Internetsicherheit
Frankreich schützt Mailverkehr durch eigene Server

Paris handelt schneller als die Bundesregierung, um transatlantische Umwege im Internet überflüssig zu machen – französische Mails sollen über französische Server laufen. Doch bei dem Vorstoß bleibt auch einiges unklar.
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ParisFrankreichs Premier Jean-Marc Ayrault ließ seine Zuhörer lange schmoren, bevor er einen Knüller auspackte: Erst ganz am Ende einer Rede über Cyberkriminalität und den Schutz vor Attacken aus dem Ausland kündigte er am Donnerstag eine Initiative an, die Mailanbieter in Frankreich künftig verpflichtet, die elektronische Post zu verschlüsseln und ausschließlich über Server laufen zu lassen, die im Inland stehen. „Unser Ziel ist es, die Unverletzlichkeit der Korrespondenz zu sichern – ein altes republikanisches Prinzip, dass wir in der digitalen Welt erneuern müssen.“ begründete Ayrault seinen Vorstoß.

In einer ersten Phase soll die neue Regelung nur für Internetprovider gelten, später dann für alle Firmen, die Maildienste anbieten. Unklar ist, ob die Vorschrift allein für französische Unternehmen gelten soll. Ayrault sprach anfangs von „nationalen Angeboten für den Mailverkehr“, begrenzte seine Ausführungen später aber nicht ausdrücklich auf französische Unternehmen.

Vor einer Woche hatte die Bundeskanzlerin den Wunsch geäußert, ein europäisches Netz für den Mailverkehr zu entwickeln, so dass die elektronische Post nicht mehr von München über Nordamerika nach Hamburg läuft, wie es heute oft der Fall ist. Sie begründete das mit dem Anliegen, für einen besseren Datenschutz zu sorgen. Genauso argumentiert auch Ayrault: Der „Schutz der Informationssysteme ist auch ein Schutz der Freiheit und des Privatlebens“. In jüngster Vergangenheit habe es Verletzungen dieser Sphäre gegeben – eine Anspielung auf den NSA-Skandal.

Am Mittwoch hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Staatspräsident François Hollande beim deutsch-französischen Ministerrat auch über IT-Sicherheit und die Förderung der europäischen Fähigkeiten bei den Informationstechnologien gesprochen, ohne aber fertig ausformulierte gemeinsame Initiativen anzukündigen. Bei einem Auftritt vor der OECD am Mittwochnachmittag sagte Merkel, eine größere Leistungsfähigkeit auf dem Gebiet der IT sei „eine Überlebensfrage für die deutsche Industrie, besonders für den Maschinenbau“, weil klassische Industrie und IT immer stärker zusammenwüchsen. Die Europäer dürften sich nicht in die Abhängigkeit von den USA und Asien begeben.

Auch Ayrault unterstrich in seiner Rede am Donnerstag, dass es ohne europäische Dimension kein Weiterkommen gebe: „Wir müssen unsere Strategie auf die europäische Ebene heben.“ Nur die EU erlaube es, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass der Datenschutz gestärkt werde, die Daten europäischer Unternehmen und Privatleute sicher gespeichert würden und europäische Unternehmen von internationaler Dimension entstünden. „Das ist die unverzichtbare, ich sage bewusst unverzichtbare Bedingung dafür, dass unser Kontinent seine Souveränität garantieren kann.“, fügte er eindringlich hinzu. Zwischen Deutschland und Frankreich herrsche in dieser Frage volle Übereinstimmung.

Umstritten ist allerdings, ob das Ausweichen auf nationale Server tatsächlich Sicherheit vor dem Aushorchen des Mailverkehrs bietet. Die amerikanische NSA verfügt über Abhöranlagen, die auch in Europa tätig sind. Zudem arbeiten die europäischen Geheimdienste bereitwillig mit der NSA zusammen.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

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  • @Komaraz

    Nur komisch das die meißten noch dem Geldsystem vertrauen. Wo das doch die größte Lüge und vorallem kriminell der Hochfinanz ist!!

    Ja ja...vertraue nur dir selber war schon immer ein bewährtes Rezept. Die Menschheit ist in einer großen Krise. das kommt davon, wenn man sich nur gegenseitig belügt und betrügt. Nichts neues aber von den Menschen. das wusste schon Rousseau

    http://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Jacques_Rousseau

  • Alles Opium für das verblödete Volk.
    Die Amerikaner machen was sie wollen unter Besatzerstatut und erzwungener bilateraler Verträge. Bekanntermaßen haben die amerikanischen (und britischen?) Dienste Zapfstellen mitten in Deutschland, wo sie sich holen können was sie wollen, und wovon die deutschen und sonstige europäischen Dienste hin und wieder einen Brocken zum Fressen abkriegen von Informationen, an die sie ansonsten nicht heran kämen unter den jeweiligen Grundgesetzen. Das sind dann die propagandistischen Argumente der angeblichen Verhinderungen von Terroranschlägen (Tenor: Friedrich & Co), zumal heute vermutlich hinter jedem Busch ein potentieller Terrorist sitzt wenn man dem Politiker-Zeitgeist Glauben schenken darf! Und der deutsche Michel ist überglücklich, wenn er das hört in seiner Demokratie-Illusion über eine Freiheit die es schon lange nicht mehr gibt! Dazu rennt er dann sogleich zu seiner Wahlurne um nur die zu wählen, die ihm seine Verdummungsglückseligkeit verkündet haben (hatten wir das nicht schon einmal...?).
    Mutti macht glücklich!

  • Schön wäre wenn man sich auch mal um den Web also HTTP(S)-Traffic
    kümmern würde dadrüber laufen ALLE Websites und die meisten Apps
    auf den Smartphonen. Also im Grunde heutzutage schon viel mehr
    interessante Daten als es bei E-Mails der Fall ist.

    Nur mal kurz zur Erklärung das Internet funktioniert so das die
    Daten immmer den Weg nehmen der gerade frei ist.

    Also wenn ich eine E-Mail an meinen Nachbar schreibe kann sie in
    wenigen Sekunden mehrmals um die Erde wandern.

    Was sagt uns das jetzt?

    Richtig der der die dicksten Glasfaser-Kabel und Uplinks hat
    bekommt theoretisch den meisten Traffic durch geroutet.

    Nun ist es so das wir in Europa so ziemlich die grössten
    Übergabepunkte haben sogenannte IXP's aka. Internet Exchange Point's

    NL/Amsterdam https://www.ams-ix.net/technical/statistics
    DE/Frankfurt a. Main http://www.de-cix.net/about/statistics/

    Wie man sehen kann gehen da mal eben 2 bis 3 TeraBits pro Sekunde
    durch. Weltweit liegt der Durchsatz so bei um die 15 TeraBits/s.
    Europa allein liegt bei satten 13 TeraBits/s.

    Man müsste also nur die ISP's aka. Internet Service Provider
    etwas dazu zwingen weniger Traffic durch die Kabel im
    Atlantik zu routen und schon kommen die Daten nicht mehr in die USA.

    Das Problem ist dabei jetzt nur das zB. die NSA die IXP's in Europa
    schon fleissig angezaft hat.

    Wer sich für das Internet interessiert kann ja mal bei
    https://www.euro-ix.net/ vorbei schauen.

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