti. Ein groß angelegter Cyber-Angriff könne deshalb erheblichen Schaden anrichten, vergleichbar mit den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001. Als Beispiel nannte Pirotti Estland, das im letzten Jahr Opfer gezielter Attacken wurde. Bisher hätten nur 14 EU-Staaten nationale Notfallteams zur Abwehr der digitalen Gefahr eingesetzt. Die „Internet-Feuerwehr“ müsse dringend ausgebaut werden, so Pirotti.

„Europa muss die Sicherheitsrisiken ernster nehmen und mehr in den Schutz investieren“, forderte der Experte. Die EU solle dem Beispiel der USA folgen und eine Meldepflicht für Sicherheitslücken und Cyber-Attacken einführen. Auch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit müsse ausgebaut werden. Bisher bemühten sich nur einzelne Staaten wie Frankreich, Finnland oder die Niederlande um Kooperation.

Die EU-Agentur forderte auch Unternehmen und Bürger auf, sich besser zu schützen. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen seien gefährdet, da sie meist nicht über das nötige Know-How verfügten. Private Internet-Nutzer glaubten sich allzu oft in Sicherheit, da ein Großteil unerwünschter Mail von ihrem Provider abgefangen wird. Nur noch sechs Prozent der sogenannten Spams erreichen die Mailboxen; 94 Prozent werden durch Spamfilter ausgeschaltet. Dafür sei die Gefahr durch „soziale Netzwerke“ wie Facebook oder Myspace gestiegen. Dort würden viele private Daten gespeichert, was zu Missbrauch einlade.

Unzufrieden zeigte sich der Experte mit der personellen Ausstattung seiner Agentur. Enisa berät seit drei Jahren die EU-Staaten und die Institutionen in Brüssel bei der Sicherung sensibler Computernetze. Die Agentur mit Sitz in Heraklion (Kreta) beschäftige derzeit rund 50 Mitarbeiter, erklärte Pirotti. Er benötige rund 30 Experten zusätzlich. Zudem hoffe er darauf, dass das Mandat seiner Agentur verlängert werde. Enisa wurde zunächst nur befristet bis März kommenden Jahres eingerichtet.

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